Wer Feuer sät …

Philip Noyce hat mit Wer Feuer sät … einen afrikanischen Polit-Thriller über das Ende der Apartheid geschaffen. Im Fokus steht ein einfacher Arbeiter, der sich zum radikalen Widerstandskämpfer wandelt.

Wer Feuer sät …

Als 1991 das südafrikanische System der Apartheid ein Ende fand, kamen durch ein Amnestie-Gesetz der neuen Regierung viele politische Häftlinge wieder frei, unter ihnen auch Patrick Chamusso, der als Aktivist der Widerstandsbewegung ANC einen Bombenanschlag auf eine Ölraffinerie verübt hatte. In Wer Feuer sät … (Catch A Fire) verarbeitet nun der australische Regisseur Philip Noyce (Der stille Amerikaner, The Quiet American, 2002) dessen Biographie zu einem packenden Thriller, der vor allem von seinem historischen und exotischen Setting lebt.

Patrick Chamusso (Derek Luke) führt als Vorarbeiter einer Ölraffinerie ein bescheidenes Leben mit seiner Familie. Mit dem Apartheid-Regime hat er sich arrangiert und hält sich aus politischen Belangen heraus, wohlwissend, dass sich einzumischen meistens nur Ärger für einen Schwarzen bedeutet. So lässt er die Schikanen der Weißen duldsam über sich ergehen. Doch seine kleine Welt zerbricht, als er nach einem terroristischen Anschlag auf die Ölraffinerie unter Verdacht gerät und von einer Anti-Terror-Einheit der südafrikanischen Polizei verhaftet wird. Sonderermittler Nic Vos (Tim Robbins) erwartet sein Geständnis und beginnt eine qualvolle Inquisition. Als gebrochener und verbitterter Mann verlässt Chamusso schließlich das Gefängnis. Er verlässt seine geliebte Familie und heuert bei den Widerständlern an. Allmählich wird der Zuschauer, der Chamusso bei seiner zunehmenden Radikalisierung begleitet und auch dem scharfen Drill der Ausbilder im Trainingscamp ausgesetzt ist, mit in den Strudel der Gewalt gezogen. Chamusso kehrt, musikalisch untermalt von Bob Marleys „Exodus“, als Rebell in seine Heimat zurück, um einen Anschlag auf die Raffinerie zu verüben.

Wer Feuer sät …

Vos und Chamusso verkörpern jeweils eine der Konfliktparteien, der Film spielt die Figuren geschickt gegeneinander aus. Die Motive der beiden sind dabei prinzipiell gleich: zuallererst der Schutz der eigenen Familie. Vos, der subtilere Verhörmethoden bevorzugt und das Foltern lieber seinen Kollegen überlässt, kämpft für die Sicherheit und Stabilität des Regimes, denn die weiße Minderheit sieht sich durch revoltierende Schwarze bedroht und übt sich im Selbstschutz. Tim Robbins verleiht dem wortkargen Geheimdienstler eine kühle Distanziertheit, die innere Konflikte erahnen lässt. Auch wenn er von der Richtigkeit der Terrorbekämpfung überzeugt ist und seinem Job mit der erforderlichen Professionalität nachkommt, zeichnen sich leise Zweifel am politischen Regime ab. Chamusso wird erst in die Auseinandersetzung gezogen, als sein Versuch, sich aus den Rassenkonflikten herauszuhalten, misslingt. Er wird genau zum dem Staatsfeind, den Vos von Anfang an in ihm gesehen hatte. Terrorismus als sich selbst erfüllende Prophezeiung. Damit liefert der Film auch einen Beitrag zur gegenwärtigen Terrorismus-Debatte. Dabei ist es ein Verdienst von Wer Feuer sät …, die beiden Hauptfiguren nicht in ein zu durchschaubares Gut-Böse-Schema zu drängen, sondern eine brüchige Grenze zwischen Terrorismus und politischem Widerstand nachzuzeichnen.

Wer Feuer sät …

Philip Noyce bemüht sich in seiner internationalen Koproduktion um eine ausgewogene Sicht auf die südafrikanische Historie. Auch wenn der Film dem Freiheitskampf der unterdrückten Schwarzen wohlgesonnen ist, räumt er der Sicht der Weißen – ihrem Heimatstolz wie auch ihrer Paranoia gegenüber der schwarzen Mehrheit – durchaus Berechtigung ein. Doch für Noyce steht nicht so sehr die geschichtliche Lehrstunde der Apartheid im Mittelpunkt. Wenn der Regisseur mit seinem Film eine Botschaft verkünden möchte, dann ist sie bereits im Titel festgeschrieben: gewaltsame Unterdrückung liefert den Nährboden, auf welchem wiederum Gewalt gedeiht. In dieser Hinsicht ist Wer Feuer sät … recht plakativ. Dies gilt auch für die bemüht versöhnliche Abschlusssequenz, in der sich die Handlung wieder der persönlichen Geschichte von Patrick Chamusso zuwendet und recht pathetisch aufzeigt, wie der Teufelskreis der Gewalt durchbrochen werden kann.

Wer Feuer sät …

Wer Feuer sät … gibt sich kämpferisch in seinem Stil, durch den atmosphärischen Einsatz afrikanischer Musik etwa, allerdings dienen die Insignien der schwarzafrikanischen Freiheitsbewegung hauptsächlich als Staffage. Ansonsten dient das historische Setting als Hintergrund für eine in weiten Teilen konventionelle Thriller-Handlung, die mit spannungsgeladenen Verfolgungsjagden vorangetrieben wird. Hier hat der Film auch seine stärksten Momente, wohingegen er als Geschichtsdrama weniger erreicht.

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