Was lebst Du?

Der Dokumentarfilm Was lebst Du? verfolgt über einen Zeitraum von eineinhalb Jahren die Entwicklung vier Kölner Jugendlicher ausländischer Abstammung und vermeidet dabei fest eingeschriebene Klischees.

Was lebst Du?

„Ich bin schwanger“ – mit dieser Selbstoffenbarung der Regisseurin Bettina Braun beginnt ihr erster abendfüllender Film Was lebst Du? Eineinhalb Jahre lang begleitete sie vier Kölner Jugendliche, Ali el Mkllaki, Kais Setti, Alban Kadiri und Ertan Dinc, die sich im Jugendzentrum „Klingelpütz“ treffen und dokumentierte ihr Alltagsleben. Von Anfang an schreibt die Filmemacherin ihre Perspektive in das Werk ein und betont dadurch die eigene Arbeit und den Herstellungsprozess. Im weiteren Verlauf des Films tauchen Bettina beziehungsweise ihr Sohn immer wieder als Aktivposten auf, parallel zu den Erlebnissen der jungen Männer stellt die Regisseurin so ihre eigene Entwicklung aus. Mit dem Kind wächst auch ihre Beziehung zu den Jugendlichen. Das Ergebnis ist ein Film, der mehr ist als nur Milieustudie, da er implizit ebenfalls das eigene Verhältnis zu seinem Objekt thematisiert.

Im Mittelpunkt stehen jedoch die diversen Probleme der Jugendlichen, Ärger mit der Polizei, am Ausbildungsplatz, in der Schule oder innerhalb der eigenen Familie. Ali, Kais, Alban und Ertan stehen zwischen den Welten, zwischen teilweise orthodox muslimischen Elternhäusern und säkularisierter Umwelt, aber auch zwischen Anspruch und Wirklichkeit. Alle vier träumen von Karrieren als Rapstar, Schauspieler oder Starfriseur, doch der Alltag sieht meist wenig rosig aus. Bis auf Ertan hat keiner einen Ausbildungsplatz, schon im Alter von 20 Jahren scheint das Leben für manchen vorbei zu sein, die Stimmung schwankt zwischen Trotz und Resignation. Doch einzelne Hoffnungsschimmer finden sich auch in Was lebst Du? Ertan besteht seine Gesellenprüfung und Ali übernimmt die Hauptrolle in einem Musical, übersteht wider eigenem Erwarten die Proben, die Premiere wird ein Erfolg und schließt den Film mit einer versöhnlichen Note ab. Viele Probleme werden jedoch bleiben, diesbezüglich macht sich keiner Illusionen.

Was lebst Du?

Bettina Braun portraitiert die vier muslimischen Jugendlichen vorurteilsfrei und zeichnet ein differenziertes Bild ihrer Charaktere. Damit wirkt sie eindrucksvoll den Stereotypen entgegen, die das Verhältnis der Deutschen Gesellschaft zu Zuwanderern und ihren Kindern viel zu oft prägen. Einerseits erreicht sie dies, indem sie aufzeigt, dass klischeetypische Verhaltensweisen wie Machosprüche und Forderungen nach Respekt von den Betroffenen selbst hinterfragt und ironisiert werden. Vor allem aber macht Was lebst Du? die Unterschiede zwischen den einzelnen Männern deutlich. Das einzige, was sie neben ihrer Religion eint, ist die schwierige soziale Situation, in der sie sch befinden, ansonsten haben der höfliche, träumerische Alban und der selbstbewusste, sprunghafte Kais kaum etwas miteinander gemein. Durch die Betonung des Individuellen bringt der Film die Jugendlichen, die sonst nur verallgemeinernd einer problematischen „Parallelgesellschaft“ zugeschrieben werden, auf Augenhöhe mit dem Publikum. Dazu trägt auch bei, dass die Regisseurin die Familien der Männer besucht und filmt, der Zuschauer gewinnt Einblick in eine Welt, die eben nicht nur von Kopftuch und Koran bestimmt wird.

Was lebst Du?

