Wu ji - Die Reiter der Winde

Der Martial-Arts Film ist in einer Sackgasse angekommen. Dieser Eindruck drängt sich zumindest angesichts Chen Kaiges effektüberladenem Kostümspektakel auf.

Wu ji - Die Reiter der Winde

Das Schicksal der Prinzessin Qingcheng (Cecilia Cheung) scheint schon in früher Kindheit besiegelt. Nachdem sie einen älteren Jungen um ein Stück Nahrung betrogen hat, bietet ihr eine vom Himmel herab schwebende Göttin ein Geschäft an: Prinzessin könne sie werden, müsse dafür jedoch Zeit ihres Lebens auf Liebesglück verzichten. Das Mädchen nimmt das Angebot an und das Unheil nimmt seinen Lauf.

Unheil auf allen Ebenen – von der ersten zur letzten Einstellung. Weniger gilt dies für die Erzählung, die sich in gewohnten Bahnen bewegt: Qingcheng wird tatsächlich Prinzessin und Objekt der Begierde des Generals Guanming (Hiroyuki Sanada). Dieser rettet sie mit Hilfe des übermenschlich starken Sklaven Kunlun (Jang Don-Kun) aus den Händen des Imperators (Cheng Qiang). Doch die eigentliche Gefahr droht von Seiten des Fürsten des Nordens Wuhuan (Nicholas Tse), der eine alte Rechnung zu begleichen hat.

Wu ji - Die Reiter der Winde

Wie gesagt, die Geschichte ist zumindest theoretisch solide, folgt in ihrer Märchenhaftigkeit den Genrekonventionen. Das wahre Übel in Wu ji - Die Reiter der Winde (Wu ji - The Promise) hört auf den Namen CGI (Computer Generated Imagery). Chen Kaiges Werk ist der erste chinesische Film, der exzessiv digitale Spezialeffekte einsetzt und – wie beispielsweise auch die neue Star Wars-Trilogie (1999-2005) – ganze Sequenzen am Computer entstehen lässt. Doch wo es George Lucas zumindest in Star Wars: Episode III - Die Rache der Sith (Star Wars: Episode III - Revenge of the Sith, 2005) gelang, die neue Technik produktiv einzusetzen und das Zusammenspiel zwischen menschlichen Schauspielern und größtenteils digital animierten Hintergründen ästhetisch ansprechend zu gestalten, funktioniert in Wu ji gar nichts. Die Übergänge zwischen am Computer erstellten Passagen und realen Settings sind immer auf den ersten Blick sichtbar. Hinzu kommt, dass Kaige angesichts der auf den ersten Blick unbegrenzten Möglichkeiten, die CGI eröffnet, jedes Maß verloren zu haben scheint. Der Regisseur, dessen opulente Melodramen der neunziger Jahre Lebewohl meine Konkubine (Ba wang bie ji, 1993) und Verführerischer Mond (Feng yue, 1996) durch ihre geschmackssichere Ausstattung bestachen, entwirft hier eine Folge einzelner Tableaus, die keine stilistische Konstante erkennen lassen und oft auch in sich nicht allzu schlüssig wirken.

Wu ji - Die Reiter der Winde

Ein möglicher Grund für das Scheitern des Films ist ein finanzieller. Zwar stand Kaige ein Budget von geschätzten 35 Millionen US-Dollar zur Verfügung, was Wu ji zur teuersten chinesischen Produktion aller Zeiten macht, im Vergleich zu amerikanischen Blockbustern gleicher Größenordnung ist dies aber immer noch extrem wenig. Infolgedessen – und möglicherweise auch aufgrund fehlender Experten in China – wirken einige der digital erstellten Hintergründe einem Computerspiel der späten neunziger Jahre entnommen und haben nicht den Hauch einer Chance, ihre Künstlichkeit zu verbergen. Was nicht unbedingt ein Nachteil sein müsste. Doch leider gelingt es Wu ji nie, das Missverhältnis zwischen detailreichen, plastischen Realschauplätzen und den kargen, streng geometrischen CGI-Welten produktiv zu nutzen. Im Gegenteil, diese Übergänge tragen dazu bei, die ohnehin mit zunehmender Filmdauer immer unsicherer inszenierte Erzählung vollends der Lächerlichkeit preiszugeben.

Zu allem Überfluss hat sich Chen Kaige ursprünglich vorgenommen, eine große Geschichte über den Kampf zwischen bedingungsloser Liebe und der unerbittlichen Macht des Schicksals zu erzählen. Im Mittelteil, in dem Wu ji von einem unübersichtlichen Gefecht zum nächsten stolpert, scheint er seinen eigenen Anspruch vergessen zu haben und wenn er ihn im Finale überraschenderweise doch wieder findet, ist die resultierende motivische Rückbesinnung auf den Filmbeginn höchstens – wie vieles in Wu ji – unfreiwillig komisch. Denn im Gegensatz zu Zhang Yimous Meisterwerk House of Flying Daggers (Shi mian mai fu, 2004), gelingt es Kaiges Film nie, die extravagante Visualisierung in den Dienst der Handlung zu stellen, oder in entgegengesetzter Weise, wie die meisten klassischen Martial-Arts Filme, durch eine funktionale Story die Technik zu rechtfertigen. In Wu ji zerstören sich Form und Inhalt gegenseitig – zurück bleibt ein buntes Flirren, das man nach dem Kinobesuch so schnell wie möglich vergessen möchte.

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