Warum Männer nicht zuhören und Frauen schlecht einparken

Leander Haußmanns Verfilmung eines Bestsellers von Allan und Barbara Pease krankt daran, dass er sich nie über seine Vorlage und deren tumbe Geschlechterbilder erhebt. Er scheitert leider nicht einmal grandios.

Warum Männer nicht zuhören und Frauen schlecht einparken

Die romantische Komödie ist das vielleicht wichtigste Filmgenre für die Einweisung der Menschen in die Ordnung der Liebesdinge: Hier sind Männer, dort sind Frauen, und irgendwie wollen sie und müssen sie auch miteinander, aber das geht nie ganz problemlos. Schon diese Konstellation allein birgt genug Katastrophenpotential, um jedes Jahr Dutzende, gar Hunderte Drehbücher mit durchaus komischen Ideen zu füllen. Dass sich in den letzten Jahren auch der kinematographische Mainstream für Romantik geöffnet hat, die etwas abseits der heterosexuellen Norm liegt, ist ein schöner Zug, ändert aber natürlich nichts an Dynamik und Handlungslogik.

Leander Haußmanns neuer Film ist aber ganz konventionell heterosexuell: Boy meets Girl, Jan (Benno Fürmann) trifft Katrin (Jessica Schwarz), als diese ihm gerade das schicke Auto mit ihrem weniger schicken zerschrammt. Er ist Rechtsanwalt und sieht gerne Fußball, sie hat etwas Geisteswissenschaftliches studiert und arbeitet in einem Verlag. So stereotyp wie ihre Namen und ihre Biographien klingen, sollen sie wohl auch sein. Denn Haußmanns Warum Männer nicht zuhören und Frauen schlecht einparken kommt als Lehrfilm daher, in dem Haußmann selbst den Erzähler, pardon, Erklärer gibt, darüber, wie das so ist mit Männern und Frauen im allgemeinen, vor allem auch: Warum. Katrin und Jan geben da nur die Studienobjekte ab. Das ist natürlich eine etwas bemüht selbstironische Bezugnahme auf pseudodokumentarische Erotikfilme der siebziger Jahre à la Schulmädchen-Report (1970), hat aber noch einen anderen Hintergrund.

Warum Männer nicht zuhören und Frauen schlecht einparken

Warum Männer nicht zuhören und Frauen schlecht einparken ist nämlich, für eine romantische Komödie reichlich ungewöhnlich, die Verfilmung eines Sachbuchs, oder was landläufig dafür gehalten wird. In ihrem gleichnamigen Buch (und seinen zahlreichen Spin-Offs mit ähnlich klingenden Titeln) erklärt das Ehepaar Allan und Barbara Pease, wie und warum sich Männer und Frauen völlig voneinander unterscheiden. Männer und Frauen, sagen die Peases, haben unterschiedliche Gehirne, weil die Evolution dies so erforderte. Deshalb, um das etwas verkürzt zusammenzufassen, sind Männer Jäger und Frauen Sammlerinnen, und deswegen gucken Männer Fußball und schweigen (um das Wild nicht zu verjagen), während Frauen Handtaschen brauchen und über alles reden (wie damals am Lagerfeuer vor der Höhle).

Der Wahrheitsgehalt solcher Thesen, die ja im Wesentlichen nur sowieso schon kursierende und vermutlich falsche Vorurteile wiederkäuen und mit einem angeblich wissenschaftlichen Mantel versehen, ist mindestens umstritten. Dabei hätte der Film auch unabhängig davon schon Mängel genug. Zwar gibt es auf der technischen Seite ein paar einfallsreiche Kamerafahrten, und auch das Drehbuch kommt nicht ganz ohne originelle Einfälle daher: Die Konfrontation eines Mannes mit seinen plötzlich leibhaftigen Sexphantasien und seiner Lebenspartnerin im Badezimmer entwickelt – wenn auch nur als kathartisch wirksame Schreckphantasie – eine durchaus komische Dynamik. Warum das allerdings die Beteiligten so mitnimmt, ist weniger klar, denn zwischen Jan und Katrin besteht für den Zuschauer nichts, was nach Erotik, biologischen Trieben oder wenigstens ein bisschen Chemie aussehen könnte. Auch Jans pubertär-übertriebene Eifersuchtsattacken gegen den von Katrin im Verlag betreuten Autor Jonathan Armbruster (Uwe Ochsenknecht) bleiben so völlig ohne Motivation – Ochsenknecht versieht diesen „Abenteurer“ mit seltsamem Akzent und blasiertem Habitus, womit er allerdings allenfalls das komödiantische Potenzial flacher Witzfiguren aus dem Fernsehen der achtziger Jahre erreicht. Dass die noch als einigermaßen intelligent dargestellte Katrin angesichts dieser um sie hahnenkämpfenden Männer nicht schreiend die Flucht ergreift, ist ebenso völlig unverständlich wie die fahrlässige Verschwendung der Zeit durchaus fähiger Schauspieler mit den Dreharbeiten zu diesem Film.

