Wie ausgewechselt

Ein Männerabend und seine Folgen: Jason Bateman und Ryan Reynolds sitzen im Körper des jeweils anderen fest. David Dobkins Bodyswitch-Klamauk baut auf ein altbackenes Prinzip, nähert sich aber an die aktuelle Komödienlandschaft an.

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Schon immer arbeitete die Komödie mit verschiedenen Konzepten von Körperlichkeit. In der Bodyswitch-Komödie liegt der eigentliche Reiz darin, wie die Figuren mit ihren Körpern den Gegenpart wiedergeben und damit die Unterschiede der beiden Charaktere erst richtig herausstellen. Ob Mann und Frau (Liebling, bleib so wie ich bin, Dating the Enemy, 1996), Mutter und Tochter (Freaky Friday, 2003) oder Großvater und Enkel (Endlich wieder 18, 18 again!, 1988), in sämtlichen Variationen tauschen zwei gegensätzliche Pole ihre Positionen, und die Figuren werden mit völlig neuen physischen und situativen Grundbedingungen konfrontiert. Wie ausgewechselt (The Change-Up, 2011) von Regisseur David Dobkin (Die Hochzeits-Crasher, Wedding Crashers, 2005) steht ganz in dieser Tradition und ist doch nicht so angestaubt, wie es scheint.

„I wish I had your life“, mit diesem unüberlegten Satz beginnt das Desaster für den beruflich erfolgreichen Familienvater Dave (Jason Bateman) und seinen Highschool-Kumpel Mitch (Ryan Reynolds), einen postmodernen Taugenichts, für den Drogenkonsum und eine anständige Intimrasur einem verantwortungsbewussten Leben vorzuziehen sind. Als die beiden nach einer durchzechten Nacht eben jenen Satz, in einen verwunschenen Brunnen pinkelnd, von sich geben, finden sie sich tags darauf in vertauschten Körpern wieder. Fortan gilt es die Rolle des jeweils anderen zu übernehmen, denn der unheilvolle Brunnen hat seinen Standort gewechselt, und Daves Kanzlei erwartet die japanischen Geschäftspartner.

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Unnötig zu erwähnen, dass Wie ausgewechselt noch viele Situationen bereithält, in denen die  körperlichen Konfusionen zum Einsatz kommen. Das eigentlich Interessante liegt bei Dobkins Komödie jedoch in der Nähe zum wohl erfolgreichsten Subgenre der letzten Jahre, der Buddy-Komödie.

Spätestens seit Hangover (The Hangover, 2009) hat Hollywood hier das Terrain der infantilen College-Blödeleien verlassen und seine Protagonisten einen beherzten Schritt in Richtung Mannwerdung vornehmen lassen. Von Ehe und Verantwortung ist da die Rede, eingebettet in den Rahmen einer exzessiven Männerfreundschaft, die sich stets mit dem weiblichen Geschlecht auseinandersetzt. Durch Motive wie Drogenkonsum und sexuelle Erfahrungen wird auch hier stark mit Körperlichkeit gearbeitet. Wie ausgewechselt lässt keine dieser Thematiken aus, die vor allem an die Figur des Mitch gebunden sind. Wenn sich die beiden Männer angeregt über Mitchs zwangsloses Verhältnis mit der jungen Tatiana unterhalten, fühlt man sich unweigerlich an Komödien wie Männertrip (Get Him to the Greek, 2010) erinnert, in denen der monogame Mann fasziniert den Sexweisheiten des antibürgerlichen Lebemanns lauscht.

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Somit vollführt Wie ausgewechselt einen weiteren Austausch, nämlich den zwischen zwei Subgenres der Komödiengeschichte. Körpertausch trifft auf Männerkomödie, Body und Buddy korrelieren hier miteinander.

Dass dies über weite Teile funktioniert, ist neben den gut gelaunten Protagonisten vor allem dem Drehbuch der Hangover-Autoren Jon Lucas und Scott Moore geschuldet, das die Gewichtung der unterschiedlichen Comedy-Konzepte gleichmäßig auszubalancieren vermag. An einigen Stellen gelingt es sogar aus der Kombination der beiden Konzepte Gags zu generieren. Dave gerät in doppelte körperliche Bedrängnis, wenn er Mitchs Job als Pornodarsteller übernehmen und die Position des sexuell Aktiveren besetzen muss. Mechanismen des Buddy-Films liegen hier auf der Schablone der Bodyswitch-Komödie. Das ist nicht immer lustig, doch weiß Wie ausgewechselt zumindest mit seinen verschiedenen komödiantischen Prinzipien umzugehen.

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Und wie man es von Hangover gewohnt ist, fehlt es weder an Tempo noch an derben Späßen, wobei die Gags, anders als sich anfangs befürchten lässt, überwiegend ohne Fäkalhumor auskommen. Wenn dann mit Leslie Mann auch noch eine Darstellerin aus dem Judd Apatow-Kosmos auftaucht, ist die Synthese der Subgenres perfekt. Einen besonderen Fokus auf die Charaktere wie bei Apatows Filmen darf man hier aber nicht erwarten, mit seiner Aneinanderreihung abstruser Situationen bleibt das Skript mehr der Hangover-Fasson verpflichtet. Wenn zwischen dem ganzen Tumult kurze Fetzen eines Vater-Sohn-Konflikts dazwischengeschoben werden, ist das so überflüssig wie dramaturgisch ungelenk.

Die Katharsis als notwendige Bedingung der Bodyswitch-Komödie bleibt auch in diesem Film nicht aus, und – dieser Spoiler dürfte im Falle einer Mainstream-Komödie verzeihlich sein - der ominöse Wunschbrunnen wird ebenfalls wiedergefunden. Bis dahin ist das Rollentausch-Spiel eine mal mehr, mal weniger unterhaltsame Genrevariation; flott, laut und oftmals zotig. Am besten kann man sich darauf wohl bei einem ausgelassenen Männerabend einlassen.

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