World Trade Center
In ihrer schwärzesten Stunde muss eine Nation Helden gebären. Bei Oliver Stones World Trade Center stehen nicht die vielen Toten, sondern wenige Überlebende, ihre Familien und Retter im Mittelpunkt eines Heldenepos, bei dem kaum noch die Handschrift des Regisseurs erkennbar ist.

Künstler werden schnell zum Gewissen einer Nation erhoben. Das ergeht vor allem Schriftstellern so, häufig Musikern und manchmal auch Regisseuren. Im amerikanischen Kino würden viele vermutlich Oliver Stone mit einem solchen Titel küren. Der Kriegsveteran hat sich mit Platoon (1987) und Geboren am 4. Juli (Born at the Fourth of July, 1989), den ersten beiden Teilen seiner Vietnamtrilogie, sowie JFK (1991) und Nixon (1995) einen Ruf als kritischer amerikanischer Chronist geschaffen. Natural Born Killers (1994) galt seinerzeit als knallbunt-neongrelle und adrenalinstrotzende Gesellschaftskritik.
Insofern drängt sich Stone geradezu auf für den heiklen Auftrag eines massenkompatiblen Films über das einschneidendste Ereignis in den USA seit dem Vietnamkrieg. Der Zusammensturz des World Trade Centers ist der Stoff für einen Katastrophenfilm. In den siebziger Jahren florierte dieses Genre und nutzte jede Menge Starpower, um sensationelle Bilder zu präsentieren. Eine letzte Welle in dieser Tradition ergoss sich vor knapp zehn Jahren mit Filmen wie Twister (1996), Volcano (1997) und Dante’s Peak (1997).

Oliver Stone nutzt zwar die gängige Computertechnik für einige verblüffende Tricks, aufwändige Kamerafahrten und imposante Einstellungen, doch seine Inszenierung und deren Effekte sind weitaus weniger ambitioniert als etwa bei James Cameron, Wolfgang Petersen und selbst Roland Emmerich, die bei ihren Untergangsszenarien immer auch von der aktuellen visuellen Überwältigungsstrategie des Hollywoodkinos künden. Nicht nur gegenüber diesen jüngeren Genrebeispielen, sondern auch im Vergleich mit den Standardwerken der siebziger Jahre ist bei Stone der Aspekt von Action und Abenteuer zurückgenommen. Bei den fiktiven Unglücken der Klassiker aus dem Jahr 1974, Flammendes Inferno (Towering Inferno) und Erdbeben (Earthquake), sind Stars eminent wichtig, um Identifikation und Sympathie beim Zuschauer zu wecken. Bei einem realen Vorbild, ja bei dem prägenden Ereignis dieser amerikanischen Generation, wäre das fast kontraproduktiv – würde doch die Künstlichkeit des Produkts in den Vordergrund gerückt.
Schließlich weiß nicht nur jeder Amerikaner, wann und wo er am 11. September 2001 die ersten Bilder von diesem bis dahin für viele unvorstellbaren Anschlag gesehen hat. Schon bei dieser ersten Konfrontation mit dem Grauen haben Zuschauer auf der ganzen Welt das Schreckenszenario für sich selbst durchgespielt. Letztlich hätte es jeden treffen können, immer und überall. Das war die Quintessenz des Verbrechens, mit zum Teil paranoiden Folgen. Sympathie und Empathie dürfen bei den Zuschauern eines Filmes über den 11. September 2001 in New York also als vorausgesetzt gelten. Ein riesiges Staraufgebot würde einen Illusionsbruch provozieren. Und dennoch kann ein Blockbuster, im Gegensatz etwa zu Paul Greengrass’ Flug 93 (United 93, 2006), nicht ganz ohne Star auskommen. Ein heikles Casting also, mit der nachvollziehbaren Wahl von Nicolas Cage – nicht unbedingt Everybody’s Darling, aber doch ein Darsteller mit großer Breitenwirkung und Akzeptanz, der sowohl ein für Action und Abenteuer begeistertes, als auch ein nach Melodramatik und Romantik sehnsüchtiges Publikum bindet. Ein Mann mit Präsenz und dramatischen Qualitäten.

