Warten auf Angelina
In Hans-Christoph Blumenbergs neuem Film wird das Warten auf Brangelina in der deutschen Hauptstadt zu einer anstrengenden Farce.
„Zonen Maik“ Tremper (Florian Lukas) ist ein Paparazzo oder, wie er es lieber hört, ein Knipser, der sich der Aufgabe gewidmet hat, auf Bildern das Leben der Stars einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Durch Zufall hat er erfahren, wo Brad Pitt und Angelina Jolie mit ihrer neuen Kinderschar einen Zwischenstopp in Berlin machen werden. Über Kontakte hat er nun noch den Schlüssel zu einer Wohnung bekommen, die den Zielobjekten nahezu gegenüber liegt; die perfekte Basis, um Bilder zu schießen, die eine Menge wert sind. Leider findet er aber in der Wohnung den Friesen Momme (Kostja Ullmann) vor, der ebenfalls auf der Jagd nach Angelina ist. Auch er will exklusive Fotos schießen, die er auf seiner Homepage, dem Pellwormer Fanclub der Schauspielerin, veröffentlichen will, um seine Exfreundin zu beeindrucken. So harren beide illegal in der Dachwohnung des Promizahnarztes Dr. Alfred „Freddy“ Kattelbach aus, um an das Objekt ihrer Begierde zu kommen. Dass die beiden dabei ein seltsames Paar abgeben, welches auf kleinstem Raum miteinander auskommen muss, versteht sich ebenso wie die Tatsache, dass die Wohnung zur Anlaufstelle zahlreicher Frauenbekanntschaften Kattelbachs wird.
Warten auf Angelina folgt einer einfachen zeitlichen Struktur: Sechs Tage, die alle mit Zitaten aus der Geschichte und der populäreren Kultur beginnen und mal auf die Stadt, mal auf die Protagonisten des Films bezogen sind, harren die beiden in der Wohnung aus. Jeden Tag kommt eine andere Frau aus Kattelbachs Leben in die Wohnung, sowohl seine Mutter, als auch eine Geliebte, das Blumenmädchen respektive deren Vertretung, die Pizzabotin, eine Exfreundin von Maik, oder die GEZ-Beauftragte, die sich auch schon mal selbst Zugang zur Wohnung verschafft. Dass scheinbar alle diese Frauen einen Schlüssel zu Kattelbachs Wohnung haben, der derweil auf einer Yachtreise im Indischen Ozean ist, scheint die beiden Eindringlinge, die aus verschiedenen Quellen Zugang zu der Wohnung erhalten haben, nur anfänglich zu verwundern. Und auch der Zuschauer fragt sich spätestens nach der Hälfte des Films nicht mehr, wie die Frauen in die Wohnung gelangen; es wird einfach nur noch als gegeben hingenommen. Dieser Hang zum Absurden bleibt dabei auch die größte Verbindung zu dem Drama, das schon im Titel des Films evoziert wird: Warten auf Godot von Samuel Beckett. Anders als bei Beckett, wird das Warten im Falle der beiden Männer belohnt, wenn es sich allerdings auch nicht bezahlt macht.
Dass die Entwicklung zwischen Maik und Momme in diesem „Dach“-Kammerspiel als Tour de force, getreu dem Motto homo homini lupus, startet, ist nicht weiter verwunderlich und durch die Filmgeschichte hinweg ein gern genutztes Motiv. Dass der Film dann aber als eine Tour de farce endet, umso mehr: Nicht nur, dass das Auftreten der Frauen und deren Absichten immer abstruser werden, auch die Dialoge der beiden sind mit der Zeit kaum noch zu ertragen. Lukas spielt dabei den Knipser, der die Welt bereist hat (Tremper wird hier zum sprechenden Nachnamen) und mit den Großen auf Du ist. Mit dieser kosmopolitischen Art versucht er Momme zu beeindrucken, immer bemüht keine Geheimnisse auszuplaudern: Stars werden bei ihm nur mit Vornamen genannt; das schafft Verbundenheit, wenn auch nur in eine Richtung, und Diskretion. Dass diese Art des Aufplusterns nur noch leeres Wortspiel und damit enervierend, aber nicht lustig ist, scheint nur der Zuschauer zu bemerken; Momme hingegen lässt sich zu Beginn noch beeindrucken; nimmt solche Einschübe in die Gespräche aber später auch als selbstverständlich hin. Anscheinend haben sich also nicht nur der Zuschauer, sondern auch die Filmfiguren in ihr Schicksal gefügt.
