X-Men: The Last Stand

Magneto hält die Welt in Atem: Wolverine, Storm und ihre Superheldenkollegen treten dem Mutanten mutig entgegen. Die X-Men sind zurück und rüsten sich für das letzte Gefecht, bis zur nächsten Fortsetzung.

X-Men: Der letzte Widerstand

Majestätisch schwebt das große Mittelstück der Golden Gate Bridge umhüllt von einem Energiefeld über der Bucht von San Francisco. Das Wahrzeichen der Stadt soll eine Verbindung zwischen dem Festland und der ehemaligen Gefängnisinsel Alcatraz herstellen. Dort wollen Mutanten, die übermenschliche Fähigkeiten besitzen, den Kampf gegen die Menschheit austragen. Es soll das letzte Gefecht sein, wie der Originaltitel, The Last Stand – eine Reminiszenz an General Custers Schlacht am Little Big Horn – verspricht. Doch dieses Mal werden die Regierungstruppen der Überzahl der Angreifer nicht unterliegen, denn sie haben die X-Men, Mutanten die für die Gute Sache kämpfen, auf ihrer Seite.

Wie schon im Fall der ersten beiden X-Men-Filme nutzt auch der dritte Teil das scheinbar simple Comic-Schema, den Kampf von Gut gegen Böse, als Bindeglied für die vielschichtige Verkettung von Erzählebenen. Neben der offensichtlichen Problematisierung des Umgangs einer demokratischen Gesellschaft mit Minderheiten, bildet in X-Men: Der letzte Widerstand die in den Vorgängerfilmen bereits angeschnittene „coming of age”-Thematik das eigentliche Zentrum der Erzählung. So geht es nicht nur um Freud und Leid der ersten Liebe, wie im Fall von Rouge (Anna Paquin) die Ihren Freund mit einer Konkurrentin teilen muss, auch das Misstrauen und die Angst vor dem eigenen Körper wird thematisiert. Die clevere Übertragung dieses Pubertätsthemas auf Mutanten, die ihre körperlichen Einzigartigkeiten als Fluch verstehen, zeugt vom Potential, das in Stan Lees Comic-Vorlage vorhanden ist.

X-Men: Der letzte Widerstand

Trotz der gelungenen Integrierung von Subtexten in die Handlung, eine Qualität, die man bei der Verfilmung des Lee-Stoffes Fantastic Four (2005), der Lachnummer des letzten Sommers, vergebens suchte, weist X-Men doch ein Symptom auf, an dem so viele Fortsetzungsfilme kranken: eine mangelnde Weiterentwicklung der Charaktere. Dies wirkt sich bei der Figurenzeichnung der jüngeren Mitglieder des Mutantenteams besonders nachteilig aus. So haftet Shawn Ashmores Auftritt als Teenager, der bereits vor sechs Jahren in der Rolle des Bobby Drake im ersten X-Men-Film auf Professor Xaviers (Patrick Stewart) Schule für „begabte Kinder“ ging, etwas Bizarres an.

Nachdem der X-Men-„Filmvater“ Bryan Singer zugunsten von Superman Returns (2006) auf den Regiestuhl verzichtete und Matthew Vaughn (Layer Cake, 2004) kurz vor den Dreharbeiten absprang, scheint Brett Ratner nicht die schlechteste Besetzung für den Posten zu sein. Souverän weiß Ratner, der sich schon mit der Thomas-Harris-Verfilmung Roter Drache (Red Dragon, 2002) auf bereits beackertem Boden ausprobierte, mit den etablierten Komponenten der Superheldensage umzugehen, ohne einen eigenen Stempel zu forcieren. Auch muss man Ratner zu Gute halten, dass er nicht in eine gängige Modefalle getappt ist: Beim finalen Kampf zwischen den von Magneto (Ian McKellen) angeführten Mutanten und den Regierungskräften verzichtet er auf ein nicht enden wollendes Schlachtengemälde, wie es im jüngeren Blockbusterkino seit Der Herr der Ringe: Die zwei Türme (The Lord of the Rings: The Two Towers, 2002) wieder üblich ist.

X-Men: Der letzte Widerstand

Ratners Inszenierung spannt den Zuschauer weder auf eine Geduldsprobe, noch verliert der Film im Getümmel die Charaktere aus dem Blick, da die Effekte stets an die Physis der Figuren gebunden sind. X-Men: Der letzte Widerstand stellt zudem Bezüge auf antike Motive her, die sich aufgrund der Konzeption der Mutanten als übermächtige Wesen geradezu anbieten. So gestaltet sich die Auseinandersetzung zwischen Wolverine (Hugh Jackman) und der wieder auferstandenen Jean (Famke Janssen), die nach einer Persönlichkeitsspaltung den finsteren Mächten zugetan ist, einer Göttersage gleichend, als tragischer Kampf der Titanen.

Mit X-Men: Der letzte Widerstand gelang Ratner ein solides Stück Kinounterhaltung, was, angesichts der Überzahl der Blockbustergurken in den letzten Jahren, fast als ein Lichtblick erscheinen mag.

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