Win Win

Ein gutmütiger Familienvater trifft auf ein begabtes Problemkind. Die Lösung dieses Konflikts liegt in der therapeutischen Kraft der bürgerlichen Familie.

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Mike Flaherty (Paul Giamatti) ist eigentlich ein vorbildlicher Mensch. Er kämpft als Anwalt für die Entrechteten, ist ein liebevoller Familienvater und unterrichtet in seiner Freizeit mäßig motivierte Jugendliche im Ringkampf. Seine Geldprobleme bringen ihn schließlich zu weniger moralischen Handlungen. Um das Betreuungsgeld für seinen Mandanten Leo (Burt Young) zu kassieren, lässt er sich als dessen Betreuer eintragen und schiebt den verwirrten Mann gegen seinen Willen in ein Altersheim ab. Als plötzlich Leos Neffe Kyle (Alex Shaffer), ein jugendlicher Ausreißer, vor der Tür steht, nimmt Mike ihn zunächst aus Mitleid bei sich auf. Als er das Talent des Jungen zum Ringkämpfer erkennt, beginnt Mike ihn für seinen Verein zu instrumentalisieren.

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Schauspieler und Regisseur Thomas McCarthy bewegt sich nach Station Agent (2003) und Ein Sommer in New York – The Visitor (The Visitor, 2007) erneut zwischen den Polen menschelndes Drama und Komödie. Nach einem Kleinwüchsigen und einem illegalen Immigranten ist es in Win Win nun ein Problemkind mit Begabung, eine Art Good Will Hunting (1997), der als sozialer Außenseiter herhalten muss. Während die bürgerliche Familie Flaherty und ihre Freunde allesamt differenziert gezeichnete Charaktere sind, bleibt der wortkarge Junge mit den blondierten Haaren dankbare Projektionsfläche für den Zuschauer, aber auch für die anderen Figuren. Mike sieht in ihm den Sportler, der er nie war, seine Frau ein von der Herde verloren gegangenes Schäfchen, das gerettet werden muss, und Mikes temperamentvoller Freund Terry (Bobby Cannavale) findet einfach, dass Kyle ein cooler Typ ist.

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Teilweise erinnert die Figur des Kyle an den Fremden aus Pasolinis Teorema (1968), der auf ähnliche Weise die Mitglieder einer bürgerlichen Familie verzaubert und ihr Leben entscheidend ändert. Doch wo Pasolinis Figur religiös konnotiert ist, definiert sich Kyle vor allem über seine soziale Herkunft. In Win Win ist es nicht nur er, der Einfluss auf die Flahertys ausübt. Vielmehr dient die Mittelschichtsfamilie als Zufluchtsort und Besserungsanstalt für den Jungen aus schwierigen Verhältnissen. Wenn auch noch Kyles Mutter auftaucht und ihren Anspruch als Erziehungsberechtigte geltend macht, gehen die bürgerlichen Fantasien von der Unterschicht dann vollends mit McCarthy durch. Sie ist genau, wie man sie sich vorstellt: drogenabhängig, verantwortungslos und geldgeil.

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Obwohl McCarthy sich zu sehr auf die therapeutische Kraft der bürgerlichen Familie verlässt und seine Figuren zu Gutmenschen stilisiert, gelingt ihm über weite Strecken auch eine souveräne Gratwanderung zwischen dramatischen Momenten und gemäßigter Situationskomik. Konflikte werden eher durch einen Comic Relief als durch eine tränenselige Aussprache gelöst, und der Humor basiert meist auf dem Gefälle zwischen angeblichen und tatsächlichen Anliegen der Figuren. Mikes Wohltätigkeit etwa bleibt aufgrund seiner niederen Absichten lange ambivalent. Erst gegen Ende hat McCarthy für sämtliche Probleme Instant-Lösungen parat und nimmt seinem Protagonisten im Rahmen einer moralischen Wandlung schließlich sämtliche Spannung.

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