Young Adult

Eine ehemalige High-School-Schönheit will ihren damaligen Boyfriend zurückerobern. Charlize Theron brilliert als Schreckschraube in einer als Komödie getarnten Charakter-Studie.

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Das Leben kotzt sie an. Man sieht es an dem Widerwillen, mit dem sie sich von der Couch windet; an den bei jeder Tätigkeit angeekelt verzogenen Mundwinkeln, an der vermüllten Wohnung. Dabei glauben viele ihrer Zeitgenossen, Mavis Gary (Charlize Theron) habe es „geschafft“: Sie ist ihrer provinziellen Heimatstadt Mercury entkommen, lebt in der Metropole Minneapolis – und ist sogar Autorin! Gut, eher Ghostwriterin für eine nicht mehr wirklich populäre Serie von Kitsch-Romanen für „junge Erwachsene“. Aber immerhin! Wahrscheinlich hat Mavis diese Lüge sogar selbst einmal geglaubt. Aber das gelingt ihr nicht mehr; erst recht nicht, als sie in einer E-Mail erfährt, dass ihr High-School-Sweetheart Buddy (Patrick Wilson) Vater wird. Mavis beschließt, nach Mercury zu fahren, um den verheirateten Papa zurückzuerobern. Das muss doch möglich sein. Schließlich war sie die Schönheitskönigin der Schule, das coolste Mädchen, das jeder haben wollte!

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Klingt nach einem Stoff, aus dem Hollywood leicht eine fürchterlich verlogene Komödie fertigt. Ein Konflikt als Anlass für eine romantisierende Reise in die Vergangenheit, in deren rosarotem Vexierspiegel sich dann auch die Gegenwart nicht mehr gar so grau ausnimmt. Nicht so in Young Adult. Dafür steht exemplarisch die brillante Eröffnungssequenz, die die Stimmung des Films evoziert. In Ort, Zeit und Handlung größtenteils auf ihre Wohnung beschränkt, beobachtet die Kamera Mavis, wie sie lustlos ihr Schoßhündchen füttert, lustlos auf dem Sofa herumlungert, lustlos am Computer sitzt, bei einem lustlosen Date und ebenso lustlosem Sex, wie sie verkatert ihren Rausch ausschläft. Der ständig laufende Fernseher mit seinen trashigen Talkshows bildet den Soundtrack, der ansonsten gänzlich ohne Musik auskommt. Diese Sequenz zeigt in einer metonymischen Verdichtung die bohrende Langeweile im Leben einer Frau, die sich ausschließlich um sich selbst dreht; aber auch, darunter liegend, ihre Orientierungslosigkeit und das Scheitern eines Lebensentwurfes. Und sie lässt in ihrer Dringlichkeit keine falschen Schlüsse zu: Mavis’ Vorhaben ist keine harmlose Verirrung, sondern entspringt einer handfesten Neurose; und sie ist keine sympathische Figur.

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Charlize Theron hat Erfahrung in der Darstellung von Hässlichkeit. Das ehemalige Model spielte 2003 in Monster unter einer entstellenden Maske eine Serienkillerin. Dafür erhielt sie prompt einen Oscar, auch wenn der Auftritt nicht frei von einer unangenehmen Gespreiztheit war. In Young Adult gerät er ihr ungemein überzeugender. Theron spielt mit ihrer eigenen Star-Persona und kehrt die unangenehme Seite der Schönheit hervor. Die Rolle lebt von ihrer Mimik, dem hochmütigen Blick, der arroganten Visage, die sekundenschnell in falsche Freundlichkeit umschlägt. Dass diese wunderbar bösartige Figur auch im Verlauf des Films nicht gängigen Konventionen angepasst wird, ist dem Duo Jason Reitman (Regie) und Diablo Cody (Drehbuch) zu verdanken, die hier nach ihrem Erfolg mit Juno (2007) ihr zweites gemeinsames Projekt liefern. Ein interessantes Team: Der Kanadier Reitman zeigt in Tragikomödien wie Up in the Air (2009) die US-Gegenwartsgesellschaft durch die Augen von Einzelgängern, seine Filme drehen sich um Einsamkeit, Entfremdung und verpasste Möglichkeiten. Diablo Cody entwickelt komplexe Frauenfiguren und erzählt durch sie ebenfalls von der spätkapitalistischen Gesellschaft der USA, am komplexesten in ihrer Serie The United States of Tara (2009–2011), der Geschichte einer Frau mit multipler Persönlichkeit.

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Bei Young Adult ist die sanfte Melancholie und Versponnenheit von Juno allerdings einem ausgewachsenen Zynismus gewichen. Der Film ist in seinem Kern ein mutiges Experiment: eine als Mainstream-Komödie getarnte, düstere Charakterstudie, die das für jede Drehbuchschule zentrale Postulat, der Zuschauer solle sich mit der Hauptfigur identifizieren können, bewusst missachtet. Mit Mavis, dieser egozentrischen, eingebildeten, hochmütigen, bis zum Herzen kalten Zicke, dürfte das schwer fallen.

