YellowBrickRoad

„Toto, I have a feeling we’re not in Kansas anymore!“: Das Kino als eskapistischer Sehnsuchtsort funktioniert in diesem amerikanischen Indie-Horrorfilm nur in der Theorie. 

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Im Jahr 1940 verlässt die gesamte Bevölkerung von Friar, New Hampshire, ihre Stadt und begibt sich auf den Weg in den Wald, ohne jemals zurückzukehren. Knapp 70 Jahre später macht sich eine Gruppe junger Filmemacher auf den Weg, um dem Geheimnis ihres spurlosen Verschwindens nachzuspüren. Zunächst erfahren sie vor Ort, dass die Bewohner seinerzeit zunehmend viel Zeit im Kino verbracht haben, wo sie sich immer und immer wieder aufs Neue The Wizard of Oz (1939) angeschaut haben, im Wald dann beginnen ihr Kompass und ihre Karten schnell trügerische Wege anzuzeigen. Als dann aus dem Wald heraus immer wieder harmonieselige 40er-Jahre-Schlagermusik zu erklingen beginnt, wird schnell klar, dass die Protagonisten von YellowBrickRoad sich in einer merkwürdigen Parallelwelt befinden – eine Erkenntnis, die sie allmählich in den Wahnsinn treibt …

Yellowbrickroad 02

Das Kino als eskapistische Alternativrealität, in der die Vergessenen und Ignorierten der Welt verloren zu gehen drohen – eigentlich ist es eine sehr interessante Grundidee, auf der die beiden Regiedebütanten Jesse Holland und Andy Mitton ihren Independent-Horrorfilm YellowBrickRoad aufbauen. Leider ist das auch schon das einzig Positive, was es darüber zu sagen gibt, denn um aus einer originellen Idee auch einen interessanten Film zu machen, fehlt es beiden augenscheinlich schon am essenziellsten Handwerkszeug. So gelingt es ihnen nicht für einen einzigen Augenblick, eine einigermaßen konsistente Atmosphäre der Bedrohung zu erzeugen. Die Inszenierung der musikalischen Dauerbeschallung als innerdiegetische Drohkulisse gelingt selten und wenn, dann nicht in der nötigen Subtilität, die Charakterentwicklung bleibt bloß behauptet, einen Spannungsbogen gibt es nicht und die Erzählung holpert konfus und hilflos voran, bis sich am Ende ein allzu erwarteter Kreis schließt. Im Grunde ist es für sich schon eine Kunstform, einen Film, in dem rein gar nichts Sinn macht, derart voraussehbar zu erzählen.

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Zudem hat es hier offensichtlich auch an den Mitteln gefehlt, um einen besseren Film zu drehen. Dass man sich die Lizenzgebühren wohl nicht leisten konnte, um den tatsächlichen Soundtrack zu The Wizard of Oz zu spielen, um den herum ja im Grunde das gesamte Konzept von YellowBrickRoad arrangiert ist, ist dafür nur der auffälligste Ausdruck. Auch die Schauspieler wirken selten so, als ob sie dieser Profession hauptberuflich nachgehen, und die gelegentlich verwendeten digitalen Splattereffekte sind nicht katastrophal, aber sehr schlicht, was ihre unfreiwillige Komik im Filmganzen noch verstärkt. Insgesamt sind Holland und Mitton leider an ihrem Stoff auf so ziemlich jede denkbare Weise gescheitert, und so stimmt man voll und ganz zu, wenn dann gegen Ende des wirren, spannungsfreien und dazu noch bedeutend zu langen Films die Dialogzeile fällt: „Forgive me, I’ve seen too much …“

Trailer zu „YellowBrickRoad“


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