Die Rolle des realen Vorbildes Police-Sergeant John McLoughlin ist dennoch eine besondere Herausforderung: einen Großteil der Filmhandlung verbringt der Einsatzleiter unter Schutt begraben, nur Teile seines beinahe bewegungsunfähigen Gesichts sind im trüben Schein zu sehen. Sein Partner, der junge Will Jimeno (Michael Pena), befindet sich einige Meter über ihm in den Trümmern der Tower. Einen halben Tag lang liegen die beiden Männer dort, ringen mit ihren Schmerzen und schließlich dem Tod. Um nicht einzuschlafen und sich gegenseitig am Leben zu halten, sprechen die beiden stundenlang ohne Sichtkontakt miteinander.
Dieses Herzstück des auf wahren Begebenheiten beruhenden Films unterschneidet Stone immer wieder mit der Situation der Familienangehörigen. Im Zentrum dieses Handlungsstrangs stehen Johns Frau Donna (Maria Bello) und Wills schwangere angetraute Allison (Maggie Gyllenhaal). Erweitert wird das narrative Konzept durch Rückblenden, die Erinnerungen der beiden Männer veranschaulichen. Auch Visionen der Todesnahen werden visualisiert. All dies geschieht mit einem unverhohlenen Bekenntnis zu Kitsch und Sentimentalität, das man bei Stone nicht erwartet hätte.

Doch trotz der beiden im Mittelpunkt stehenden Familien ist der ehemalige Marine Dave Karnes (Michael Shannon) die entscheidende Figur in diesem Heldenepos. Sein Entschluss, einzugreifen und zu helfen, reift und fällt in einer Kirche, im Angesicht des Kreuzes. Dieses Symbol des Leidens und der Auferstehung führt den Mann nicht nur als Retter auf die Ruinen der Twin Towers, sondern auch in den Krieg. Eine Entwicklung, die in den Dialogen vorbereitet und im Abspann festgehalten wird.
Auch, wenn Stones Film seine starken Momente in den gut gespielten und solide inszenierten dramatischen Szenen hat, die ideologische Prägung formt den bleibenden Eindruck.
Filmkritik von Sascha Keilholz
Veröffentlicht am 22.08.2006
Kommentare zu World Trade Center
Sabrina 07.09.2006 14:39
Ich werde diesen Film ganz bestimmt gucken.
Den ich möchte sehr gerne wissen wie die Leute geleidet und was sie gefühlt. Ich habe da sehr mit gelitten.
Über diesen Film berichte ich in unserer Schülerzeitung!
Sven 11.09.2006 15:08
Glaube nicht, dass der Film mich dazu bewegen wird ins Kino zu gehn.
@Sabrina: Mehr Zeit beim Schreiben lassen
Peter Schulz 23.09.2006 19:20
Ich bin der Meinung, dass dieser Film keine Helden darstellt, sondern nur Opfer. Es ist traurig, dass das Leid der Terroropfer nun doch noch verfilmt worden ist. Ich halte diesen Filmemacher für Skrupel und einfalllos. Sie wollen sich doch nur durch dass leid anderer bereichern und hoffen vieleicht sogar noch auf einen Oscar.Ich halte es für Heuchelei diesen Film als Heldenepos darzustellen. Schrecken die Filmemacher denn vor gar nichts mehr zurück?
Fakto 24.09.2006 01:55
Macht eure augen und ohren auf, seht die realität, das wahre leben mit ALLEM drum und dran.
Wenn menschen sterben ist es IMMER SCHEISSE(!), aber als ich den film gesehen habe dacht ich mir nur "der film bekam von bush die note A".
Ich kenne mich nicht besonders in allen verhältnissen aus, sei es weltbild, wirtschaft oder politik aber das was ich weiß sagt mir das die MENSCHEN die am 9/11 in newyork leiden und sterben mussten nur ein extrem kleiner tropfen auf den heißen, extrem grossen steinen waren.
Trotzdem haben die wirklich gutdenkenden menschen in Amerika mein absolutes mitgefühl!!!