Warum Männer nicht zuhören und Frauen schlecht einparken

Dass das Buch von Rochus Hahn und Alexander Stever zu keinem Zeitpunkt den Mut aufbringt, sich von seiner seltsamen Vorlage skeptisch und ironisch abzusetzen, versetzt dem ohnehin schon siechen Konzept des Films schließlich den Todesstoß. Durch die straffe Orientierung der Charaktere an dem von den Peases zusammengefaselten Geschlechtermodell wird das Verhalten der Figuren vorhersehbar und langweilig.

Menschen sind eben doch etwas komplexer, sie sind Charaktere, die sich nicht auf Fernsehen, Sex und Fußball reduzieren lassen – und genau daher beziehen ja gerade romantische Komödien ihren Charme, ihre Energie und ihre Freiheit – erst kürzlich hat Julie Delpy mit 2 Tage Paris (Deux jours à Paris, 2007) vorgemacht, welche witzigen romantischen Konstellationen und Erzählungen über die Liebe sich aus starken Figuren entwickeln lassen.

Haußmann ist allerdings an seinen Figuren nicht interessiert, fast ist man versucht zu sagen: nicht an Menschen. Der Effekt ist, dass man noch nirgends deutlicher gesehen hat, wie wenig die biologistisch vereinfachenden Vorstellungen von Allan und Barbara Pease mit der Realität, mit uns komplizierten und widersprüchlichen Menschenwesen zu tun haben. Das ist fast schon ein Erfolg; ob man sich dafür allerdings wirklich diesen Film antun muss, darf bezweifelt werden. 

Kommentare


le M.

»Haußmann ist allerdings an seinen Figuren nicht interessiert, fast ist man versucht zu sagen: nicht an Menschen.«

War er das je? Schon »Sonnenallee« bietet ja statt Charakteren nur Typen an.


Angelika Logemann

Ich habe noch nie einen schlechteren Film gesehen!! Habe mich geärgert, dass ich nicht gleich das Kino verlassen habe! Die Frau wurden doch nur auf ihre Lippen, Busen u. sonstiges reduziert, dass darüber noch Leute lachen konnten hat mich sehr gewundert! Es gibt wohl doch noch genug Frauen die so sind! Traurig!


lisa

Ich fand den Film unterhaltend, gut, es war wohl eher Unterhaltung auf unterem Niveau, dennoch ich habe desöfteren herzhaft lachen müssen, vllt gerade weil es eben nur Klischeetypen gab und keine echten Charaktere, und möglicherweise war es auch die Intention des Regisseurs?! Das wissen wir doch gar nicht!


Nicole Kestler

Hallo,
also ich habe ja schon manchen Scheiß im Kino gesehen, aber dieser Film setzt dem ganzen wirklich die Krone auf.
Ich fand die Geschichte hätte einfach anders erzählt werden müssen. Ich habe eine wirklich lustige Komödie erwartet. Bekommen habe ich einen Film mit hölzern wirkenden Darstellern, einen wirklich total störenden Uwe Ochsenknecht und total schlechten Dialogen.
Ich habe nicht einmal richtig herzlich gelacht.....
Der Humor ist natürlich bei jedem anders


heike

so´n schlechten Film hab ich schon lang nicht mehr gesehn! der war die 6 Euro nicht wert! Bin mega-entäuscht, ich komm so selten ins Kino und dann so ein Reinfall! :(


Thomi

Ich kann mich den Vorkritikern nur anschließen, dass dies der schlechteste Film ist, den ich in den letzten 30 Jahren ansehen musste.
Das an sich ganz nette unwissenschaftlich wissenschaftliche Buch wird erheblichen Schaden durch den Film nehmen. Der Film reduziert dessen Aussagen auf rein sexuelle Inhalte und unterschätzt die Aufnahmefähigkeit der Zuseher gewaltig - Schade - verschwendete Zeit...


heinz-bernhard

komisch komisch, daß zu 90% frauen an diesem film so extrem rumnörgeln. somit scheint er (der film) doch das thema nicht verfehlt zu haben. es nwar ein dufter film eben vielleicht nur für maenner!?!? -Man muß ja nicht alles teilen - und irgendwo sind unterschiede auch ganz schön :-)






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