Wo die Liebe hinfällt – Kritik

Man stelle sich vor, die Geschichte von Mrs. Robinson und Benjamin Braddock wäre nicht nur in einem Film mit Dustin Hoffman passiert, sondern in der Wirklichkeit. Aus dieser Annahme hat Rob Reiner eine über weite Strecken gelungene Komödie gemacht, die jedoch ihren leichten Ton nicht halten kann.

Wo die Liebe hinfällt

Es gab im vergangenen Jahr einen Werbefilm für eine Automarke, in dem Dustin Hoffman in eine Hochzeit platzt, die Braut entführt und mit ihr in eben jenem Auto, einer deutschen Limousine, davonfährt. 37 Jahre nach Die Reifeprüfung (The Graduate), mit dem Hoffman berühmt wurde, funktionierte der von Michael Bay gedrehte Spot prächtig als augenzwinkernde Hommage. Statt - wie im Original - Simon & Garfunkel sangen die Lemonheads das Lied von ”Mrs. Robinson”, statt eines Spiders fuhr Hoffman einen Audi, und statt den Geliebten spielte er den Vater der Braut.

In Wo die Liebe hinfällt (Rumor Has It), einer Art Fortsetzung von Die Reifeprüfung mit Jennifer Aniston, ist Dustin Hoffman zu Kevin Costner geworden. Und Mrs. Robinson wird von Shirley MacLaine gespielt.

Wo die Liebe hinfällt

Aber der Reihe nach.

Der neue Film von Rob Reiner, der so herausragende Komödien wie Harry & Sally (When Harry Met Sally…, 1989) und so eindringliche Filme wie Stand By Me (1986) gedreht hat, geht davon aus, dass die Geschichte von Benjamin Braddock wirklich passiert ist, und verfolgt das Schicksal der nächsten Generation. ”Based on a true rumor” steht während des Vorspanns auf der Leinwand, was einerseits auf den Klatsch und Tratsch in der Nachbarschaft anspielt, in der die Protagonisten sowohl des alten als auch des neuen Films leben. Manchmal ist an Gerüchten eben doch etwas dran, und in Pasadena haben die Wände Ohren. Andererseits deutet dieses Motto den verspielten Umgang mit dem Begriff von ’Wirklichkeit’ an, der Wo die Liebe hinfällt zugrunde liegt. Der Originaltitel, der ja explizit den typischen Umgangston in Sachen Gerüchte zitiert, ist da treffender.

Jennifer Aniston als Sarah erfährt, dass ihre Großmutter (Shirley MacLaine) eben jene Mrs. Robinson war, die alle Welt aus dem berühmten Film von Mike Nichols kennt, und dass ihre Mutter damals mit Benjamin Braddock durchbrannte - allerdings nach wenigen Tagen zurückkam, um die geplatzte Hochzeit doch noch zu vollziehen. Sarah, die sich in ihrer Familie nie wohl gefühlt hat, kommt nun auf die fixe Idee, dass sie nicht von ihrem vermeintlichen Vater (Richard Jenkins) gezeugt wurde, sondern während jener romantischen Tage, als ihre Mutter mit ihrem Geliebten nach Mexiko geflohen war. Sie macht sich also auf die Suche nach ihrem vermeintlichen Erzeuger, hat - wie auch der Zuschauer - das Bild von Dustin Hoffman im Kopf und findet - Kevin Costner. Hier heißt er Beau Burroughs, ist mit dem Internet reich geworden und versichert Sarah, nicht ihr Vater zu sein. Ein intensives Gespräch in einer nächtlichen Bar und einen Tanz später ist sie in ihn verliebt.

Wo die Liebe hinfällt

Im ersten Teil von Wo die Liebe hinfällt gelingt es, die gesättigte und langweilige Gesellschaft von Pasadena zu karikieren, und man fühlt mit Sarah, die sich durch gekonnt choreographierte Partys bewegt wie eine Außerirdische. Kreischende, hopsende Frauen und selbstgefällige Männer - es ist gruselig. Dann taucht Katherine (Shirley MacLaine) auf, die den Kellner beschimpft, als er ihr das Rauchen verbieten will, und sich mit feiner Ironie über ihr Umfeld erhebt. So weit, so unterhaltsam und zuweilen auch enorm pointiert.

Aber im zweiten Teil verliert Regisseur Reiner seinen Rhythmus und das Drehbuch (T.M. Griffin) verliert den Faden. Die Szenen zwischen Costner und Aniston sind allzu behäbig, und sie sind ein Stilbruch im Verhältnis zu dem komödiantischen Beginn des Films. Plötzlich ist alles ernst. Der Zuschauer fragt sich, was Sarah eigentlich so an Burroughs fasziniert. Sie stammt aus einem auch schon recht reichen Milieu, eben Pasadena, und ist beeindruckt von dem geradezu unanständig reichen Beau. Im Jahr 1967 musste Benjamim Braddock mit seinem Mädchen noch in einem Linienbus davonfahren (und damit eine der schönsten Schluss-Szenen der Filmgeschichte schaffen), weil seinem Auto das Benzin ausgegangen war. Jetzt, als Beau Burroughs, hat er ein Privatflugzeug.

Im direkten Vergleich mit Die Reifeprüfung ist Wo die Liebe hinfällt nicht nur der schlechtere, konventionellere Film. Sondern in seinem gesellschaftspolitischen Subtext sogar reaktionär. Da helfen auch die flotten Sprüche von Shirley MacLaine nicht. Die Geschichte steuert auf nichts anderes zu als die Heimführung von Sarah in eben jenes schreckliche Milieu, über das der Film sich zu Beginn so gekonnt lustig macht. Während Die Reifeprüfung die Rebellion gegen eine saturierte Gesellschaft war und zum Film einer ganzen Generation wurde, haben sich die Konflikte in Wo die Liebe hinfällt geglättet; sie taugen nur noch für ein paar - zugegeben: wirklich lustige - Dialoge im Stil der Fernsehserie Friends, in der Aniston bekanntlich ihr komödiantisches Talent unter Beweis gestellt hat.

Geheiratet wird am Schluss natürlich auch. Aber kein Dustin Hoffman klopft an die Scheibe, um die Braut zu entführen. So etwas macht er heute nur noch in der Werbung.

Trailer zu „Wo die Liebe hinfällt“


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