World War Z

Eine Welt am Abgrund und ein Held fast ohne Pathos. Eine neue Bescheidenheit im Hollywoodkino?

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Lediglich zehn Sekunden sind es, die zwischen Leben und Untod entscheiden. Ist man von einem Zombie gebissen und mit einem unbekannten Virus infiziert worden, durch den man schließlich selbst zum Zombie wird, bleibt nur diese kurze Zeitspanne, um die Symptome einer Verwandlung zu beobachten. Wenn der Körper dann plötzlich spastisch zu zucken anfängt und sich die Pupillen ins Groteske weiten, ist es längst zu spät. Dann ist man nur noch eine triebgesteuerte Hülle ohne Seele, die mit dem Strom der sich nach Menschenfleisch verzehrenden Masse schwimmt und sich auf alles stürzt, was Lärm macht oder nach Leben riecht.

Der Schweizer Marc Foster bedient sich in World War Z der klassischen Zombie-Mythologie, passt sie aber an die schnelllebige Gegenwart an. Bereits in Danny Boyles 28 Days Later (2002) wurde der Zombiefilm durch Geschwindigkeit um eine neue Facette bereichert. Und auch bei Foster ist die Verwandlung kein langwieriger Prozess, und die Untoten sind keine gemächlich vor sich hin humpelnden Geschöpfe mehr wie noch in den archetypischen Filmen von George A. Romero. Haben sie ihre Opfer erst einmal fixiert, rennen sie wie aufgescheuchte Hühner auf sie zu.

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Ohnehin funktioniert World War Z im Grunde mehr wie ein Actionfilm. Erstaunlich ist zum Beispiel, wie sehr er explizite Gewaltdarstellungen meidet, von denen Filme mit Untoten für gewöhnlich zu einem nicht unbeträchtlichen Anteil leben. Allerdings dürfte der Grund hierfür eher wirtschaftlicher als ästhetischer Natur sein: denn wie soll man einen Sommerblockbuster landen, wenn seine potenzielle Hauptzielgruppe – nämlich die Jugendlichen - von vornherein ausgeschlossen ist?

Fans mögen diese Abkehr von Gore-Exzessen als Verrat am Genre auffassen. Tatsächlich aber ist das Fehlen von zerplatzten Köpfen und abgeschossenen Gliedmaßen hier kein Mangel, sondern logische Konsequenz eines von Zombiefilmen deutlich abweichenden Regiekonzepts. An den Untoten selbst ist der ausgesprochen kühle und düstere Film nämlich kaum interessiert, eher an einem Klima der Angst – und an einer Hauptfigur, die inmitten eines Endzeitszenarios versucht, mit einer globalen Katastrophe fertig zu werden.

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Eigentlich hat sich Gerry (Brad Pitt), ein ehemaliger Mitarbeiter der Vereinten Nationen, ins idyllische Familienleben zurückgezogen. Als er jedoch den Ausbruch einer Zombie-Pandemie miterleben muss, lässt er sich schließlich doch breitschlagen, die Welt zu retten. Oder es zumindest zu versuchen. Konzentriert man sich nur auf den Plot, ist der auf dem gleichnamigen Roman von Max Brooks basierende Film als klassische Heldengeschichte angelegt. Gerry lässt seine stumm leidende Familie zurück, um durch die Weltgeschichte zu fliegen und Ursachenforschung zu betreiben. Interessanterweise verschlägt es ihn dabei gerade an jene Schauplätze, an denen sich die größten Wunden der Menschheit befinden: An den in Dunkelheit getauchten Grenzstreifen zwischen Nord- und Südkorea oder an die Mauer zwischen Israel und dem Westjordanland. Auch wenn dem Film ein religiöses Anliegen fern ist, wirkt es hier fast so, als wäre die Pandemie eine biblische Strafe für den Hass unter den Menschen.

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Obwohl die Welt am Abgrund steht und Gerry ihr Retter sein könnte, kommt World War Z doch überraschend bescheiden daher. Schon in zahlreichen Filmen mit selbstlosen Helden fiel der pathostriefende Satz: „Tell my family I love them.“ So trocken und nüchtern wie hier wurde er aber wohl nur selten eingesetzt. Auch sonst lässt der Film die Möglichkeiten, sich in schwülstigen Bekenntnissen zu Vaterland und Familie zu verlieren, weitgehend ungenutzt und bleibt so bodenständig, wie es für ein Werk dieser Größenordnung nur möglich ist.

Foster gelingt es, das Spektakuläre mit betontem Understatement zu inszenieren. Keiner der aufwändigen CGI-Effekte steht etwa als bloße Attraktion für sich, sondern bleibt stets der Erzählökonomie verpflichtet. Ähnlich effizient setzt der Film auch die 3D-Technik ein. Da laufen keine Zombies in den Zuschauerraum, um protzig die Räumlichkeit des Films anzupreisen. Vielmehr wird das Publikum auf subtile Weise in das Geschehen auf der Leinwand eingebunden. Gerade eine Szene in der Innenstadt Philadelphias konzentriert sich ganz darauf, das Gefühl der Desorientierung zu vermitteln, dass man empfindet, wenn man sich inmitten einer aufgebrachten Menschenmenge befindet. Die gestaffelt hintereinander stehenden Statisten deuten einen räumlichen Eindruck an, während die schnellen Schnitte und nahen Einstellungen für eine Form von Verwirrung sorgen, die in vielen Filmen wie Bequemlichkeit wirkt, hier aber durchaus Sinn ergibt.

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World War Z ist ein typisches Hollywoodprodukt, gleichzeitig aber auch kein wirklicher crowd-pleaser. So irritiert es etwa, dass der Film an so vielen Stellen offen bleibt. Es ist keine große Enthüllung, wenn man verrät, dass die Handlung weder mit der erfolgreichen Bekämpfung der Pandemie endet, noch das Geheimnis ihres Ursprungs lüftet. Das mag vielleicht das Hintertürchen sein, dass sich die Produzenten für eine Fortsetzung offen lassen wollen, wirkt in einem ansonsten in sich geschlossenen Film aber eher wie einer kleine Rebellion, eine Weigerung, im Mainstreamkino immer alles ausformulieren und erklären zu müssen. Vielleicht ist es auch gar eine neue Bescheidenheit in Hollywood: Man muss nicht gleich die ganze Welt retten, manchmal reicht es auch, zu zeigen, wie mühsam es sein kann, der Rettung nur einen Schritt näher zu kommen.

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