Wicker Man - Ritual des Bösen

Ein verschwundenes Kind, eine geheimnisvolle Aussteiger-Sekte und ein von Schuldgefühlen getriebener Polizist. Diese Elemente sollen spannungsgeladenes Genre-Kino ergeben. Ein Kalkül, das nur bedingt aufgeht.

Wicker Man - Ritual des Bösen

1973 entstand unter der Regie des Briten Robin Hardy der Mysteryfilm The Wicker Man mit Edward Woodward, Britt Ekland und Christopher Lee. Trotz der durchaus namhaften Besetzung fiel der Erfolg seinerzeit an den Kinokassen äußerst bescheiden aus. Dafür erfreute sich das Schauermärchen über einen Cop, der auf einer entlegenen Insel in einem rätselhaften Vermisstenfall ermittelt, vor allem bei Genrekennern einer stetig wachsenden Beliebtheit. In diesen Kreisen avancierte The Wicker Man zum Kult. Auch Theater- und Filmregisseur Neil LaBute gehörte zu den Anhängern der Geschichte. Als sich ihm rund drei Jahrzehnte später die Möglichkeit bot, ein Remake zu drehen, noch dazu mit den beiden Oscar-Preisträgern Nicolas Cage und Ellen Burstyn in den Hauptrollen, nahm er ohne zu zögern das Angebot an.

Für den Police Officer Edward Malus (Nicolas Cage) ist es der Moment, in dem sich sein ganzes Leben verändern sollte: Er muss mitansehen, wie ein außer Kontrolle geratener Truck in den Wagen einer jungen Mutter rast. Noch bevor er Frau und Kind aus dem Wrack befreien kann, kommt es zu einer tödlichen Explosion. Die seelischen Folgen des schrecklichen Vorfalls versucht er mit Beruhigungsmitteln und anderen Medikamenten in den Griff zu bekommen. In dieser Situation erreicht ihn der Brief seiner Ex-Verlobten Willow (Kate Beahan). Darin bittet sie ihn, nach ihrer kürzlich verschwundenen Tochter Rowan zu suchen. Dazu muss Edward auf die Privatinsel Summersisle reisen, wo Willow inmitten einer matriarchalischen Gemeinschaft lebt, deren Mitglieder abseits der Zivilisation heidnische Rituale und Bräuche praktizieren. Dort angekommen, erregen Edwards Nachforschungen alsbald die Aufmerksamkeit der leitenden Schwester Summersisle (Ellen Burstyn).

Wicker Man - Ritual des Bösen

Mit Wicker Man - Ritual des Bösen (The Wicker Man) kehrt Neil LaBute zu einigen der Themen seiner früheren Werke wie In the Company of Men (1996) und Your Friends & Neighbors (1998) zurück. Auch wenn die Genres – Komödien und Beziehungsdramen versus ein Horror/Mystery-Crossover – keine wirklichen Schnittmengen aufweisen, spielen alle Filme doch auf eine jeweils unterschiedliche Art mit den Beziehungen der Geschlechter untereinander. In diesem Punkt ist LaBute für seine Neuverfilmung auch von der Vorlage abgewichen. Herrschte bei Hardy noch ein Patriarchat über das obskure Inselvolk, so liegt in der 2006er-Version die Macht in den Händen der Frauen. Diese setzen ihre Reize gezielt für die eigenen Ziele ein, wie auch die allerletzte Szene belegt. Männer eignen sich bestenfalls als billige Arbeitskräfte zur Verrichtung niedriger Tätigkeiten. Bezeichnend, dass mit Ausnahme von Cages Figur kein Mann auf der Insel auch nur eine einzige Dialogzeile aufsagen darf.

Die autarke Gemeinschaft lässt Vergleiche mit realen Religionsgruppen und Sekten wie den Amish zu, welche auch schon als Filmkulisse herhalten mussten (Der einzige Zeuge, Witness, 1985). Edward Malus und mit ihm der Zuschauer stolpern hinein in diese fremde, bizzare Welt, deren Faszination die Sinne des Eindringlings zunehmend auf eine harte Probe stellt. Gegen Ende brechen die surrealen, märchenhaften Elemente vollends durch und Edward erkennt, wie er zum Spielball einer für ihn nicht mehr beherrschbaren Macht degradiert wurde. LaBute illustriert die labile Verfassung seines Protagonisten mit alptraumhaften aus dem tragischen Unfall resultierenden Assoziationen, die des Öfteren mit den Realitäten der Gegenwart verschmelzen. Ein nicht zu entschlüsselndes Flüstern verschiedener Stimmen auf der Tonspur verstärkt das Gefühl einer diffusen nicht wirklich greifbaren Bedrohung.

Wicker Man - Ritual des Bösen

In seiner Dramaturgie und Atmosphäre ähnelt der Film stark den sanften mitunter religiös eingefärbten Horrorgeschichten der 70er Jahre. Mit Werken wie Das Omen (The Omen, 1976) und dem Genre-Klassiker Der Exorzist (The Exorcist, 1973) verbindet das Remake seinen bedächtigen, ruhigen Spannungsaufbau, nachdem die Exposition den für lange Zeit einzigen echten Schockmoment setzen darf. Aus Sicht des Verleihs wird es schwierig sein, das Marketing auf ein bestimmtes Zielpublikum auszurichten. Eingefleischten Horrorfans wird Wicker Man zu wenig explizit und brav sein, Krimifreunde könnten an der eher ziel- und planlos verlaufenden wenig logischen Entwicklung des Plots Anstoß nehmen.