Wenn ich berichte, bilder etc. aus dem nahen osten / afrika /asien etc.(MENSCHEN STERBEN durch HUNGER, KUGELN, KRANKHEITEN etc. --- wo sind da die "guten" USA???) sehe, knallts mir, wie ein meteorit auf die erde, durch die pupillen direkt ins HIRN.
Darüber wird niemals nicht ein solcher Film gedreht bzw. wenn doch interessiert es kaum ein schwein!
Die USA sind, meiner meinung nach, die !anFühre(R)nden! zerstörer der welt.
Mehr brauch man dazu nicht sagen, auch wenn es gerade zu unendlich viele anti-"gute-USA" beispiele auf unsere welt gibt...den rest kann man wenn man durschnittlich intelligent ist selbst nachvollziehen......
Thardis 26.09.2006 15:38
In den USA fordern viele Menschen die Bevölkerung auf, den Film zu boykottieren.
Die Scheinheiligkeit der US-Regierung und deren Verbrechen an das eigene Volk, sowie die Kriegshetze gegen andere Völker seien schon Schande genug. Man müsse nicht auch noch die ganze Welt für dumm verkaufen.
Denyo 30.09.2006 14:35
Ich habe den Film gestern gesehen und bin Verblüft wie echt alles aussahe. Je länger man gekuckt hat desto schlechter fühlte man sich. Dieser Film reist ganz schön an den Nerven
Rouven 01.10.2006 04:48
Ich hatte mir sehr viel mehr von dem Film vorgestellt und wurde sehr enttäuscht. Der Film ist Emotionsvoll, aber alles in Verbindung mit dem WTC ist mit Emotionen verbunden. Vor den Einstürzen hätte mehr kommen sollen. Der ganze Film handelt nur über 2 Polizisten und die vielen Opfer geraten in diesen Film in Vergessenheit.
Sebastian Baumgart 01.10.2006 15:32
Um kritikfähig zu sein sollte man keinesfalls PRO USA, andererseits auch nicht völlig CONTRA USA eingestellt sein, denn man erinnere sich an die Zeit des dritten Reichs, die uns Deutsche z.B. ohne die Hilfe der Amerikaner heute noch am Gnadenbrot manch anderer Nation nagen lassen würde. Zur filmischen Umsetzung des Vorfalls vom 11. September 2001 kann ich nur folgendes sagen: Filme sollten dazu da sein, ihr Publikum zu faszinieren, zu erheitern oder wie im Falle von "World Trade Center" zum Nachdenken und Erinnern anzuregen. Der Film sollte meiner Meinung nach nicht als kommerzielles Schuttprodukt angesehen werden, sondern als Mahnmal an einen der schlimmsten Tage der amerikanischen Geschichte, der er nun mal ist, er wäre es auch in jedem anderen Land der Erde,erinnern und umgekommene sowie überlebende Menschen ehren. Der Begriff "Held" sollte immer mit Vorsicht gebraucht werden, aber wann ist ein Mensch mehr "Held" als zu dem Zeitpunkt, wenn er sich dazu entscheidet, sein eigenes Leben für ein anderes zu riskieren. Wir sollten den Amerikanern eine Chance geben, ihre Emotionen zu verarbeiten, und "World Trade Center" ist ein Stück der Verarbeitung...
Peter 05.10.2006 10:55
WOW! Der Film ging wirklich unter die Haut, so wie noch kein anderer! Ich hab am Filmende nur gesessen und wußte nicht was ich sagen soll, so hat dieser Film mich berührt!
In meinen Augen ein Film den man gesehen haben muss!
Gut fand ich das er eben nicht so klischehaft war! Im Vorfeld habe ich mir gedacht das Nicolas Cage da als großer Held auflaufen wird, der nur knapp verpasst das ganze WTC zu retten und das die ganze Zeit auf die Täter eingegangen wird. Das ist aber zum Glück gar nicht passiert! Der Film ging auf die Tragik des Attentat ein und wie Menschen über sich hinaus wachsen können um in so einer Tragödie noch menschlichkeit zu zeigen!
Bravo! Besser als ich gedacht habe!
