Wenn Liebe so einfach wäre
Meryl Streep und Alec Baldwin brillieren in dieser romantischen Komödie über ein seit zehn Jahren geschiedenes Paar, das eine Affäre miteinander beginnt.
Wer schon eine solche Trennung hinter sich hat, ob vorher verheiratet oder nicht, der kennt das: Die Gefühle sind meist in heller Aufregung, und so sehr der Verstand auch zu einem völligen, raschen und endgültigen Schlussstrich drängen mag, so einfach löst man sich doch nicht voneinander, und oft genug kommt einem auch noch der Sex in die Quere.
Wenig ist verwirrender, wenig ist oft auch verständlicher als Sex mit dem Ex. Aber nach zehn Jahren? Jake und Jane passiert das, unversehens, als sie sich zur College-Abschlussfeier ihres jüngsten gemeinsamen Kindes wiedertreffen, zufällig im gleichen Hotel in New York, und Jakes neue Frau musste in Kalifornien bleiben … Ein Drink führt zum anderen, ein Tanz ins Bett, und schon ist Jane, die einst von Jake betrogen wurde, auf einmal „die andere Frau“, die Geliebte. Der Sex ist toll, aber die Verwirrung dennoch groß.
It’s Complicated heißt Nancy Meyers’ neuer Film Wenn Liebe so einfach wäre im Original – der Titel könnte sehr gut eine generische Bezeichnung fürs ganze Genre der romantischen Komödie sein, schließlich ist Liebe immer auf die eine oder andere Weise kompliziert. Aber der auf diese Art von Streifen abonnierten Regisseurin (Liebe braucht keine Ferien, The Holiday, 2006; Was Frauen wollen, What Women Want, 2000) gelingt es tatsächlich und vor allem dank der beiden Hauptdarsteller Meryl Streep und Alec Baldwin, hier ein kompliziertes und zugleich höchst amüsantes Tänzchen auf die Leinwand zu bringen.
Das ist nicht selbstverständlich, denn Meyers (die auch das Drehbuch verfasst hat) hat in ihrer Filmografie sonst vor allem hochgradig verzuckerte Dutzendware vorzuweisen. Und das Kalifornien, in dem sich ihr neuer Film abspielt, rutscht ganz in dieses Schema hinein: Hier gibt es nur schicke Häuser mit roten Dachziegeln, Palmen und großzügig angelegte Geschäfte; Geld ist kein Problem, sondern eine selbstverständliche Gegebenheit, die allenfalls vage angedeuteten Mühen der Vergangenheit zu verdanken ist.
Steve Martin hätte sich zu Zeiten von L.A. Story (1991) wohl über ein solches Bild von Kalifornien noch lustig gemacht. In diesem Film baut seine Figur Adam als Architekt fleißig daran mit; er verliebt sich in die bisher ungebundene Jane und macht die Dreiecksgeschichte damit komplett. Martin spielt den an seiner eigenen Scheidung noch leidenden Adam für seine Verhältnisse sehr zurückgenommen und scheu. Das mag gewollt sein, meist wirken seine Gesichtszüge aber so festgefroren und starr, als seien sie mit Botox lahmgelegt. Neben dem fulminanten Paar Streep/Baldwin verschwindet seine Figur in Bedeutungslosigkeit.
Natürlich spielen Liebe und Sexualität im Alter dabei eine große Rolle; Meyers hatte sich des Themas schon in ihrer vorherigen Komödie Was das Herz begehrt (Something’s Gotta Give, 2003) angenommen, und in Wenn Liebe so einfach wäre gelingt es ihr, daraus etwas sehr Leichtfüßiges zu destillieren. In der Tat sehen wir öfter nackte Füße, wenn die Unterwäsche fällt, und speziell die Füße Alec Baldwins wirken zunächst wenig leicht – das ändert sich aber, sobald der Mann (bekleidet) das Tanzbein schwingt.
Baldwins Jake redet sehr viel – er ist Anwalt und offenbar geübt darin, andere zu überzeugen –, und so redet er auch viel über seinen Körper und den von Jane. Beide sind nicht mehr jung, und beide sind nicht vollkommen, aber der Film zieht daraus tatsächlich einen feinen Sinn für Erotik und gibt seine Protagonisten nie der Lächerlichkeit preis.
