Wenn Träume fliegen lernen

Basierend auf Allan Knees Theaterstück Der Mann der Peter Pan war inszeniert Marc Forster (Monsters Ball, 2001) ein biederes Rührstück, das getragen von Johnny Depp an vielen Momenten dennoch ergreifend wirkt.

Wenn Träume fliegen lernen

Mit Filmtiteln ist das so eine Sache. Finding Neverland ist eine Art schiefes Oxymoron. Er ist jedenfalls Phantasie anregend, keinem Genre eindeutig zuzuordnen und spricht von einer fernen mysteriösen Welt. Assoziativ - und dies nicht von ungefähr - erinnert er an Alice im Wunderland. Spinnt man die Assoziationskette weiter, stößt man auf kurz oder lang unweigerlich auch auf Chihiros Reise ins Zauberland (Sen to Chihiro no kamikakushi, 2001). Ein Film, der seinerseits auf Alice im Wunderland rekurriert. Das besondere an Chihiro mag nun sein, dass er als Kinderfilm in Animeformat daherkommt, der auch oder vor allem erwachsene Zuschauer anspricht.

Um die schleichenden Übergänge bzw. die Schwellen zwischen Kinder- und Erwachsenenwelt geht es auch in Finding Neverland. Protagonist des Films ist ein Erwachsener, der wie ein Kind leben möchte, sein Antagonist ist ein Kind, das sich erwachsen verhält. Der Phantasie des jungenhaften Mannes ist Neverland, die Märchenwelt des Peter Pan, entsprungen, dessen Vorbild der kleine Junge ist. Diese Konstellation entspricht keinem Originaldrehbuch, sie ist eine Adaption des Bühnenstücks Der Mann der Peter Pan war (The Man who was Peter Pan) von Allan Knee.

Wenn Träume fliegen lernen

Was soll uns nun aber der deutsche Verleihtitel Wenn Träume fliegen lernen suggerieren? Im positiven Sinne transportiert er sogenannte große Emotionen, negativ formuliert Kitsch. Wieder fließende Übergänge und genau auf der Schwelle positioniert sich der Film.

Regisseur Marc Forster legte mit dem oscarprämierten und bei der Berlinale im Wettbewerb gelaufenen Monsters Ball (2001) ein intensives Schauspielerstück vor, das sich auf ein hervorragendes Buch stützen konnte. Dies zog nun für seinen Folgefilm neben Hauptdarsteller und Independentikone Johnny Depp auch Kate Winslet und Altmeister Dustin Hoffman, der bereits in der Titelrolle von Steven Spielbergs Hook (1991) Peter Pan-Erfahrung sammelte, an. Die Britin ihrerseits hatte bereits in dem Musical-Kinderfilm Christmas Carol: The Movie (2001) mitgewirkt. Hier nun verkörpert sie eine alleinerziehende Mutter, mit, wie es sich für die Winslet gehört, alternativen Vorstellungen und Erziehungsmethoden. Im Kampf gegen die resolute Matriarchin (Julie Christie) kommt ihr unerwartet der erfolgreiche aber zunehmend ideenlose und gelangweilte Autor J. M. Barrie, verkörpert von Depp, zu Hilfe. Der freundet sich mit ihren drei Jungen an und bemüht sich vor allem um den Jüngsten, der seinerseits seit dem Tod des Vaters in dessen Rolle zu schlüpfen sucht, womit er sich der eigenen Kindheit beraubt.

Wenn Träume fliegen lernen

Forster inszeniert diesen Stoff als historisches Ausstattungs- und Rührstück. Er verlässt sich wie in Monsters Ball auf den Stoff und in erster Linie seine Darsteller. Tatsächlich agiert der junge Freddie Highmore prägnant in der Rolle des verletzten frühreifen Sohnes; Radha Mitchell trägt als eifersüchtige, Etikette und Realität verschriebene Ehefrau Barries einige der stärksten Szenen des Films. Darüber hinaus spielt Johnny Depp seine Figur extrem zurückgenommen, verleiht ihr Tiefe und Ambivalenz durch etliche Nuancen und Feinheiten im Figurenporträt, liefert damit die bislang beeindruckendste Leistung seiner Karriere.

