Wir verstehen uns wunderbar

Alte Liebe rostet nicht. Den Beweis hierfür liefern Charlotte Rampling und Jean Rochefort in dieser leichten Komödie über einen Star-Regisseur, der nach über dreißig Jahren seine große Muse wiedertrifft.

Wir verstehen uns wunderbar

In den 1960er und 1970er Jahren beherrschten Diven wie Sofia Loren, Jeanne Moreau, Catherine Deneuve und Claudia Cardinale das europäische Kino. Sie standen für legendäre Regisseure wie Louis Malle, Luchino Visconti und Federico Fellini vor der Kamera, die mit ihren Arbeiten eine ganze Generation von Filmemachern prägten. Auch Charlotte Ramplings Schauspielkarriere begann zu jener Zeit. Erst noch für kleinere Rollen in eher harmlosen Unterhaltungsfilmen besetzt, erhielt sie in Viscontis Die Verdammten (La catuda degle die, 1969) ihr erstes bedeutendes Engagement. Viele weitere – unter anderem in Liliana Cavanis Der Nachtportier (Il portiere di notte, 1974), Woody Allens Stardust Memories (1980) und François Ozons Unter dem Sand (Sous le sable, 2000) – sollten in den nächsten drei Jahrzehnten folgen.

In Antoine de Caunes’ romantischer Komödie Wir verstehen uns wunderbar (Désaccord parfait) spielt die gebürtige Britin eine alternde Filmdiva und damit eine Rolle, die sie im wahren Leben eher anderen überlassen hat. Ihr Filmpartner, der Franzose Jean Rochefort, übernimmt den Part des erfolgreichen Filmregisseurs Louis Ruinard, der sich seit der Trennung von seiner Lieblingsschauspielerin und Muse Alice d’Abanville (Rampling) vor über dreißig Jahren nach einem Wiedersehen sehnt. Auf einer Preisverleihung in London, wo Louis für sein Lebenswerk ausgezeichnet wird, soll es endlich soweit sein. Doch anfänglich zeigt Alice ihrem Verflossenen nur die kalte Schulter. Nicht mehr als eine „petite romance“ sei das gewesen, was sie beide einst verband. Louis schäumt vor Wut, immerhin habe er aus ihr erst einen Star gemacht.

Wir verstehen uns wunderbar

Getreu der Devise „was sich neckt, das liebt sich“ und dem bekannten Ablaufplan romantischer Komödien finden Alice und Louis über einige Umwege und Sticheleien doch wieder zueinander. Selbst Alices Ehemann, der schwerreiche und – wie sich recht bald herausstellt – schwule Adlige mit dem passenden Namen Evelyn Gaylord (Ian Richardson), will dem Glück der beiden exzentrischen Turteltauben nicht im Wege stehen.

Obwohl Antoine de Caunes’ Film im Hier und Jetzt spielt, haftet ihm doch unzweifelhaft etwas Nostalgisches an. Das beginnt bereits beim Vorspann, dessen stilvolle Collage als Verbeugung vor der glanzvollen Schwarz-Weiß-Ära des europäischen Kinos sowie den Stars der Nouvelle Vague und der Cinecittà interpretiert werden kann. Dabei fanden auch berühmte Original-Fotoaufnahmen von Charlotte Rampling Verwendung, die der verstorbene Star-Fotograf Helmut Newton einst von ihr schoss. Aber nicht nur die Verpackung, auch der Inhalt erinnert gleichsam an ein Kino aus einer anderen Zeit. De Caunes orientiert sich mit seiner Geschichte über zwei mächtige Egos auf Kollisionskurs erkennbar an der Dramaturgie klassischer Screwball-Comedies, wobei das Erzähltempo zugegebenermaßen nicht mit Werken eines Billy Wilder oder Frank Capra konkurrieren kann.

Wir verstehen uns wunderbar

Man mag diese kleine Konditionsschwäche jedoch mit Rücksicht auf das fortgeschrittene Alter der beiden Protagonisten entschuldigen, zumal wenn die Wortgefechte zwischen Alice und Louis derart pointiert und scharfzüngig ausfallen. Wie den gesamten Film durchzieht sie eine bittere Ironie, welche trotz aller Nadelstiche zuweilen sogar in eine sanfte Melancholie umschlägt – zumindest für einen kurzen Augenblick, wie das Ende beweist. De Caunes outet sich an dieser Stelle als Anhänger des trockenen, englischen Humors, dessen Understatement gerade in Gesprächen zwischen Alice und ihrem Ehemann immer wieder aufblitzt. Kennt man de Caunes Faible für die englische Popkultur, erklärt sich auch, warum sein Film auf der Insel und nicht etwa in Frankreich spielt.

Nun würde Wir verstehen uns wunderbar aber trotz geschliffener Dialoge ohne das miteinander perfekt harmonierende Gespann Rampling/Rochefort nur leidlich funktionieren. Während Rochefort im Genre der leichten Unterhaltung praktisch zu Hause ist – im Laufe seiner langen Karriere drehte er bereits mit Komödien-Urgesteinen wie Louis de Funès und Pierre Richard –, schien Rampling lange auf das dramatische Fach abonniert zu sein. Doch davon merkt man als Zuschauer nichts. Im Zusammenspiel mit ihrem Filmpartner zeigt sich vielmehr, wie viel Spaß es ihr bereitet haben muss, die kühle, distanzierte Diva einmal mit einem unverkennbaren Augenzwinkern zu verkörpern. Zudem besaß sie den Mut, sich für eine verspielt inszenierte Liebesszene erstaunlich freizügig vor der Kamera zu präsentieren. Neben der Unbeschwertheit einer typischen Screwball-Komödie liefert das mit feiner Ironie durchsetzte englisch-französische Tête-à-tête auf diesem Wege noch ein Plädoyer für ungehemmte Lebenslust jenseits aller Altersklassen.

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