Wild X-Mas

Mit Weihnachten hat Wild X-Mas nur wenig zu tun. Dafür umso mehr mit der Frage, warum man niemals bei einem Mädchen landen kann, wenn man ihr bester Freund ist.

Wild X-Mas

Bei romantischen Komödien, die zur Weihnachtszeit spielen und ins Kino kommen, ist es seit einiger Zeit üblich, dem Fest der Liebe etwas Destruktives entgegenzusetzen, ein wenig Anarchie unterm Tannenbaum zu etablieren. Bestes Beispiel für diesen Trend ist Bad Santa (2003) von Terry Zwigoff. Wild X-Mas, dessen Originaltitel Just Friends sich noch nicht einmal auf Weihnachten bezieht, ist da keine Ausnahme. Deshalb wird der amerikanische Hang zur geschmacklosen wie stromfressenden festlichen Beleuchtung des Eigenheims gehörig auf die Schippe genommen, und in einer schönen Szene bleibt von einer besonders ausgeprägten Version des protzenden Hausschmucks nicht viel mehr als Schutt und Asche übrig.

Wild X-Mas

Just Friends - das steht für die Art von Freundschaften zwischen Männern und Frauen, bei der nach tausendfacher Berührung nichts passiert. Auch dann nicht, wenn der männliche Teil das durchaus will. Gefangen in dieser „Nur-Freunde-Zone“ ist der dickliche und schüchterne Chris - gespielt von einem mit künstlichem Doppelkinn und Zahnspange ausgestatteten Ryan Reynolds -, der unsterblich in seine Klassenkameradin Jamie (Amy Smart) verliebt ist. Sein Begehren nimmt fast stalkerhafte Züge an: In seinem Jugendzimmer tapeziert der Junge eine ganze Wand mit Fotos der hübschen Blondine.

Zehn Jahre später - das künstliche Doppelkinn ist verschwunden und, oh Wunder, aus dem peinlichen Chris ist ein attraktiver und erfolgreicher Musikagent in Los Angeles geworden - verschlägt es ihn erneut in seine Heimatstadt. Und eine zweite Chance tut sich auf. „It’s a town full of losers“, hatte er damals, Bruce Springsteen zitierend, nach seiner größten Demütigung gerufen, „and I’m pulling out here to win.“ Nun fährt er mit einem tollen Auto vor und Jamie ist immer noch das nette Mädchen von nebenan, das hin und wieder in der örtlichen Bar bedient.

Wild X-Mas

Die Besessenheit von der Frau ist ein Thema, das die Farrelly-Brüder mit Verrückt nach Mary (There’s Something About Mary, 1998) zur Perfektion getrieben haben. Der Humor in Wild X-Mas schuldet diesem Film so manches, etwa was die eklig-fiesen Kabbeleien von Chris mit seinem jüngeren Bruder angeht oder ganz grundsätzlich den Blick auf körperliche Unzulänglichkeiten und Unfälle mit großen Schmerzen.

Einen weiteren, gelungeneren Witz zieht Regisseur Roger Kumble, der zuletzt mit Super süß und super sexy (The Sweetest Thing, 2002) in Erscheinung getreten ist, aus der hemmungslosen Übertreibung. Das Popsternchen Samantha, das Chris aufgrund einer Verkettung unglücklicher Umstände in seinen Heimatort begleitet, ist eine amüsante Karikatur von It-Girls wie Paris Hilton oder Britney Spears. Vorausgesetzt, man will so etwas sehen, denn naturgemäß potenziert sich deren Fähigkeit, dem Publikum auf die Nerven zu gehen, hier ins Unermessliche. Anna Faris (Scary Movie 1-Scary Movie 4, 2000-2006) spielt diese Wahnsinnige mit der nötigen Hysterie. Immerhin ist Samantha diejenige, die für die eingangs erwähnte Zerstörungslust an Hausdekorationen verantwortlich ist, und allein dafür ist man so dankbar, dass man ihr eine leider nie eintretende Entwicklung ihres Charakters gegönnt hätte.

Wild X-Mas

So etwas ist nur für Chris vorgesehen, und zwar im Zickzackkurs. Seine neue, erfolgreiche, zynische Großstadt-Persönlichkeit kommt bei Jamie nämlich schlechter an als der unbeholfene Teenager, den sie einst kannte. Das ist dann doch wieder eine weihnachtskompatible Aussage. Alle sind verrückt nach Jamie, und so muss Chris sich mit seinem Nebenbuhler Dusty (Chris Klein) einen Wettstreit liefern, wer denn wohl den softesten Mann abgeben kann. Die Witze über diese am leichtesten zu veralbernde Form von Virilität sind dann vielleicht etwas flach, vor allem weil man sich gar nicht vorstellen mag, dass die eigentlich ganz patente Jamie tatsächlich mit schmalzigen Ständchen und Gitarrenbegleitung sowie dem Ansehen von rührseligen Filmen im Kino herumzukriegen sein soll. Aber wenn Chris sich seine alte Zahnspange in den Mund schiebt und „Showtime“ ruft, das hat schon was.

Kommentare


ajacke

Britnys Popmusik ist bekanntlich nur schwer überbietbar- ein äußerst amüsanter Streifen.

***redaktionell gekürzt***


schumi

Den Film sollte man sich im Fernsehen!!! mal anschauen. Für die Leinwand reicht es leider nicht ganz. Es gibt schon zu viele Filme mit der selben Leiher. Schade






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