Doch diesmal rettet das Ensemble den Regisseur dennoch nicht. Forster findet keine visuelle Strategie für die phantastischen Elemente des Films, seine Regie ist bieder und einfallslos. Der Stoff und die Besetzung ermöglichen es dem empfänglichen Zuschauer dennoch über weite Strecken, sich in die Gefühlswelt fallen zu lassen, denn bevor das Ende in seiner ganzen Plattheit daherkommt, gibt es dramatische Momente, die trotz aller Rührseligkeit zur Empathie bewegen.

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Kommentare


Nicole Beuster

J.M. Barrie (Johnny Depp) ist ein junger Mann, der als Schriftsteller trotz seiner ausschweifenden Phantasie mit mäßigem Erfolg zu kämpfen hat. Nach dem Flop seines neuesten Bühnenstückes erhöht sich der Erfolgddruck um ein Vielfaches, denn die Ausgaben müssen wieder eingespielt werden.

Auf der Suche nach einer erfolgsversprechenden Geschichte lernt er in einem Londoner Park die junge Sylvia Llewelyn-Davis (Kate Winslet)sowie ihre 4 Söhne kennen. Schnell freundet er sich mit den Jungs an und bringt der vom Schicksal getroffenen Familie den Glauben an das Gute zurück. Besonders den verbitterten Peter schließt er in sein Herz. Nach dem Tod des Vaters hat Peter sein kindliches Verhalten verloren.

Gemeinsam erleben die 5 eine wunderschönen Sommer, der Barrie zu seinem größten Erfolg "Peter Pan" inspiriert. Langsam erlangt die Familie wieder zu Hoffnung und Freude.

Bei dem Versuch, der Familie zu helfen, nachdem Sylvia erkrankt, zerbricht Barries Ehe, da seine Frau es nicht ertragen kann, Ihren Mann glücklich mit einer anderen Familie zu sehen.

Barrie selbst muss sich nach Trennung von der Ehefrau und Kampf um das Glück der kleinen Familie selbst der Realität stellen und erkennt, dass seine Phantasiewelt das reale Leben nicht dauerhaft beeinflussen kann.

"Wenn Träume fliegen lernen" ist ein sehr einfühlsamer Film über das Bewahren der Phantasie über die Kindheit hinaus. Mit wunderschönen, weichen Bildern und viel Gefühl geht dieser Film zu Herzen - bis zur letzten Sekunde.


lena

Ich denke dieser film ist sehr immotional, und die hervorragende schauspielleistung von johnny depp (oscar nomieniert)und kate winthlet (auch nomieniert)verbessert den film noch mal in all seiner pracht.
wer diesen film nicht gesehen hat, verpasst ein gefühls leben von trauer, freude und vielne weiteren imutionen.


Martin Z.

Trotz der prominenten Besetzung, darunter einige meiner Lieblingsschauspieler bleibt der Film auf wundersame Weise trocken. Die weltberühmten Mimen können ihr schauspielerisches Talent überhaupt nicht ausspielen. Auch die stellenweise Massage der Tränendrüse bleibt letztlich ohne Wirkung. Als Märchen für Kids wie für Erwachsene kann der Film wohl kaum eine der Zielgruppen überzeugen. Das Beste ist noch der Titel. Gegen Ende wird dann die Schmerzgrenze allerdings noch überschritten, wenn Johnny Depp und die todkranke Kate Winslet händchenhaltend auf dem Sofa sitzen und sie dann gemächlich mit langer Schleppe ins Neverland schreitet. ( American Kitsch!) Julie Christies muss eine undankbare Rolle als böse Mutter spielen, die dann gezwungenermaßen am Ende einknickt. Alles vorhersehbar, langweilig, kein eindrucksvolles Denkmal für den Erfinder von Peter Pan - aber deswegen haben wir uns den Film doch eigentlich angeschaut…






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