White House Down

Emmerich im Brennglas.

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Die Welt in Schutt und Asche gelegt hat Roland Emmerich schon immer gerne, und das Weiße Haus gehörte bereits in 2012 und Independence Day zu den spektakulärsten Sachschäden. Und stets war der Präsidentensitz gedachter Mittelpunkt einer filmischen Welt, die von einer grundguten Supermacht USA gegen Invasoren aus dem All oder entfesselte Naturkräfte angeführt wurde, mit einem Superpräsidenten an der Spitze. In Emmerichs neuester Variation auf den Beinahe-Weltuntergang ist das berühmte Gebäude in Washington nun auch der Handlungsmittelpunkt – und diese Fokussierung tut White House Down als Actionfilm durchaus gut.

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Die Liebe des Regisseurs zur Maßlosigkeit, was Zerstörungswut und Größe der Heldentaten betrifft, ist auch in White House Down ungebrochen, aber die sonst global entfesselten kinetischen Kräfte sind nun auf einen Ort konzentriert, prallen in den Sälen, Fluren und Fahrstuhlschächten, den Dächern und Gärten eines einziges Gebäudes aufeinander. In diesem Rahmen schnurrt der Film dramaturgisch wie ein Uhrwerk, und schon wenn in der Exposition die Fäden ausgelegt und die Guten und Bösen sich in ihre Startlöcher begeben, zeigt White House Down, wie viel Spaß eine vorhersagbare Inszenierung machen kann, wenn in ihr gutes Timing und unbändiger Vorwärtsdrang zusammengehen.

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Was folgt, ist ein durchgängiger Showdown. Eine paramilitärische Einheit stürmt mit hohem body count das Weiße Haus, nimmt Personal und Besucher als Geiseln und will den Präsidenten in ihre Gewalt bekommen. Die Gelegenheit für den Helden John Cale (Channing Tatum), Präsident James Sawyer (Jamie Foxx) persönlich zu beweisen, dass er der beste Mann für den Security-Job ist, der ihm gerade abgeschlagen wurde. Neben der dramatischen Rettung des Staatsoberhaupts hat er noch mit der Befreiung seiner 14-jährigen Tochter Emily (Joey King) alle Hände voll zu tun.

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Bei allem Tempo hält sich der Film mit Schnittstakkatos zurück und setzt vor allem auf Raumerkundung. Nicht zuletzt ist er auch eine High-Speed-Führung durchs Weiße Haus, seine Geschichte und Legenden (wie war das mit Marilyns Geheimgang zu JFK?), die unter zivilen Bedingungen beginnt und unter MP- und Raketenwerferbeschuss fortgesetzt wird – mit einem das kostbare Inventar resolut verteidigenden Aufseher als running gag. Übers Internet holt Emmerich dann doch nach und nach den Rest der Welt mit ins Boot – ein von Emily gepostetes YouTube-Video enttarnt die Geiselnehmer, die ihrerseits stets auf die übers Netz vermittelte Mobilmachung reagieren –, und bei der wilden Eskalationslogik ist es nur eine Frage der Zeit, bis die globale Vernichtung, hier in Form startbereiter Atomraketen, in wenigen Sekunden bevorsteht.

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In seinem naiven Weltentwurf schließt der Film nahtlos an seine Vorgänger an. Aus dem White House Down-Plot, der die politische Weltlage von 9/11 bis zur Obama-Administration in a nutshell enthält, glüht die Überzeugung, dass der Weltfrieden mit ein bisschen gutem Willen aller Beteiligten doch zu stemmen sein sollte. Dabei legt sich der Film unmissverständlich fest, wer dem im Weg steht: Feinde im eigenen Land, versprengte rechtsradikale Söldner und Agenten, die den ultimativen Nahost-Friedensplan des verhassten schwarzen US-Präsidenten torpedieren und die Vormacht der USA via atomarem Erstschlag sichern wollen. Doch anders als in der TV-Serie 24, die mit ganz ähnlichen Sujets aufwartete, bleibt das „gute“ Amerika bei Emmerich ein gänzlich unkorrumpiertes Heldenland, für das kein folternder und derangierter Geheimagent einsteht, sondern ein Mädchen, das heroisch mit der Fahne schwenkend aus dem brennenden Weißen Haus stürmt.

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Solch hochfliegendes patriotisches Pathos, das den gesamten Film durchtränkt, wäre unerträglich, wenn die Naivität bei Emmerich nicht zugleich auch immer einen „erdenden“ Effekt hätte. Mehr als von ernsthaften konservativen Werten wird sein Universum im Grunde nur von aufrechter Kumpelhaftigkeit beherrscht, die, von den Bösen abgesehen, spätestens im Krisenfall den Umgang aller Figuren mit allen prägt. Dies gilt im Großen wie im Kleinen: Auch wenn die Cales in White House Down äußerlich einer zu kittenden Spielberg-Kleinfamilie ähneln, gehen Emmerich die dunkle Ahnung von deren Verwerfungen, die das Werk seines Vorbilds durchziehen, völlig ab – am angemessensten würde John Cale seiner Tochter mit einem herzhaften „Gib mir die Fünf“ begegnen. Wie seinen Kollegen, seinen Vorgesetzten, wie dem Regierungschef: Bei Emmerich ist der US-Präsident immer zugleich bewunderter Menschheitsführer, alles könnender Superheld und jeden auf Augenhöhe begegnender Duzkumpel – der erste Mann in einer Weltgemeinschaft von buddys, die zusammen Abenteuer zu bestehen haben. In dieser Welt gibt es jede Menge Krach und viele Gefahren, aber keine Abgründe.

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Man kann sich auf diesen Gestus zwar nie ganz einlassen, aber man kann ihn einen Film lang für glaubhaft harmlos halten. Wenn dann zum Abspann von White House Down ausgerechnet Street Fighting Man von den Stones ertönt, verspürt man einerseits mit leichtem Schmerz einen Fehlgriff, andererseits aber auch die wohlwollende Gewissheit, dass der Film an das erzählerische Koordinatensystem, in dem dies der passende Abschlusssong wäre, tatsächlich glaubt. Und dieses gemischte Gefühl ist durchaus typisch für die Rezeption eines Emmerich-Films und trägt einen gar nicht mal so schlecht durch zwei rasante Kinostunden.

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