Wassup Rockers

In seinem neuen Film porträtiert Larry Clark eine Gruppe Jugendlicher im Ghetto von South Central und begleitet sie auf ihrer abenteuerlichen Reise durch das reiche Beverly Hills.

Wassup Rockers

Über dreißig Jahre nach seinem ersten Fotoband „Tulsa“ hat sich Larry Clark immer noch das Interesse an seinem Lieblingssujet bewahrt. Nachdem er sich Mitte der neunziger Jahre von der Fotografie weitgehend abgewendet hat, um sich diversen Filmprojekten zu widmen, zieht sich das Motiv der Jugend und ihrer Abgründe auch weiterhin durch seine Arbeit. Das Prägnante an Clarks Fotografien und Filmen ist vor allem der Blick auf seine Protagonisten, der sich jeglicher moralischer Bewertung entzieht und die Sexualität Minderjähriger nicht, wie es so häufig im Kino der Fall ist, negiert. Durch den Wechsel des Mediums musste Clark einen Weg finden, sein fotografisches Können in eine dramaturgische Form einzubetten. Wie unterschiedlich das ausfallen kann, sieht man an der Spannbreite seiner Arbeiten, die sich vom dokumentarischen Ansatz von Kids (1995) bis zu relativ konventionellen Spielfilmhandlungen wie in Ein neuer Tag im Paradies (Another Day in Paradise, 1997) und Bully (2001) bewegt und sowohl jugendliche Laiendarsteller mit einbezieht, als auch professionelle Schauspieler wie Melanie Griffith oder Rosanna Arquette.

Wassup Rockers

Mit seinem neuen Film Wassup Rockers (2005) ist Larry Clark gewissermaßen zu seinen Wurzeln zurückgekehrt. Er erzählt darin von einer Gruppe dreizehn- bis siebzehnjähriger Immigrantenkinder, die in South Central, einem Ghetto in L.A, wohnen. Hier sind sie Außenseiter gegenüber einer schwarzen Minderheit, werden als Mexikaner beschimpft und entziehen sich mit ihren hautengen Hosen dem herrschenden Gangsta-Style. Als Jonathan, Kico und Spermball mit ihren Freunden nach Beverly Hills zum Skaten fahren, wird ihr Auto schon bei der Ankunft von der Polizei konfisziert, worauf sich die Jungs auf eine wilde Odyssee durch eine fremde Welt aus opulenten Prachtvillen und dekadenten Poolpartys begeben und vergeblich versuchen zurück nach South Central zu kommen.

Der Plot erinnert zunächst an Walter Hills legendären Gangfilm Die Warriors (The Warriors, 1979), was Clark mit dieser Vorlage macht, geht jedoch in eine ganz andere Richtung. Die verschiedenen Ereignisse in Wassup Rockers folgen keinem herkömmlichen Spannungsverlauf, sondern funktionieren eher wie isolierte Episoden, in denen die Kamera die Protagonisten ausführlich bei banalen Handlungen zeigt: Wie sie skaten, über Sex reden, mit ihrer Band proben oder einfach nur herumalbern. Statt sich der Handlung unterzuordnen stehen diese Szenen für sich. Damit bewegt sich Clark sehr viel näher an seinen Fotografien, als es bei seinen letzten Arbeiten der Fall war. Nach jahrzehntelanger Erfahrung ist Clark routiniert, wenn es um den Umgang mit Laien vor der Kamera geht. So kommt es auch vor, dass er sich mit seinem Kamerateam zurück zieht um die Jungen aus der Entfernung mit einem Zoom-Objektiv zu filmen, damit sie etwa in einer längeren Skateszene unbefangener agieren können.

Wassup Rockers

Von den Protagonisten früherer Larry Clark-Filme unterscheiden sich die Darsteller in Wassup Rockers neben ihrem Kleidungsstil und ihrer für Clark ungewohnten Liebenswürdigkeit vor allem durch ihre soziale und ethnische Herkunft. Auf Clarks ansonsten betont wertfreie Blickweise wirkt sich dieser Unterschied so weit aus, dass sogar sozialkritische Tendenzen erkennbar sind. Seine jungen Helden werden nicht nur mehrmals von der Polizei mit rassistischen Sprüchen gedemütigt, sondern auch von der gierigen Oberschicht auf ihre sexualisierten Körper reduziert. Auch wenn Szenen wie diese dank humorvoller Inszenierung nie zur moralischen Anprangerung dienen, lässt sich Clark teilweise hinreißen, die soziale Herkunft seiner Protagonisten zu romantisieren und die vermeintliche Authentizität des Ghettos über die Künstlichkeit eines degenerierten Wohlstands zu stellen. Die Fahrt nach Beverly Hills wird zur Reise in eine unwirkliche Scheinwelt, in der es nur so wimmelt von überkandidelten Modedesignern, alkoholisierten Filmdiven und republikanischen Waffennarren. Wie Ken Park (2002) ist auch Wassup Rockers von einer heterogenen Form geprägt, die vor allem in der Konfrontation möglichst realistisch gezeigter Jugendlicher mit bis zur Karikatur verzerrten Erwachsenen begründet liegt.

Wenn es der Film gegen Ende etwas mit schnell aufeinander folgenden Schlusspointen übertreibt, stimmt der Schluss dafür umso versöhnlicher. Zum schleppenden Rhythmus von Mogwais „Take Me Somewhere Nice“ nimmt sich Clark mehrere Minuten Zeit, um seine Helden bei ihrem Heimweg durch die Nacht zu zeigen. Mit Bildern der im Bus schlafenden und leere Straßen entlang skatenden Jungen findet Wassup Rockers von der überdrehten Persiflage zu seinem ursprünglichen Tempo und bringt seine Protagonisten wieder in die Realität zurück. Auch wenn South Central ein gefährliches Pflaster ist, hier gefällt es den Jungs auf jeden Fall besser als in Beverly Hills.

Kommentare


Kanker

Die deutsche syncro ist fürn hip hop film recht gut (nur ist das ja keiner!!!)






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