Words & Pictures

Ein Kampf um die Vorherrschaft in der Kunst: Juliette Binoche und Clive Owen ziehen in einen geistigen Wettstreit mit Pinsel und Feder.

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Mit Roxanne (1987) hatte Fred Schepisi dem Zauber der Worte einen Film gewidmet, jetzt stellt er die Frage, was mächtiger ist: Worte oder Bilder? Wie die meisten der romantischen Komödien im umfangreichen Werk des Australiers ist auch Words and Pictures wieder ein hochkarätig besetzter battle of wits, in dem dieses Mal Literatur und Malerei um die Vorherrschaft in der Kunst kämpfen. Juliette Binoche als spröde Malerin Dina Delsanto und Clive Owen als abgehalfterter Englischlehrer Jack Marcus ziehen in ein Duell, aus dem sich ein Flirt entspinnt. Wenn Schepisi nur ihre Blicke sprechen lässt, dann stimmt die Chemie zwischen Binoche und Owen – und das ist der Trumpf des Films. Owen versprüht spitzbübischen Charme als verlotterter, kauziger Literaturenthusiast; selbst wenn der ehemals vielversprechende Schriftsteller mittlerweile hemmungslos dem Alkohol verfallen ist und zu äußerst unredlichen Mitteln greift, um seinen Job als Lehrer zu behalten, gelingt es Owen, diesen ambivalenten Charakter als unangepassten Underdog darzustellen, so dass man die  Sympathie für die Figur trotzdem nicht verliert. Binoche spielt die berühmten Künstlerin, die aufgrund rheumatoider Arthritis ihre Schaffenskraft verliert und daher in der Provinz unterrichten muss, mit einer gut ausbalancierten Mischung aus Verletzlichkeit und Herbheit.

Steifes Dozieren statt visueller Kollision

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Allerdings müssen die versierten Darsteller gegen ein so statisches und vorhersehbares Drehbuch anspielen, dass auch sie nicht viel ausrichten können. Autor Gerald Di Pego, verantwortlich beispielsweise für Phenomenon – Das Unmögliche wird wahr (Phenomenon, 1996), türmt eine Unmenge an Dialogen als Hindernisse für die Liebenden in spe auf, so dass besagte Chemie oft im Gerede erstickt und der Funke nicht so recht überspringt – was besonders in der ersten Kussszene deutlich wird. Die größte Schwäche des Buchs ist die dialektische Konstruiertheit, die einen arg starren Rahmen bildet. So gerät der spielerische Streit zwischen Worten und Bildern, der in einem wegen seiner inhaltlichen und visuellen Einfallslosigkeit enttäuschenden Wettbewerb der Schüler aus den Literatur- und Kunstkursen kulminiert, oft zu einem steifen Dozieren. Dabei bewegt sich das Niveau selten über Gemeinplätze – „Ein Bild sagt mehr als tausend Worte“ – und das eifrige Rezitieren klassischer Literatur hinaus, ein intellektueller Anspruch wird suggeriert, aber nicht eingelöst.  Schepisi lässt das filmische Potenzial des Themas ungenutzt und versäumt es, auch auf visueller Ebene einen reizvollen Ausdruck für die jeweiligen Eigenheiten von Worten und Bildern zu finden oder ihre Kollision zuzuspitzen.

Ein wenig wirkt Words and Pictures, als hätte man Der Club der toten Dichter (Dead Poets Society, 1989) als RomCom neu inszenieren wollen. Die Schüler sind in Schepisis Film allerdings nur schmückendes Beiwerk und selbst für Nebenfiguren außerordentlich lieblos und halbherzig konzipiert, kommen über Klischees nicht hinaus. Ihre Entwicklung wird nur sprunghaft angerissen, sie agieren in allzu berechenbaren Bahnen und teils versickern die Subplots um einzelne Figuren schlicht im Nirgendwo – was den Eindruck verstärkt, dass sie hauptsächlich als austauschbare Stichwortgeber innerhalb der Dialoge fungieren.

„Words are traps.“

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Der Krieg der Bilder gegen die Worte lässt sich dabei gut auf Schepisis Film selbst übertragen. In den Momenten, wo Bilder und Worte sich die Waage halten, im Einklang miteinander stehen, funktioniert der Film. Dann sind die Dialoge so dicht und witzig, das Timing so stimmig, wie man es aus Roxanne und auch aus anderen von Schepisis Filmen wie Wilde Kreaturen (Fierce Creatures, 1997) oder Das Leben – Ein Sechserpack (Six Degrees of Separation, 1993) kennt. Wenn aber die Bilder gegen eine Übermacht von Sprache ankämpfen müssen, kippt Words and Pictures ungewollt ins Schwerfällige um und wirkt gezwungen. Binoche als die bildende Künstlerin hat in diesem Duell den aktiveren Part inne, vor allem in den  bewegungsgeladenen Mal-Szenen (die im Film zu sehende Kunst stammt im Übrigen von der Schauspielerin selbst), und braucht nicht viele Worte – eine despektierlich hochgezogene Augenbraue, ein spöttisches Zucken des Mundes genügen ihr. Nur wirkt sie in dieser Rolle deutlich unterfordert, vor allem wenn man an ihre beeindruckende Tour de Force in Bruno Dumonts Camille Claudel 1915 (2013) denkt, in dem sie ebenfalls als Künstlerin zu sehen war. Owen hat in seiner Schriftstellerrolle die undankbare Position, sich entweder gegen zu viel Dialog durchsetzen zu müssen oder lesend und tippend vor einen Bildschirm gefesselt zu sein. Diese Statik häufiger aufzulösen hätte dem Film gut getan. „Words are traps” heißt es mehrfach, und Schepisi tappt zu oft in die verbalen Fallen von Di Pegos Script. Wirkliche Poesie von Bildern und Worten filmisch zu erschließen, das gelingt Words and Pictures leider nicht.

Trailer zu „Words & Pictures“


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