Whistleblower - In gefährlicher Mission

Wenn Heldinnen unlösbare Konflikte lösen.

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Der Actionthriller hat gerade die jungen Frauen als Vigilantes entdeckt; Wer ist Hanna, Colombiana und Steven Soderberghs Haywire schicken das weibliche Geschlecht als trainierte Kampf- und Tötungsmaschinen in und durch die Welt, ein Hauch von Sexploitation weht mit.

Doch abseits dieses Subgenres, vor allem abseits des sich daraus generieren lassenden Sexappeals, sind Protagonistinnen im Actionthriller nach wie vor eine Rarität. Überhaupt hält die große Leinwand jenseits der Romantic Comedy nach wie vor eine überschaubare Anzahl an Hauptrollen für Frauen bereit.

Whistleblower 2

Insofern verwundert es nicht, dass der Stoff zu einem Politik-Thriller im Kriegsgebiet, bei dem eine weibliche Polizistin durchweg weibliche Opfer aus den Fängen männlicher Täter zu befreien sucht, lange keine Abnehmer beziehungsweise Geldgeber fand. Das Projekt Whistleblower – In gefährlicher Mission (The Whistleblower) kam ins Rollen, als Oscargewinnerin Rachel Weisz ihre Zusage gab. Sie komplettiert ein durchweg weibliches Team von Produzentinnen, Autorinnen und Regisseurin, dem es zudem gelang, Vanessa Redgrave und Monica Bellucci für die Low-Budget-Produktion zu gewinnen. Selbst Independent-Ikone David Strathairn fühlte sich derart von dem Thema angezogen, dass er zur Mitarbeit einwilligte.

Kathy Bolkovac, ein Nebraska-Cop mit jugoslawischen Wurzeln, bemüht sich um eine Versetzung, damit sie ihren Kindern näher sein kann. Die Bewerbungen werden abgelehnt, doch dann tut sich ein anderer, äußerst lukrativer Job auf: Sicherheitsdienst im Post-Kriegs-Bosnien. Dafür braucht man nur einen High-School-Abschluss und muss über 21 Jahre alt sein, wie eine Kollegin festhält.

Whistleblower 3

Eigentlich hat der Film in diesem Dialog schon das Kernproblem formuliert: In Bosnien üben Menschen verantwortungsvolle Jobs aus, die dafür in keinerlei Hinsicht qualifiziert sind. Und die mit der Macht, die sie ausüben können, verheerend umgehen. Unsere Zeit hat eine Bildserie dafür, und die stammt aus Abu Ghraib. Auch in Kondrackis Film fotografieren und inszenieren die Täter ihre Erlebnisse.

Whistleblower bringt Kathys Geschichte schnell mit der Rahmenhandlung um die junge Raya zusammen. Sie ist Opfer eines Menschenhandels, der vor allem ausländische Sicherheitsdienste als Kunden und sogar Betreiber hat. Das ist keine Erfindung, sondern basiert auf Fakten und den Erfahrungen von Kathryn Bolkovac, die es tatsächlich gibt.

Whistleblower 4

So verständlich das Anliegen aller Beteiligten ist, einen solchen Skandal an die Öffentlichkeit zu bringen, so wenig Garantie für einen guten Film liefert das persönliche Engagement. Ähnliches musste sogar der versierte Hans-Christian Schmid erfahren, dessen ambitionierter Sturm sich zwischen Anklage, politischer Analyse, Genre- und Arthousefilm beinahe gänzlich verlor.

Nun fehlt Regisseurin Larysa Kondracki leider noch die Souveränität Schmids. Ihre Inszenierung schwankt zwischen Vorsicht und Biederkeit; wagt sie mal etwas wie wiederkehrende Unschärfen und Blautöne, wirkt es verspielt und prätentiös. Dem hat das Drehbuch leider wenig entgegenzusetzen, da es sich auf standardisierte Konflikte – das bindende Versprechen der Opfermutter gegenüber beispielsweise – konzentriert. Was im Umkehrschluss heißt, dass Whistleblower trotz aller Unschärfen keine Grautöne kennt. Und nur jene erheben den Stoff über seinen reinen Nachrichtenwert, das kurze Moment der Empörung.

Kondrackis Film jedoch verpasst die Chance zur Tragödie und wählt das Heldinnenepos. Darin ist am Ende alles geklärt. Diese Eindeutigkeit unterminiert das Potenzial der Nachricht. Am Ende versucht eine Texttafel dagegen anzukämpfen, vergeblich. 

Universum-Film

BD/DVD-Verleih ab: 07.12.2011

BD/DVD-Verkauf ab: 02.01.2012

Trailer zu „Whistleblower - In gefährlicher Mission“


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