Yuki & Nina

Zwei junge Mädchen wollen eine Scheidung verhindern und landen schließlich in einem verzauberten Wald. 

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Der japanische Regisseur Nobuhiro Suwa ist in seinen Filmen immer wieder zwischen seinem Heimatland und dem subventionswilligen Frankreich gependelt. Ein perfektes Paar (Un couple parfait, 2005) wurde mit rein französischer Besetzung gedreht, H-Story (2001), eine Art Remake von Alain Resnais’ Hiroshima mon amour (1959), beschreibt dagegen einen interkulturellen Dialog. Auch sein neuester, gemeinsam mit dem französischen Schauspieler Hippolyte Girardot gedrehter Film bewegt sich zwischen Frankreich und Japan.

Yuki & Nina handelt von zwei jungen Freundinnen aus Scheidungsfamilien. Im Gegensatz zu Nina (Arielle Moutel), die schon länger bei ihrer alleinerziehenden Mutter lebt, sind Yukis (Noë Sampy) Eltern gerade erst im Begriff, sich scheiden zu lassen. Die Trennung führt schließlich zu einem entscheidenden Konflikt, denn Yukis Mutter (Tsuyu Shimizu) will zurück in ihre japanische Heimat, während sich die Tochter quer stellt.

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Wie in Das Doppelte Lottchen (1950) oder dessen amerikanischer Adaption Die Vermählung ihrer Eltern geben bekannt (The Parent Trap, 1961) steht auch hier zunächst das ambitionierte Unterfangen im Mittelpunkt, die Eltern wieder zusammen zu bringen. Mit Hilfe der Liebesfee versuchen die Mädchen zu retten, was längst nicht mehr zu retten ist. Dabei behält der Film konsequent die kindlich naive Perspektive der Mädchen bei, behandelt sie eben nicht wie zwei unbedarfte Welpen, die beim erwachsenen Zuschauer Entzücken hervorrufen sollen, sondern nimmt sie als Figuren ernst.

Es stellt sich ohnehin die Frage, für wen Yuki & Nina eigentlich gemacht ist. Bei seiner deutschen Erstaufführung lief der Film auf der Berlinale in der Kindersektion Generation Kplus. Mit seinen überwiegend statischen, dezentrierten Einstellungen, die häufig die Köpfe der Darsteller abschneiden und seiner sich zunehmend lockernden Dramaturgie ist er höchstens die Arthouse-Variante eines Kinderfilms, der für Kinder selbst wohl am wenigsten interessant ist. Teilweise wirkt Yuki & Nina eher wie eine verfrühte Coming-of-Age-Geschichte, in der die junge Protagonistin - anders als der Titel nahelegt, geht es vorrangig um Yuki - mit der Komplexität des Lebens konfrontiert wird. Einfache Antworten gibt es nicht, lediglich die Einsicht, dass Veränderungen auch etwas Gutes haben können.

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In einer Szene zeigt Yukis Vater (Hippolyte Girardot) seiner Tochter ein neues Kunstwerk. Er projiziert ein Dia mit abstrakten Formen auf andere, an der Wand klebende Formen. Als sich aus den beiden Bildern ein Wort ergibt, erklärt er Yuki, dass durch die Kombination zweier unterschiedlicher Elemente etwas Neues und Spannendes entstehen kann. Dieses dualistische Prinzip zieht sich durch den gesamten Film. Angefangen von den verschiedenen geglückten und misslungenen Paarkonstellationen vor und hinter der Kamera wird auch Yukis Zerrissenheit zwischen Frankreich und Japan immer wieder thematisiert.

Ein klassischer Plot, an dessen Ende die Versöhnung der Eltern steht, interessiert Suwa und Girardot letztlich nicht. In der zweiten Hälfte, wenn die beiden Mädchen aus Unmut von zu Hause ausreißen, widmen sich die Regisseure stattdessen einer freieren Erzählweise. Mehrmals zeigt der Film den ungebändigten Spieltrieb der Mädchen und lenkt ihn lediglich durch die formale Strenge der Einstellungen. So spielen Yuki und Nina Ochs am Berg oder interpretieren Wolkenformationen, ohne das all das einem dramaturgischen Sinn untergeordnet wird.

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Es mag kein Zufall sein, dass diese zweite, fantasievollere Hälfte in einem Wald angesiedelt ist. Bei asiatischen Regisseuren wie Apichatpong Weerasethakul und Naomi Kawase, aber zuletzt auch in Ulrich Köhlers Schlafkrankheit ist der Wald nicht nur ein Schauplatz, an dem sich die Fesseln klassischer Dramaturgie lösen, sondern auch ein Ort der Transzendenz. Ohne die Bezugspunkte des Alltags werden plötzlich die Grenzen zwischen Traum und Wirklichkeit überschritten. In Yuki & Nina macht sich das daran bemerkbar, dass ein von Zikadenzirpen eingehülltes japanisches Dorf nur ein Waldstück von einem Pariser Vorort entfernt liegt. 

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