Yume

Drei Frauen, drei Städte, drei Geschichten: Der Dokumentarfilm beobachtet Versuche weiblicher Emanzipation in traditionellen Gesellschaften.

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In ihrem Abschlussfilm für die Kunsthochschule für Medien Köln begleiten Annkatrin Hausmann und Shirin Saghaie drei Frauen in drei verschiedenen Metropolen: Tokio, Teheran und Havanna. Die Japanerin Tonko versucht sich Nacht für Nacht als Straßensängerin, die Iranerin Ayin trainiert Kickboxen, die Kubanerin Analía wartet auf die Ausreisegenehmigung, um mit ihrem Freund ein neues Leben in Chile anfangen zu können. Die Ähnlichkeiten im Leben der drei werden durch den Parallelschnitt suggeriert, verbunden sind sie vor allem in ihrem Streben nach Überwindung der gegenwärtigen Umstände.

Yume fängt aus allen drei Städten atmosphärische Straßenszenen ein, die in der Regel auf den ersten Blick erkennen lassen, wo man sich befindet – was auch nötig ist, denn abgesehen von einmalig eingeblendeten Zwischentiteln im ersten Teil des gerade einstündigen Films gibt es keine Hinweise auf den Ort. Die Neon-Welt von Tokio, die abbröckelnde Glorie Havannas und Teherans Tristesse sind der Hintergrund für die meist aus dem Off eingeblendeten Selbstbetrachtungen der drei porträtierten Frauen. Eine Szene, die in Erinnerung bleibt, ist das Gespräch unter Freundinnen in einem Restaurant in Teheran über die Doppelmoral der iranischen Gesellschaft und die Lächerlichkeit der Kleidervorschriften.

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Eigentliches Zentrum des Films sind aber drei Szenen, in denen die Protagonistinnen mit ihren Eltern über die Zukunft sprechen. Der japanische Vater beschwert sich halbernst darüber, dass seine Tochter wegen der Singerei immer spät nach Hause kommt und die Eltern weckt; dann aber macht er sich sehr ernsthaft Sorgen darüber, ob sie von ihrer Kunst eines Tages wird leben können. Ein Vorsingen endet dann auch mit einer großen Enttäuschung. Tonka mag die meisten politischen Freiheiten genießen, in ihren Möglichkeiten erstarrt ist aber auch sie.

Analía sieht sich von ihrer Mutter emotional erpresst, die nicht will, dass sie Kuba verlässt (ein Gespräch mit einem Sohn, denkt man, würde sicher anders ablaufen). Die Tochter aber pocht auf ihr Recht auf ein selbstbestimmtes Leben und macht die Liebe zu einem Mann geltend. Die kubanischen Männer gefallen ihr nicht, aber unausgesprochen schwingt auch der Wille mit, ihrem Heimatland wegen der geringen Chancen, die es ihr bietet, den Rücken zu kehren.

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Im Iran schließlich machen sich die Eltern von Ayin permanent Sorgen um ihre Tochter, wenn sie spät nach Hause kommt – was wohl allen Eltern überall auf der Welt so geht. Der Vater fügt dann aber Gründe hinzu, die spezifisch iranisch sind: die derzeitige politische Instabilität, aber vor allem die Polizei, die wegen angeblichen Verstoßes gegen die Kleidervorschriften wahllos Frauen schikanieren kann. Es sind, fasst der Vater zusammen, die Sorgen einer eingeschlossenen Gesellschaft.

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Alle drei Gespräche zwischen Eltern und Kindern laufen auf den Ausspruch Analías hinaus: „Ich will mein eigenes Leben leben.“ Yume versucht, die Probleme moderner Frauen als soziale Konstante zu beschreiben und herunterzubrechen, unabhängig davon, in welchen Systemen sie leben. Aus dem Typischen der jeweiligen Weltregion entsteht so ein ganz allgemeines Problem, das irgendwo im viel zitierten weiten Feld zwischen Tradition und Moderne liegt. Allerdings gelingt diese Klammer nur bedingt; der Film ist in seinen Einzelteilen, seinen oft schön beobachteten Details interessanter denn als konzeptgesteuertes Ganzes.

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