Willkommen in Cedar Rapids

Eine weitere amerikanische Komödie aus dem Nerd-Universum, die streckenweise genauso bieder daherkommt wie ihr Protagonist. 

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Tim Lippe (Ed Helms) ist ein Verlierer, wie er im Buche steht. Aus seiner Heimatstadt, einem Kaff in Wisconsin, ist er nie rausgekommen, als Angestellter in einer Versicherungsfirma beneidet er seinen erfolgreichen Vorgesetzten Brian und führt eine etwas einseitige Beziehung mit seiner ehemaligen Lehrerin. Nach dem Selbstmord Brians wartet jedoch die große Herausforderung: Tim soll die Firma auf einem Versicherungskongress in Cedar Rapids vertreten.

Mit seinem letzten Film Youth in Revolt (2009) hat der ansonsten vor allem auf Fernsehserien spezialisierte Miguel Arteta bereits eine Komödie gedreht, die dem Außenseiter-Kosmos von Jared Hess und Judd Apatow nahesteht. So wie der Held in Youth in Revolt durch ein verwegenes Alter Ego sein Loser-Image ablegen möchte, erzählt auch Willkommen in Cedar Rapids (Cedar Rapids) von einem Ausbruchsversuch seines Protagonisten. Die titelgebende Stadt, offiziell nur knapp eine Großstadt, ist für den verklemmten Spießer Tim das Aufregendste, was ihm in seinem Leben bisher passiert ist: Ein Sündenbabel, in dem er mit allem konfrontiert wird, was ihm Angst macht – Schwarzen, Lesben und Männern mit Pferdeschwänzen. Erst durch die Bekanntschaft einer Clique mit eigenwilligem Humor und dem Einfluss verschiedener Drogen fallen langsam die Hemmungen.

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Teilweise bedient sich der Film eines regelrechten Geek-Chics, wie man ihn schon in den Filmen von Jared Hess sehen konnte. Die in Brauntönen gehaltene Ausstattung des Kongresshotels und noch deutlicher ein Imagevideo von Tims Versicherungsfirma sind in ihrer Ästhetik deutlich an die 1980er Jahre angelehnt, obwohl der Film in der Gegenwart angesiedelt ist. Willkommen in Cedar Rapids ist ohnehin nicht nur ein Film über, sondern auch für Nerds, wie ein mehrmals gerissener Insider-Joke zeigt, bei dem Schauspieler Isiah Whitlock, Jr. auf seine Rolle in der Fernsehserie The Wire (2002–2008) anspielt.

Seine Figuren behandelt Arteta keineswegs von oben herab. So schlachtet er das konservativ christliche Milieu des Versicherungskongress nicht zugunsten eines plumpen Haudrauf-Humors aus. Tim wird selbst in den albernsten Situationen nie ganz dem Spott preisgegeben, sondern trotz überholter Ansichten ernst genommen. Der insgesamt eher unaufdringliche Umgang mit Pointen erlebt einen deutlichen Bruch durch die Figur des Dean Ziegler (John C. Reilly). Der wandelnde Herrenwitz lässt kein Fettnäpfchen aus und sorgt mit seinen anzüglichen Anspielungen für einige gelungene Oneliner.

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Im Großen und Ganzen ist Willkommen in Cedar Rapids aber zu bieder, um als Komödie überzeugen zu können. Das enge Drehbuchkorsett bleibt den gesamten Film über sichtbar, und jeder Szene wirkt lediglich wie ein rein funktionaler Baustein für die Geschichte des vertrottelten Helden, der langsam beginnt, ein selbstbestimmtes Leben zu führen. Teilweise führt Arteta seinen Film auch in eine allzu menschelnde Richtung, was sich besonders an der Figur einer naiv gutherzigen Prostituierten zeigt. Schade eigentlich, denn die kleinen Abweichungen vom etablierten Erfolgsrezept der Außenseiter-Komödie hätten Willkommen in Cedar Rapids durchaus interessant machen können. 

Trailer zu „Willkommen in Cedar Rapids“


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