What the Fuck heißt REDIRECTED?

Vier Möchtegern-Ganoven verursachen durch einen kleinen Coup eine Riesensauerei aus Blei, Blut und Blessuren. Emilis Velyvis benutzt für seine Gangsterkomödie erprobte Zutaten, verkocht sich aber vor allem bei den Figuren.

What the Fuck heisst Redirected 05

Für ihren geplanten Überfall auf ein Gangster-Casino „überreden“ die drei Londoner Kleinräuber Johnny (Gil Darnell), Tim (Oliver Jackson) und Ben (Anthony Strachan) ihren alten „Kollegen“ Michael (Scot Williams), der eigentlich längst die Seiten gewechselt hat und seiner Freundin gerade einen Heiratsantrag machen wollte. Stattdessen findet er sich nun als Fluchtwagenhelfer beim Casino-Coup wieder, und wenig später auf dem Überwachungsvideo der Gangster um den brutalen Golden Pole (Vinnie Jones), der seine Kohle zurückhaben will und sich an Michaels Fersen heftet.

Dass das Flugzeug, in dem die vier Kleinganoven flüchten, wegen eines Vulkanausbruchs auf dem Weg nach Malaysia ausgerechnet nach Litauen umgeleitet wird, ist für den Film recht egal. Zwar spielt die Actionkomödie des Regisseurs Emilis Velyvis, die in seiner Heimat mit 300.000 Zuschauern alle Box-Office-Rekorde brach, vornehmlich in dem baltischen Staat. Doch dieser bildet den bloßen Hintergrund für eine Filmgeschichte, die an jedem x-beliebigen Ort der Welt spielen könnte. Balalaika-Musik, ein paar fremd klingende Sätze für die Sprachverwirrung zwischen Ost und West, ein rustikaler Bauernhof und vor allem die Korruption auf allen Gesellschaftsebenen sollen den Hauch osteuropäischer Folklore vermitteln. An diesem Schauplatz kämpft jeder gegen jeden: Kleinganoven gegen Großgangster gegen Litauer Unterwelt gegen korrupte Polizisten.

Buddies wider Willen

What the Fuck heisst Redirected 06

What the Fuck heißt REDIRECTED erzählt in elliptischer Form und folgt in drei Hauptsträngen den Schicksalen der Kleingangster, unterteilt in mehrere Zwischentitel. Während sich Michael allein und blutüberströmt in einem Hotelzimmer wiederfindet, wo er einen Sack voller Geld entdeckt, auf den bald Golden Poles Gang und die litauische Mafia Anspruch erheben, erleben auch Michaels Kumpanen nach durchfeierter Nacht ein böses Erwachen. So wurde Johnny anstatt von einer Prostituierten beglückt von einem litauischen Gangster an einen Heizkörper gekettet, bewegt sich nun mit diesem Gerät durch die überdrehte Filmgeschichte und begegnet einer Reihe von bis zu Karikaturen überzeichneten  Figuren wie einem geilen Priester, (natürlich) Prostituierten, aufgebrachten Arbeitern und schließlich Golden Pole. Tim und Ben werden derweil auf einem Bauernhof für schwule Touristen gehalten und verjagt.  Durch die schier ausweglosen Situationen verbunden, werden die vier Kleinganoven ungewollt zu Freunden. Sonst gleichen sie eher Einzelkämpfern, die durchaus auch mit Gewalt gegeneinander vorgehen: etwa wenn Michael nach dem Coup zu Beginn durch einen Feuerlöscher überwältigt und kurzerhand mit ins Flugzeug gesetzt wird. Zwangslangen und ein paar Schulterschüsse erwirken Schulterschlüsse, um irgendwie durchzukommen.

Schweine ohne Diamanten

What the Fuck heisst Redirected 01

What the Fuck heißt REDIRECTED ähnelt in seinem Mix aus Coolness, skurriler Action, rasanten Schnitten, dem Kampf zwischen Klein- und Großganoven und nicht zuletzt dem Borstenvieh, das der Gaunergeschichte die notwendige groteske Note verleihen soll, an Filme wie Guy Ritchies Snatch – Schweine und Diamanten (Snatch, 2000) oder auch Bube, Dame, König, grAs (Lock, Stock and Two Smoking Barrels, 1998). Nur findet sich bei Velyvis’ Spektakel kein echter Diamant. Dabei stimmen die Zutaten für eine gute Actionkomödie durchaus: Vinnie Jones, der bereits in Guy Ritchies Gaunerkomödien brillierte, als cooler Großgangster; tolpatschige Kleinganoven, die mit ihren Masken beim Casino-Coup wirken wie die Panzerknacker beim Fasching; und schließlich ein gewaltiger Showdown zwischen den Gangstern und der Unterwelt während einer litauischen Hochzeit mitten auf einem Bauernhof.

Bei Ritchie haben die Figuren jedoch soziale Bezugspunkte, einen Vater, ein Kind oder einen ganzen Familienclan, der ihnen eine interessante Mehrschichtigkeit und ihren Handlungen zusätzlich Motivation verleiht: Sie sind cool und haben dennoch einen moralischen Kompass. Dagegen wirken Velyvis’ Figuren einzig im Hier und Jetzt auf sich allein gestellt. Halt- und substanzlos jagen sie durch den Film oder werden durch ihn gejagt, ohne dass sie dem Zuschauer wirklich näher gebracht werden. Auch Michaels Freundin, die ein spannendes Korrektiv hätte sein können, verkommt zur zickigen Anruferin, die sich immer dann meldet, wenn es Michael gerade an den Kragen geht.

Aufgetischt

What the Fuck heisst Redirected 09

Der Filmtitel ist in doppelter Hinsicht Programm. Auch Velyvis leitet die Handlungsstränge seines Films auf Umwege, unterbricht sie, um sie im späteren Erzählverlauf wieder aufzugreifen und letztlich zusammenzuführen. Diese Handlung ist zwar durchaus amüsant, wird aber bald überfrachtet durch ständig neue und aberwitzige Wendungen, die speziell Michael zu einem herumgestoßenen Spielball machen, der abwechselnd in die Fänge der jeweiligen Gangster-Teams gerät. Die Gags kommen vermehrt zu gewollt daher, etwa wenn Michael das erste Mal auf der Straße das Litauische für Malaysisch hält, oder wenn Tim und Ben auf offensichtlich nach Litauen geschleuste Personen treffen, die wissen wollen, woher die beiden kommen und, nachdem sie „England“ als Antwort erhalten, nun glauben, in England zu sein. Der Film tischt ordentlich auf, doch kein Happen will so recht schmecken. Vielleicht, weil da schon manches Durchgekautes mit dabei ist.

Trailer zu „What the Fuck heißt REDIRECTED?“


Trailer ansehen (2)

Kommentare


Rainer Schupp

Diese Kritik ist lieblos und einfach nicht richtig. Ich kenne diesen Film
seit dem er im Januar letztes Jahr veröffentlicht wurde und er ist einfach herrlich.
Einziges Minus ist das Verlorengehen mancher Dinge durch die Übersetzung.






Kommentare der Nutzer geben nur deren Meinung wieder. Durch das Schreiben eines Kommentars stimmen sie unseren Regeln zu.