Der Film ist sich bewusst, nicht reines Abbild der Realität, sondern immer auch etwas Inszenierung zu sein, sowohl vor als auch hinter der Kamera. Ebenso wie Ali und die anderen stets wissen, dass sie gefilmt werden und ihr Verhalten zumindest teilweise daran anpassen, trifft die Regisseurin die Entscheidung, was sie filmen möchte und erst am Schneidetisch entsteht ihre endgültige Version der Geschichte. Um diesem Problem, welches allen Dokumentarfilmen eigen ist, zu begegnen, versucht die Filmemacherin, ein gleichberechtigtes Verhältnis zwischen der Regie, den Dargestellten und den Zuschauern zu etablieren. Oft sprechen die Jugendlichen Bettina Braun direkt an, meistens freundlich, doch manchmal auch gereizt, fast wütend. Auf Wunsch der jungen Männer schaltet sie die Kamera manchmal aus, wenn sie etwas erzählen wollen, das nicht an die Öffentlichkeit gelangen soll, nicht alles wird gezeigt und der Zuschauer weiß dies. Und gerade deshalb gelingt es dem Film, das soziale Netzwerk, in dem sich die Jugendlichen befinden, in beeindruckender Komplexität darzustellen. Einfache Lösungen gibt es im „Klingelpütz“ für niemanden; Was lebst Du? begeht nicht den Fehler, dies zu verheimlichen.

Kommentare


pierre

cooler film, hab ich eben im zdf gesehen :)


jensen

klasse doku, auch eben im zdf gesehen.man kann dem film nur wünschen, daß er noch oft und zu besseren zeiten wiederholt wird.


marc

habs auch geshen und muss sagen respect!


Ahmet Edis

Ein durchweg gelungener Film, der eindrucksvoll den bedrückenden Alltag diverser muslimischer Jugendlicher, der von sozialen Zwängen und Grenzen geprägt ist, widerspiegelt. Die Einblicke in das Familienleben ermöglichen zudem der naiv-urteilenden deutschen Bevölkerung eine durchaus adäquate Vorstellung über das Privatleben der in Deutschland lebenden Migranten.

Vielen Dank, Frau Braun

Ein weiterer Träumer....


Jösch

tja, da schaut man mal wieder abends ins kleine fernsehspiel rein und bleibt dann bis nachts dran hängen, und freut sich am nächsten tag, in diesem kleinen forum, dass einige andere dieses wunderbare werk mitgeschaut haben. mehr kann ich dazu nicht sagen, außer es ist ein wunderbarer film, der mich nicht losgelassen hat.


Adnan

Habe den film gestern abend gesehen, finde er ist gut gelungen. Hätte nicht gedacht das eine junge deutsche regieseurin sich für so ein thema interessiert. Vieleicht wissen jetzt einige "Leute" wie schwer man es als EINWANDERER hat.


meryem erkus

zu diesem film kann man einfach nur sagen, dass er mich absolut fasziniert hat. es ist sagenhaft, wie es der regisseurin gelingt, solch ein vertrauen von den jugendlichen ihrerseits zu erlangen,andererseits aber auch, wie es ihr gelingt, ein so großes vertrauen und verbundenheit zu ihnen aufzubauen.
Ich habe ihn gestern gesehen, und bin mittlerweile seit drei stunden dabei, meiner schwester den gesamten verlauf, die entwicklung und aussagen der hauptcharaktere nach zu erzählen, bzw. ihr kritiken und rezensionen aus dem internet vor zu lesen. die art und weise, wie die charaktere dargestellt werden, ist einfach herzzerreißend, vor allem, weil man als zuschauer weiss, dass sie eben nichts anderes darstellen, außer sich selbst. es ist wirklich unglaublich genial, wie bettina braun es gelungen ist, das klischeehafte denken, und die vorherrschenden vorurteile unserer gesellschaft gegenüber ausländischer jugendlichen zu bestätigen, diesen eindruck jedoch nur von der oberfläche her zu erzeugen. bereits nach ein paar minuten schließt man ali, kais und ihre freunde nämlich so sehr ins herz,dass man jede regung und wichtige veränderung, jede prüfung und jedes vorstellungsgespräch am eigenen leibe zu spüren bekommt. das licht, in das die jugendlichen geworfen werden ist geprägt von hoffnung, resignation und träumen, die teils erfüllt aber auch teils zerstört werden. dieser film ist ein absolut überzeugendes zeitdokument, von dem viele menschen noch einiges lernen können. hier werden geschichten festgehalten, die das wahre leben schreibt, und probleme aufgegriffen, denen viele jugndliche ausgesetzt werden, egal welcher religion oder naionalität sie oder ihre eltern angehören. diese milieudokumentation besitzt meiner meinung nach eine absolut glaubwürdige und nachvollziehbare haltung, und kann eigentlich nur jedem, der sich für themen wie sozialisation, identitätsfindung, imegration, adolesenz, religion, etc interessiert weiter empfohlen werden.