Nach Ullmanns wunderbarer Leistung in Sommersturm (2004) fragt der Zuschauer sich, warum er in Warten auf Angelina auf ein solches schauspielerisches Nullspiel gefallen ist. Sowohl er, als auch Lukas werden zu Schablonen, die Figuren ausfüllen, die kaum mehr sind als billige Klischees. Der Versuch zu zeigen, dass „Inselei“ und „Zonenweichei“ doch nur Benennungen von Außen sind, hinter denen ein anderer Mensch steckt, der überraschen kann, scheitert. Ebenso funktionieren die Gastauftritte der wunderbaren Gudrun Landgrebe und Jana Pallaske, die man lieber wieder in größeren Rollen wie Alaska.de (2000) oder Engel und Joe (2001) sehen würde, in diesem Film zwar als eine Form der Anknüpfung an deutsche Filmgeschichte, ihre Talente sind dabei jedoch vollkommen verheizt, auch wenn Pallaske als Angelina-Double mehr als eine gute Figur abgibt.
Der Film lässt den Zuschauer ein wenig ratlos zurück. Als Mediensatire funktioniert er nicht. Das haben im Großen Wag the dog - Wenn der Schwanz mit dem Hund wedelt (1997) und im deutschsprachigen Raum zuletzt Free Rainer - Dein Fernseher lügt (2007) besser gemacht. Im Besonderen auf das Phänomen des Paparazzo Bezug zu nehmen, dafür haben Fellini mit Das süße Leben (La dolce Vita, 1960) und Louis Malle mit Privatleben (La vie privée, 1961), die im Film auch beide zitiert werden, vor langer Zeit Maßstäbe gesetzt, mit denen Warten auf Angelina besser nicht gemessen werden sollte. Ähnlich verwirrend klingt dann auch die Aufforderung zum Ende des Films: „Bitte bleiben sie noch. Kattelbach kommt!“. Der Gimmick, am Ende eines Films nach dem Abspann noch ein kleines Bonbon nachzuschieben gehört fast schon zum guten Ton des heutigen Kinos. Die Frage bleibt nur, warum man dazu auffordern soll? Es sei denn man hat Angst, dass die Leute schon vorher das Kino verlassen haben. Anknüpfen an frühere Erfolge kann Blumenberg damit wahrlich nicht.
Filmkritik von Tobias Haupts
Veröffentlicht am 30.12.2008
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Film-Angaben
Titel: Warten auf Angelina
Deutschland 2008
Laufzeit: 89 Minuten
Altersfreigabe: ohne Altersbeschränkung
Regie: Hans-Christoph Blumenberg
Drehbuch: Hans-Christoph Blumenberg
Produktion: Hans-Christoph Blumenberg
Bildgestaltung: Klaus Peter Weber
Montage: Florentine Bruck
Musik: Jorgos Psirakis
Darsteller: Florian Lukas, Kostja Ullmann, Barbara Auer, Anna Brüggemann, Gudrun Landgrebe, Leslie Malton, Jana Pallaske, Jördis Triebel, Lena Carstensen, Boris Ekambi, Dietrich Brüggemann, Heikko Deutschmann
Kinostart: 08.01.2009
DVD-Angaben
Titel: Warten auf Angelina
Vertrieb: Anime Virtual
Bild: 1,77:1, 16:9
Sprache(n): Deutsch (DD 5.1)
Altersfreigabe: ohne Altersbeschränkung
Spieldauer: 89 Minuten
Extras: Director´s Diary; Interviews; Deleted Scenes; Kinotrailer
Verleih ab: 11.11.2009
Verkauf ab: 27.11.2009
Copyright Warten auf Angelina
Fotos: © farbfilm
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