What a Man

FHM in FFM: What a Man hat Tipps parat für den echten Mann nach der falschen Emanzipation.

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Auch wenn tendenziell eher Verwirrung und Verlegenheit herrscht nach dem einstweiligen Abflauen der Genderkämpfe: Als Material zum Geschichtenerzählen eignen sich klassische Hetero-Geschlechterkriege nach wie vor famos. „Alpha-Männchen“, „Balztanz“, und „Futterneid“ sind nur einige Lieblingsklötzchen in unserem sozialdarwinistischen Baukasten, und bis man daraus keine leicht zugänglichen Storys mehr basteln kann, braucht es noch ein paar Schwarzers und Butlers mehr.

So denn auch in Matthias Schweighöfers Regiedebüt What a Man: Grundsympathischer, aber stark gender-verunsicherter und entsexualisierter Reformschullehrer (Schweighöfer selbst) verliert seine platinblonde Posh-Spice-Freundin (Mavie Hörbiger) an den SM-bewanderten Machofotografen von obendrüber (Thomas Kretschmann). Der schlägt dem Gehörnten die Tür vor der Nase zu mit dem subtilen Hinweis: „Ich geh jetzt mal ficken.“ Da läuft ja jedem Silberrückengorilla ein Schauern durch die Brust, also schnellstmöglich neue Liebe her, am besten gleich mit bittren Lektionen fürs weitere Leben. Gut, dass in Frankfurt am Main, jener Stadt der hausgewordenen Phallussymbole, nicht nur Wadenbeißer und Ellbogenbanker, sondern auch pandaverliebte beste Freundinnen (Sibel Kekili) rumlaufen.

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Ja, What a Man ist eine Satire der Klischees, ist vorhersehbar und mischt Altbekanntes. Kein Konflikt kommt hier überraschend, das Drehbuch hat die Ökonomie der Hindernisse und Belohnungen brav austariert, der Ton changiert zwischen Slapstick und Sinnsuche. Die Frage nach dem spezifischen Gewicht eines solchen Filmes sollte sich schnellstmöglich von „Was?“ auf „Wie?“ verlagern, will man Oberflächlichkeiten nicht allzu oberflächlich aburteilen. Und da hat What a Man durchaus seine Qualitäten: im Ton häufig bissiger, als man erwarten könnte, in der Figurenzeichnung rücksichtloser, in der Bildgestaltung fiebriger. Der Film ist gerade zu Beginn angenehm bösartig, fast misanthropisch, so hemmungslos prügeln Männlein und Weiblein hier psychisch und verbal aufeinander ein.

Aber ziemlich schnell werden die Sympathiewerte ganz klar verteilt; der Regisseur kürt sich selbst zum tragischen Liebling und die karriere- und sexgeile Egotussi (denn weibliche Emanzipation kann man letztlich doch nicht wirklich ernst nehmen, oder man hat eben Angst davor) wird ordentlich abgewatscht. What a Man suggeriert, mit seiner lockeren Abwägung progressiver und reaktionärer Geschlechterverständnisse über den Dingen zu stehen, ist aber in sich ein stockkonservativer Film. Böse Menschen haben Sadomaso-Sex (auch darüber lacht man, vielleicht aus Angst), die ehrlichen und zweiflerischen kuscheln lieber. Schlimm dabei auch das Szenenbild: Kostüme aus dem H&M-Schaufenster in Wohnungen aus dem Ikea-Katalog. Und dann präsentiert What a Man auch noch das aggressivste Product-Placement seit Langem. Klar wimmelt es mittlerweile in vielen Filmen an clever platzierten Markenhinweisen, aber damit dies ähnlich stark auffällt wie hier, muss schon ein gewisser Schwellenwert überschritten werden.

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Natürlich könnte man jetzt eine etwas tiefergehende Bohrung unternehmen, denn die Zeichen deuten alle in die gleiche Richtung: Klischeefiguren in Klischeekleidern in Klischeedrehbuch. Und dann auch noch in der Stadt des Großkapitals. Versteckt sich da möglicherweise eine Kritik an unserer Kultur der Oberflächlichkeiten? Ist das postmodern? Ein Defilee der Simulakren? Doch auch dieser wohlbekannte Move der Sinngebung bringt bestenfalls durchwachsene Einsichten zutage. Klar kann man im Herzen dieses Filmes eine große Leere erkennen, aber die Kunst der Sinnentleerung besteht weniger im beliebigen Aufzeigen des Nichts als in dessen interessanter Ausgestaltung. Auch die Leere hat einen Umriss. Und der ist bei What a Man nicht klar erkennbar.

Schwanzvergleich, Partnerbörse, Therapiesitzung heißen also die Aggregatzustände der Geschichte, in dieser Reihenfolge. Lektion 1: Der Weg „wirklicher“ (im Sinne von altbackener) Männlichkeit ist gepflastert mit Wörtern wie „Hämmern, Bohren, Nageln“ und einem müde versteckten Subtext. Lektion 2: Wer diesen Weg nicht gehen und dann auch nicht enttäuscht werden möchte, sollte seine einschränkenden Träume kennen („Ich wünsche mir einen Partner, der Humor hat und zuhören kann …“). Lektion 3: Die Quintessenz, wenn denn alles klappt, oder die Motivation, wenn nicht, ist, sich selbst zu akzeptieren („Man kann sich nicht vor dem verstecken, der man ist“). All das formuliert der Film auch en detail aus, jedes Geheimnis wird gelüftet. Und dann faltet sich die Kette wieder ineinander, der Waldorflehrer ist zufrieden, die partnersuchende Weltenretterin lacht und ihr wird zugehört, und der Macho weiß, dass der Schwanz eben stets nur so klein oder groß bleiben wird, wie er eh schon immer war. Und wir Zuschauer? Hatten eineinhalb Stunden Vorurteilsbestätigung, viel Fremdschämen und natürlich auch ab und an ein bisschen Spaß. Ach, und wir wissen jetzt, dass Air Berlin nach Peking fliegt.

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Kommentare


Livia

Vielleicht sollte MANN nicht nur das negative (äussert deutlich und immer wieder) betonen, sondern auch mal das Positive genauer betrachten. Ich denke nämlich durchaus das dieser Film sehenswert ist und dies nicht zuletzt weil man einfach mal herzlich lachen kann.


Stefan

Also ich fand den Film "What a man" echt supergut(!!!) und kann die äußerst negative Filmkritik von Nino Klingler nicht nachvollziehen
Natürlich wurden einige Klischees bedient, doch konnte man wirklich oft lachen und - vielleicht sollte man auch ein bisschen zum Nachdenken kommen. Denn ist es nicht so, dass man heute als Mann eben durchaus oft den harten und coolen "spielen" muss, obwohl man vielleicht eher ein sensibler und romantischer Typ ist???
Außerdem sollte man die Komödie einfach ansehen, lachen und einen schönen Kinoabend genießen.
Von meiner Seite aus ist dieser Film absolut sehenswert - und nicht so platt wie manche amerikanische Komödie.
Also geht rein - es lohnt sich!!


Katja Riegel

Wir hatten sehr viel Spaß diesen film zu sehen. Klischees hin oder her. Super Darsteller, geniale Dialoge. Absolut sehenswert






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