Weit schwerer als die Frage, wer sich überhaupt für einen solch altmodischen Gruselausflug begeistern soll, wiegen die Geschehnisse der letzten Viertelstunde. Nicht nur Cages verwirrter und verirrter Polizist wird sich die Frage stellen, welcher Sinn das zuvor sorgsam aufgebaute Rätsel um das verschwundene Kind überhaupt hatte, wenn letztlich doch alles derart lieblos zur Seite geschaufelt wird. Die unfreiwillig komische Anti-Klimax erzeugt Gleichgültigkeit gegenüber einem Film, der das, was er sich über 90 Minuten mühsam aufgebaut hat, mit einem Male wieder niederreißt.

 

Kommentare


chris

Das ist wirklich unglaublich was hier abgeliefert wird.Das einzige was an dem Remake noch stimmt sind wahrscheinlich die Namen.Das Original von 1974 ist einer der besten Filme überhaupt,warum er seinerzeit ein Misserfolg an den Kinokassen war kann ich nicht verstehen.Die Atmosphäre des Originals ist düster und besticht in erster Linie durch die wunderschönen Landschaftaufnahmen.
Die Story ist klasse,wird aber in keinster weise dem Original gerecht.Das ganze Remake von "The Wicker Man" ist reine Zeit- und Zelluloid verschwendung.Das ist das beste Beispiel dafür,das dieser ganzen Hollywood Fabrik die Luft ausgeht und keine neuen Ideen mehr kommen.Sie bedienen sich alter Filmstoffe,peppen das ganze auf "modern" auf und das Ergebnis ist einfach schlecht.

Fazit:The Wicker Man ist nicht die Zeit wert sich in einen dunklen Raum zu setzen und über 100 Minuten seines Lebens mit so einem "scheiss" Film zu verbringen.


Sedo

Oh mein Gott!!!
Ich habe noch nie so einen Schwachsinnigen Film Gesehen und dieser film hatte nicht mal eine logik. Das ende wäre besser gewesen wenn nicolas cage allen eine kugel verpasst hätte ganz ehrlich verschwendet eure zeit nicht mit dem film


CHRIS

ich habe mir das buc durchgelesen
es ist zwar nich schlecht aber es ist ganz anders wie der film besonders der anfang! Wenn mir das einer erkleren kann soll er mich im icq adden meine nummer ist 349-099-990


tommy

ich bin der meinung nicolas cage ist ein echt guter schauspieler aber wie geldgeil kann man sein um so einen schlechten film zu produzieren der film ist einfach schlecht gemacht


Stefan Jung

The Wicker Man ist für mich das schlechteste Remake der Filmgeschichte! Bitte um Gegenvorschläge.


Der alte Gode

Ich finde diesen Film WIEDERLICH. Kann man sich nicht lieber über das Christentum lustig machen. Ich BIN zufällig HEIDE!
(Ironie an)
Also ich muss jetzt offenbar noch jemanden verbrennen...(Ironie aus)


Martin Zopick

Eigentlich halte ich Neil LaBute für einen ernstzunehmenden Regisseur. Aber was er sich hierbei gedacht hat, erschließt sich mir nicht. Will er die Welt der Esoteriker als eigenes Universum karikieren, in dem eigene Gesetze gelten, dazu braucht’s mehr bissige Satire. Da reicht es nicht, wenn John Cage als ermittelnder Cop mal so ganz plötzlich einer ‘Schwester‘ einen Schwinger versetzt oder sich mit ‘Schwester‘ Honey (Leelee Sobiesky) prügelt.
Oder aber soll hier wieder einmal ein alter keltischer Brauch dokumentiert werden? Das Verbrennen eines Mannes als Opfergabe an die Götter in einem Weidengeflecht, das die Form eines Menschen hat? Dann passen die Rückblenden in s/w ebenso wenig wie unrealistische Einblendungen, wenn auf einem Schiff ein Zug durchs Bild fährt.
Vielleicht ist es ja der emanzipatorische Aspekt, der hier zum Tragen kommt: ein Frauenstaat, ähnlich dem der Bienen, angeführt von Schwester Summersisle (Ellen Burstyn), der die Männer als stumme Drohnen bezeichnet und sie nur zur lieblosen Fortpflanzung braucht. Dazu fehlt die nötige Konsequenz und die Vater-sucht-Tochter-Story wirkt etwas daneben.
Man kann eventuell darüber schmunzeln, dass diesmal der edle John-Tempelritter-Cage als Opfer im geflochtenen Manderl sitzt und dass seine Ex auf den Namen Weidenbaum hört. Versatzstücke aus ‘Killerbienen‘, dem ‘Fog‘ und den ‘Trauernden Gondeln‘ werden erkennbar eingesetzt und so entsteht eine kryptisches Gemisch aus Horror, Cop-Thriller, Folklore Doku und ein bisschen Mystery. Nicht aus einem Guss, sondern ganz schön viel verschüttet. K.V.


c.

@Zopick: JOHN Cage hat sich selbstverständlich nicht für diesen Mist hergegeben, es war dann doch mal wieder NICHOLAS...






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