Oskar-Reif!
eli 31.01.2009 12:00
das wtc war so gebaut das es einen ineren kern hatte der aus fettem stall gebaut war und eine äusere platten schicht. ein flugzeugg dieser kleinen große würde es im traum nicht schaffen dieses gebeude zum einstürzen zu bringen
das ist schon mal klar
unten im keller wurden nach dem einsturz spuren von sprengstoff gefunden durch den ganzen rauch der da war hat man nicht gesehen wie die wtc von unten einkrachen konnten
und es waren auch nicht die palestinenser schuld
sondern die amis selbs
georg bush hatte einen grund gesucht um mit den palestinensern krig zu führen
dieser grud hatte ih 5 tausend menschen leben gekostet
meiner meinung nach war das alles geplant
und villeicht wussten ja sogar einige mitarbeiter des wtc das es zusammenkracht
georg bush ist ein mieser betrüger und wir können froh sein das seinen platz jezt obama einimt
wer weiß was er noch für sachen macht unter der erde oder so von dem die menschen nichts wissen
das wtc center wurde absichtlich von den amis zerstört um einen grund für den awganistan krig zu finden
und der krig läuft wieder auf eine sache aus die palestinenser sitzen auf erdöl und georg bush ist auf das ganze geld heiß und geht dabei über leichen
dieser man ist gefährlicher!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!
eli 31.01.2009 12:01
das wtc war so gebaut das es einen ineren kern hatte der aus fettem stall gebaut war und eine äusere platten schicht. ein flugzeugg dieser kleinen große würde es im traum nicht schaffen dieses gebeude zum einstürzen zu bringen
das ist schon mal klar
unten im keller wurden nach dem einsturz spuren von sprengstoff gefunden durch den ganzen rauch der da war hat man nicht gesehen wie die wtc von unten einkrachen konnten
und es waren auch nicht die palestinenser schuld
sondern die amis selbs
georg bush hatte einen grund gesucht um mit den palestinensern krig zu führen
dieser grud hatte ih 5 tausend menschen leben gekostet
meiner meinung nach war das alles geplant
und villeicht wussten ja sogar einige mitarbeiter des wtc das es zusammenkracht
georg bush ist ein mieser betrüger und wir können froh sein das seinen platz jezt obama einimt
wer weiß was er noch für sachen macht unter der erde oder so von dem die menschen nichts wissen
das wtc center wurde absichtlich von den amis zerstört um einen grund für den awganistan krig zu finden
und der krig läuft wieder auf eine sache aus die palestinenser sitzen auf erdöl und georg bush ist auf das ganze geld heiß und geht dabei über leichen
dieser man ist gefährlicher!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!
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Blog: Berlinale im Dialog

Verfolgen Sie das Festivalgeschehen der Berlinale auch im deutsch-französischen Berlinale-Blog des DFJW auf critic.de/berlinale-im-dialog
Film-Angaben
Titel: World Trade Center
USA 2006
Laufzeit: 120 Minuten
Regie: Oliver Stone
Drehbuch: Andrea Berloff
Produktion: Michael Shamberg, Stacey Sher, Moritz Bormann, Oliver Stone, Debra Hill
Darsteller: Nicolas Cage, Michael Peña, Maria Bello, Maggie Gyllenhaal, Jay Hernandez, Michael Shannon, Stephen Dorff
Kinostart: 28.09.2006
DVD-Angaben
Titel: World Trade Center
Vertrieb: Paramount Home Entertainment
Bild: 1,78:1, 16:9
Sprache(n): Deutsch (DD 5.1), Englisch (DD 5.1), Türkisch (DD 5.1)
Untertitel: Deutsch, Englisch, Türkisch
Altersfreigabe: ab 12 Jahren
Spieldauer: 124 Minuten
Extras: Audiokommentar von Regisseur Oliver Stone, Schauspielern und Will Jimeno; Gelöschte Szenen
Verleih ab: 29.01.2007
Verkauf ab: 15.02.2007
Copyright World Trade Center
Fotos: © UIP
BERLINALE 2012

Unser Special zur Berlinale 2012 - mit Kritiken, Empfehlungen und Trailern. www.critic.de/berlinale/
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Di 14.02, 20:25 Uhr, 3Sat
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Mi 15.02, 20:15 Uhr, kultur (ZDF digital)
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