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Zurück in ihrer Heimatstadt, geht es mit Mavis immer weiter bergab: Ihren Ex-Freund Bobby bringt sie in peinliche Situationen, zu ihren Eltern hat sie keine Beziehung. Mavis ertränkt ihren Frust im Alkohol. Einen Saufkumpan und ihre einzige Bezugsperson findet sie ausgerechnet in dem ehemaligen Mitschüler Matt (Patton Oswalt), der damals für schwul gehalten und deshalb so verprügelt wurde, dass er noch immer humpelt. Matt repräsentiert das andere Extrem der High School, den grausam gehänselten, dicken Außenseiter, der noch für den Rest seines Lebens an den Verletzungen seiner Jugend trägt. Wieder widersteht der Film hier der Gefahr, in falsche Sentimentalität abzugleiten. Im Gegenteil, die Erzählung nutzt das Verhältnis dieses ungleichen Paares für eine größere Komplexität, spannt ein Panorama auf, das über die Figuren hinausweist und davon erzählt, wie unsere Jugend unser Leben als Erwachsene determiniert. Am Ende ist Mavis vielleicht von ihrer fixen Idee befreit und durchläuft insofern schon eine Entwicklung, vielleicht gar eine Läuterung. Aber sie bleibt unausstehlich. Und wird durch diese Authentizität doch noch fast sympathisch.

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Kommentare


Martin Z.

Allein dem schauspielerischen Talent von Charlize Theron ist es zu danken, dass man über diesen mittelmäßigen Film ein Wort verliert. Sie spielt die etwas unreife, für Teenies schreibende Enddreißigerin erschreckend überzeugend. Die anderen Figuren bleiben blass. Die Ausgangssituation ist wie in unzähligen amerikanischen Filmen bereits geschildert, die Heimkehr nach vielen Jahren in den Ort, wo man aufgewachsen ist. Nur dass Mavis (Theron) beabsichtigt ihren Jugendschwarm (Patrick Wilson), der glücklich verheiratet und gerade Vater geworden ist, zurückzuerobern. Das Vorhaben muss scheitern, aber wie das geschieht, verdeutlicht nur die Hauptdarstellerin bravourös.
Es ist keine Komödie, eher ein Psychogramm einer gestörten, gescheiterten Frau, die man nur bemitleiden kann. Ihr wunderschönes Gesicht verfinstert sich, erstarrt in Eiseskälte, wobei es eine potentielle tödliche Gefahr ausstrahlt oder es wirkt nach durchsoffener Nacht leicht derangiert. Sie zeigt neben kurzen Einblicken in ihr Innenleben auch noch Reaktionen auf diese hinterwäldlerische, spießige Welt von Losern. Da bleibt vieles aber an der Oberfläche. Lediglich das Geschwisterpaar (Collette Wolfe, Patton Oswalt) hebt sich durch differenziertere Darstellung von den übrigen etwas ab. Diese beiden geben Mavis sogar Impulse für eine mögliche Weiterentwicklung, deren Auswirkungen aber am Ende offen bleiben. Man fragt sich, ob Mavis ein anderes, neues Leben beginnen kann? So ist das alles nichts Besonderes.


ulle

im Grunde ein reaktionärer Film , der anhand der -m.E. unglaubwürdigen, überzeichneten- Charakterdarstellung eines Loosers (Single) die Familie als einzig erstrebenswertes Glück aufzeigt, für die man auch die wiederwärtigste Provinz in Kauf nimmt .. Am unglaubwürdigsten wirkt die Geschichte, wenn der Gund für das seltsame , anbiedernde Verhalten der Hauptfigur erklärt wird. Eine Fehlgeburt ist also Auslöser allen Übels und dummen Verhaltens ( der Sex mit dem Krüppel anschließend , sowie das Morgengespräch mit seiner Schwester bietet dann Katharsis pur ).

Für mich ein Film für Sarah Palin Fans . Reitmann bedient romantische Klischees für eine vom Versagen verängstigte Mittelschicht, die Provinz als Rettung vor ihrem eigenen -existentiellen- Scheitern betrachtet und Familienglück als Alibi nutzt, kein "Looser" zu sein und mindestens so viel gesellschaftlichen Wert besitzt, wie ein durch und durch glücklicher Investment Banker mit Familie , der im Trumptower auf der 5th Avn. in NY residiert . Ach ja : Theron sieht wirklich klasse aus und spielt auch sehr gut, im Vergleich zu fast allem anderen Teilnehmern im Film ;)






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