Wodka Lemon

In der verschneiten Berglandschaft des Kaukasus lebt der Witwer Hamo und verscherbelt sein Hab und Gut um halbwegs durch den Winter zu kommen. Bei seinen täglichen Besuchen am Grab seiner Frau trifft er auf die ebenfalls verwitwete Nina, mit der er sich langsam anfreundet. Wodka Lemon ist ein netter kleiner Film aus Armenien, der zwar schöne Bilder und sympathische Charaktere zu bieten hat, ansonsten aber etwas einfallslos bleibt.

Wodka Lemon

In den letzten Jahren ist ein erhöhtes Interesse zu spüren gewesen, unerforschte Filmregionen zu entdecken und auch einem kleinen Publikum zugänglich zu machen. Das hat dazu geführt, dass auch Filme aus Ländern wie China, Indien oder arabischen Ländern vermehrt auf unseren Leinwänden zu sehen waren. Wodka Lemon ist zum Beispiel einer der Filme, die vor zehn Jahren wahrscheinlich noch nicht so leicht ihren Weg in die Kinosäle gefunden hätte. Der kurdische Regisseur Hiner Saleem erzählt dort von einem armenischen Dorf in der verschneiten Berglandschaft des Kaukasus, in dem die Bewohner versuchen mit sehr wenig Geld und einer Portion Humor durch den Winter zu kommen. In der kalten Winterlandschaft sehnen sich einige der Figuren auch nach menschlicher Wärme, wie der verwitwete Hamo (Romik Avinian), der sein Hab und Gut auf der Straße verkauft, weil er nur sechs Dollar Rente im Monat bekommt. Regelmäßig fährt er auf den Friedhof um seine verstorbene Frau zu besuchen und lernt dabei die ebenfalls verwitwete Nina (Lala Sarkissian) kennen. Zwischen den beiden kommt es zu Annäherungen und ihre Begegnung bringt neuen Elan in den monotonen Alltag.

Wodka Lemon

Die Ruhe und Gelassenheit mit der die Dorfbewohner sämtliche Hindernisse und Tragödien bewältigen, schlägt sich auch auf Saleems Inszenierung nieder. Starre Totalen der Berglandschaft wechseln mit Bildern der meist stummen Einwohner, die immer auf irgendetwas zu warten scheinen. Der Film nimmt sich dabei viel Zeit und benötigt nur wenige Worte und Gesten um die Befindlichkeit seiner Figuren nach außen zu tragen. Überhaupt funktioniert Wodka Lemon mit nur sehr wenigen verschiedenen Handlungselementen, die aber ständig mit kleinen Variationen wiederholt werden. So fahren Nina und Hamo immer wieder mit dem Bus zum Friedhof, der Busfahrer singt während der Fahrt immer das gleiche französische Chanson von seiner Kassette und mit zunehmender Zeit entwickelt sich zwischen den beiden Fahrgästen eine emotionale Bindung. Wenn Nina und Hamo endlich zueinander finden, geht schließlich die Kassette des Busfahrers kaputt, ein Symbol für das Ende einer Ära. Wie stark solche kleinen Gesten in einem so monotonen Alltag sein können, zeigt sich am Zuschauer selbst, der durch Saleems minimalistisches Verfahren für die kleinsten Veränderungen sensibilisiert wird.

Wodka Lemon

Das armenische Dorf und seine Bewohner werden genau so gezeigt, wie es sich der mitteleuropäische Zuschauer vorstellt: Eigensinnige, aber liebenswürdige alte Menschen, die den ganzen Tag schweigend in ihren Wohnzimmern sitzen und jede Kleinigkeit zum Anlass nehmen, einen Wodka zu trinken. Saleems sentimentaler und mitunter auch ein bisschen naiv wirkender Blick auf die Macken der kauzigen Bewohner erfüllt sämtliche Erwartungen – auf Brüche oder Überraschungen, die den Film vielschichtiger gemacht hätten, wartet man allerdings vergebens. Die einzelnen Geschichten vom Vater, der seine Tochter nur wegen des Geldes verheiraten möchte oder der Tochter, die anschaffen geht um ihre Familie zu ernähren wirken abgedroschen, weil sie einfach schnell abgehandelt werden ohne, dass Saleem ihnen durch eine prägnante Handschrift etwas Neues abgewinnt. Er zeigt das, was unter der Kategorie World Cinema läuft: Filme aus exotischen Ländern, bei denen ethnische Klischees ausgestellt werden und die hauptsächliche Anziehungskraft in ihrer Exotik begründet liegt.

Kommentare


Judith Wolf

Leider ignoriert der Rezensent, dass es in dem Film nicht um ein beliebiges armenisches Dorf geht, sondern ein kurdisches Dorf in Armenien. Hiner Saleem bedient nicht ethnische Klischees von Europäern über Menschen im Kaukasus. Vielmehr erzählt er von seinen eigenen Leuten, den Kurden..., darüber, wie sie die Last ihres Lebens tragen. Erst vor diesem Hintergrund kann man beginnen, die Symbolik des Films zu ertasten...






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