Ruhrpott4life

Ich hoffe das diese Doku endlich mal allen Leuten mit Vorurteilen gegenüber Ausländern eine neue Sichtweise gibt. Man sieht sehr gut wie und warum manche Verhaltensweisen bei Kindern von Immigranten immer wieder auftauchen. Ich bin selbst als einer der wenigen Deutschen im Viertel aufgewachsen. Ich war einer von 5 Deutschen unter 100 Jugendlichen. Die Situationen die man in der Doku sieht habe ich jahrelang miterlebt bzw mitgelebt.
Jedenfalls sehr guter Film. Deutschlands erster Viertel-Report (Ghetto-Report in Deutschland wäre zu übertrieben).
Guter Einblick für alle reichen Vorstadtleute was "struggeln" und "broke sein" wirklich bedeutet.
Respekt!

Keep ya head up!


Silvana

Ich kann sagen das dieser film mein leben verändert hat.Die ganze sache genau zu erklären würde zu lange dauern.Grossen lob an ale die an dem film beteiligt waren,ali,alban,kais usw.
liebe grüsse aus duisburg.Ciao Silvana


tuerkin

ali du siehst so geil aus!!!!!!!!


Kp`S

ey dieser film war enfach faszinierend ich be´wundere wie bettina es geschaft hat diese vier leute aus köln hansaring ihr vertrauen zu geben und die jungs ihr vertrauen ihr zu geben großes lob jungs der film war hammer


jenny

kann mir jemand sagen, wann ich den film wieder mal im fernsehn sehen kann?


Frederic

Falls Du den Sender ZDFdokukanal empfängst:

27.03.2006, ZDFdokukanal, 08:30
27.03.2006, ZDFdokukanal, 16:30
28.03.2006, ZDFdokukanal, 03:00
28.03.2006, ZDFdokukanal, 11:00
28.03.2006, ZDFdokukanal, 19:30
29.03.2006, ZDFdokukanal, 01:30
31.03.2006, ZDFdokukanal, 15:45
31.03.2006, ZDFdokukanal, 22:45


jenny

hm schade aber den empfange ich hier in österreich anscheinend nicht. schade
aber trotzdem danke!


paul

schade, ich hätte den film auch gern nochmal gesehen. empfange den sender aber leider nicht.
spielts den vielleicht noch ein anderes mal?


rana

gibts wiedrholungen(vom film) bzw wo kann ich ihn mir holen?????


jenny

das will ich auch schon die ganze zeit wissen


halim

ey, der film war krass


mc chicken

der Film war voll krass alter
mich hats echt vom stuhl gerissen muhahaha
haut rein jungs
ciao


natascha

ali ich winde du bist sau süss ich will dich kennen lernen ich wohne nähe frankfurt by


Hassan

Das Film ist sehr Langweilig


HASSAN

Das Film ist zum Fenster raus schmeissen


turkish-chiccc

natascha oder wie du heisst..wieso müsst ihr deutschen mädchen so notgeil sein??wenn ich ein junge wäre würde ich dich nit an meinen sch.. lassen ej


Denis

Der Film war zimlich sehrgut.
Ich habe den Film am 22.11.2006


Frederik Bauriedl

Ich war am 22.11.06 da. Es war schon gut,aber er war etwas zu kurtz.wer er etwas länger gewesen dan wer er richtik geil gewesen.


Vanessa und Sabrina

Wir waren am 22.11.06 in Bonn in der "Brotferbrik".Der Filn war toll und das wir danach mit Alban, Ali und der Regisseurin sprechen konnten. Die Jungs fanden wir sehr nett und es war schön sie ein bißchen kennengelernt zu haben. Wir hoffen, dass wir uns noch einmal sehen.
Alles Gute Vanessa und Sabrina.


Tasso

Ich fand den Film gut, besonders die Stelle, wo Ertan auf das Baby reagiert hat. Am Mittwoch habe ich Ali, Alban und Frau Berg kennengelernt. Sie waren nett und die Jungs haben uns zu einer HipHop-Jam eingeladen. Beim Verabschieden macht Ali nach dem Hände schütteln eine merkwürdige Bewegung mit der rechten Hand.


JazzyFizzle

ICH BIN STOLZ AUF EUCH !


Kubilay

ich habe den film erst neu gesehen und muss sagen er erinnert mich genau an mein leben hier in österreich ich bin türke und rappe auch für mein leben gern.
ich hänge auch nur mit außländern zusammen z.b. türken, albaner, araber, bosnier, afrikaner und iraner
wir alle sind rapper und verstehen uns sehr gut, weil jeder das selbe durchgemacht hat






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