Wrong Cops

Etwas ist falsch mit diesen Cops. Quentin Dupieux recyclet sich in seinem neuen Film selbst.

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Die Killerreifen-Satire Rubber (2010) war einer der intellektuellsten Horrorfilme der letzten Jahre, die absurde Komödie Wrong (2012) erweckte den filmischen Surrealismus zu neuem Leben. Hinter beiden Geniestreichen steckte der französische Regisseur Quentin Dupieux, auch als Elektromusiker Mr. Oizo bekannt. Hängt die Messlatte erst einmal so hoch, ist sie schwer zu überspringen. Und in der Tat wirkt Wrong Cops (2014), als habe Dupieux alle Freunde vom Wrong-Set zu einer Reunion-Party eingeladen, bei der die Messlatte als Limbostange dient, unter der es durchzukriechen gilt.

The Wrong Film

Wrong Cops 03

Nicht nur im Titel erinnert Dupieux’ neuer Film an seinen Vorgänger. Mehrere Figuren und noch mehr Schauspieler haben den Weg von Wrong zu Wrong Cops gefunden. So kommt diese Komödie einem Spin-off nahe. Der schmierige Cop Duke (Mark Burnham) hatte im ersten Film einen Kurzauftritt und spielt nun die Hauptrolle. Er bessert seinen Lohn auf, indem er tote Ratten verkauft, in deren Bäuchen sich Marihuana befindet. Duke ist so bad-ass, dass er nicht mal einen Partner braucht. Er trifft sich regelmäßig mit einer Trans-Nutte, schreit kleine Kinder an und klaut einem Autobesitzer den Wagen mit vorgehaltener Dienstwaffe. Außerdem bringt er einen von „Schockrocker“ Marilyn Manson gespielten Teenager mit schlechtem Musikgeschmack („Deine Musik stinkt nach Deutschland!“) zu sich nach Hause, um ihm halbnackt schlechten Techno vorzuspielen, auf den eigenen Unterleib zu deuten und voller Inbrunst zu schreien: „Hier unten hört man Musik! Mit den Eingeweiden! Afrikaaaaaaaaa!!!“

Vor allem aber muss er einen versehentlich angeschossenen (Fast-)Toten loswerden, was dem Film als dünner roter Faden dient, der die verschiedenen Figuren und einzelnen Episoden miteinander verbindet. Officer Rough (Éric Judor, als Gärtner in Wrong zu sehen) schleppt den Sterbenden mit zu einem Musikproduzenten. Officer Sunshine (Steve Little, als Detektiv in Wrong zu sehen) versucht, den Mann unter die Erde zu bringen, um seine Schulden bei Duke zu begleichen, gibt ihn aber an den rechtmäßigen Besitzer/Mörder zurück, als er beim Grabschaufeln eine Tasche voller Geld findet. Um diesen Glücksfund wird er wiederum durch seine Kollegin Holmes (Arden Myrin, ebenfalls in Wrong zu sehen) gebracht, die ihn mit Schwulenporno-Fotos erpresst, für die er einst posierte.

Als sei das alles noch nicht Selbstbespiegelung genug, lädt Dupieux auch noch Roxane Mesquida aus Rubber und den Hauptdarsteller von Wrong, Jack Plotnick, zu kurzen Gastauftritten ein. Außerdem zeigt er eine Familie, die sich Rubber anschaut und davon schwärmt. Und während Dupieux sich in seinen vorherigen Filmen musikalisch sehr zurückgenommen hatte, wird Wrong Cops nun ganz entschieden von seinen eigenen Kompositionen vorangetrieben.

Finally getting it right

Wrong Cops 12

Wrong Cops ist durchaus unterhaltsam und witzig – insbesondere für Zuschauer, die Wrong nicht gesehen haben. Aber auf das Level seiner zwei vorherigen Filme kommt Dupieux hier nur ein einziges Mal: Ganz zum Schluss scheint doch noch mal das Talent des Regisseurs für absurden Humor durch, wenn der Polizeichef am Sarg eines Kollegen salutierend von dessen Fahrt in die Hölle erzählt und ein anderer Cop einwendet, es mache keinen Sinn, gen Himmel zu salutieren, wenn der Verstorbene doch „nach unten“ müsse. Das erinnert an die geniale Szene aus Wrong, in der die Hauptfigur mit einer Mitarbeiterin einer Pizzeria über deren unlogisches Logo diskutiert.

Auch der völlig bekiffte Auftritt von Duke, der bei der Beerdigung unter Drogeneinfluss zum eifernden Philosophen wird und eine herrlich bizarre Unterhaltung mit der Witwe des Toten führt („Wer sind Sie nochmal?“), ist einer der wenigen Höhepunkte des Films. Dieses Finale, in dem sich das Begräbnis zu einer Polizisten-Tanzparty auf dem Friedhof entwickelt (mit dem kanadischen Comedian Jon Lajoie als schwulem Cop), ist mit Abstand das Originellste an Wrong Cops. Ansonsten mäandert diese Komödie recht ziellos vor sich hin und wirkt oft, als habe Dupieux sie eher an sich und sein Filmteam als ans Publikum gerichtet.

Trailer zu „Wrong Cops“


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