Ganz im Gegenteil, Streep und Baldwin vermögen deutlich zu vermitteln, was die beiden, auch über die Sexualität hinaus, verbunden hat und verbinden könnte; genauso sichtbar wird aber auch, was sie trennen kann. Es ist diese zwiespältige Beziehung, die den ganzen Film zusammenhält, die seine komischsten Momente hervorbringt und ihn zu Meyers’ bisher bester Arbeit macht. Die emotional treffendste Szene gelingen ihr, als Jane auf einmal in einem leeren Haus steht, nachdem ihre Kinder sich verabschiedet haben, und sie allein in ihrer großen Küche zurückbleibt.
Die Konzentration auf Jake und Jane bedeutet aber auch, das alle anderen Figuren wenn nicht Staffage, so doch rein funktionales Schmuckwerk sind. Die drei erwachsenen Kinder des Paares dürfen zunächst ahnungslos, dann allenfalls verwirrt und erschüttert zusehen, was ihre Eltern so treiben, allein der Schwiegersohn in spe (John Krasinski) bekommt ein paar hübsche Augenblicke. Janes Kreis von Freundinnen, Beraterinnen in allen Lebenslagen, wird zuerst recht ausgiebig eingeführt und verschwindet im zweiten Teil des Films ohne weiteren Kommentar völlig von der Bildfläche.
In den letzten Minuten bekommt dafür Jakes neue, junge Ehefrau Agness (Lake Bell), die über weite Strecken des Films als herrschsüchtige und eifersüchtige Zicke rüberkommt, noch einen ehrlichen Moment geschenkt, ein kurzes Leiden im Blick, das immerhin andeutet, dass auch Jakes und Janes Affäre für die anderen Figuren nicht nur leichte Komödienkost war.
Filmkritik von Rochus Wolff
Veröffentlicht am 16.01.2010
Kommentare zu Wenn Liebe so einfach wäre
Watchman 28.01.2010 09:14
Ich war gestern mit meiner Frau in dem Film und muß sagen, dass ich mich eigentlich auf einen eher lahmen Film eingestellt habe.Wider Erwarten, habe ich mich jedoch köstlich amüsiert.
Die Dialoge zwischen Streep und Baldwin sind erfrischend witzig und
John Krasinski überraschte mit seinem komödiantischen Talent als Schwiegersohn in spe.
Mein Fazit: Deutlich besser als erwartet und definitiv nicht nur ein Frauen-Film
Flug 04.02.2010 09:39
Der Film ist wirklich einmalig. Die Schauspieler brillieren in jeder Hinsicht und eine Geschichte dieser Art gab es schon lange nicht mehr. Warum sollen nur junge Leute Affären haben? Hier wird das gezeigt, was meist nicht ausgesprochen wird...
Shirin 11.06.2010 14:26
Auch mir hat der Film sehr gut gefallen, der gerade auf Sky Select + läuft.
Pia 11.12.2010 15:39
Der Film ist wahrlich großartig und es Wert einen Platz im Regal zu bekommen. Habe ihn mir heute erst gekauft und gleich zweimal gesehn. Super Stück, was Lust auf mehr macht!
Danke schön:-)
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Blog: Berlinale im Dialog

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Film-Angaben
Titel: Wenn Liebe so einfach wäre
Originaltitel: It's Complicated
USA 2009
Altersfreigabe: ohne Altersbeschränkung
Regie: Nancy Meyers
Drehbuch: Nancy Meyers
Produktion: Nancy Meyers, Scott Rudin
Bildgestaltung: John Toll
Montage: Joe Hutshing, David Moritz
Musik: Heitor Pereira, Hans Zimmer
Darsteller: Meryl Streep, Alec Baldwin, Steve Martin, Lake Bell, John Krasinski, Caitlin Fitzgerald, Zoe Kazan, Hunter Parrish
Kinostart: 21.01.2010
DVD-Angaben
Titel: Wenn Liebe so einfach wäre
Vertrieb: Universal Pictures
Bild: 1,85:1, 16:9
Sprache(n): Deutsch (DD 5.1), Englisch (DD 5.1)
Untertitel: Deutsch, Englisch, Türkisch
Altersfreigabe: ab 12 Jahren
Spieldauer: 112 Minuten
Extras: Making of; Audiokommentare mit Produzentin/Autorin/Regisseurin Nancy Meyers, Produktionsleiterin Suzanne Farwell, Chef-Kameramann John Toll und Cutter Joe Hutsching
Verleih ab: 27.05.2010
Verkauf ab: 27.05.2010
Copyright Wenn Liebe so einfach wäre
Fotos : © Universal
BERLINALE 2012

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