Whisky

Der minimalistisch anmutende Film Whisky, aus Uruguay, kommt ohne die Klischees des Kontinents wie Drogenhändler, Militärputschs oder Prostitution aus. Der zweite Film des Regiegespanns sieht sich in der Tradition des europäischen Art-House-Kinos.

Whisky

Im Abspann von Whisky gilt Aki Kaurismäki besonderer Dank. Unübersehbar verbeugt sich das Regieduo Juan Pablo Rebella und Pablo Stoll vor dem finnischen Regisseur, der das Art-House-Kino der 80er und 90er Jahre entschieden prägte. Die Filmemacher aus Uruguay bedienen sich für die Geschichte eines verarmten Fabrikbesitzers, dessen reichen Bruders und einer Angestellten, dem Erzählmodus’ eines Kaurismäki, in dem sie Lakonik zum obersten Stilprinzip erheben.

Alt und müde sieht Jacobo Köller (Andrés Pazos) aus, als der reservierte Strumpffabrikbesitzer die langjährige Angestellte Marta (Mirella Pascual) bittet, für die Dauer des anstehenden Besuchs seines Bruders, in die Rolle seiner fiktiven Ehefrau zu schlüpfen. Herman (Jorge Bolani), der joviale Bruder, eigens aus Brasilien für die Beerdigung der Mutter auf dem jüdischen Friedhof in Montevideo eingeflogen, initiiert einen anschließenden Kurzurlaub zu Dritt. Scheinbar ohne Höhepunkte verläuft die Reise, auf der Jacobo und Marta versuchen, sich so gut es geht, aus dem Weg zu gehen.

Whisky

Die Stärke von Whisky liegt in der Darstellung der komplexen Beziehung zwischen Jacobo und Marta, die mit einem Minimum an Dialogen auskommt. Jacobo ist für Marta mal ein strenger Chef, dann wiederum ein hilfebedürftiger Freund und auch ein potentieller Lebenspartner. Diese Ambivalenzen erzeugen Unsicherheiten auf beiden Seiten, denen die Protagonisten mit einem Bemühen um gegenseitiges Desinteresse begegnen. Dem Spiel der Schauspieler ist es zu verdanken, dass diese Nuancen des wechselnden Verhältnisses zwischen Jacobo und Marta auf die Leinwand transportiert werden.

Ganz im Sinne des geistigen Vaters aus Finnland nehmen unspektakuläre Ereignisse, wie etwa ein Karaokeauftritt, oder ein Tischhockey-Spiel einen wesentlichen Teil der Erzählzeit in Anspruch. Dabei spinnt sich das soziokulturelle Porträt eines Kosmoses, in dem sich das vielschichtige Beziehungsgeflecht der wortkargen Figuren entfalten kann. Leider gelingt es dabei den Regisseuren nicht, über ihr Vorbild hinaus, eine individuelle Erzählform in der filmischen Gestaltung zu entwickeln. Die fehlende Eigeninitiative zeigt, dass die konsequent durchformulierte Schlichtheit der Inszenierung für die Bildung eines eigenen Profils nicht ausreichen kann.

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