Planet der Affen: Survival

Die Zukunft des Planeten gehört den Affen. Mit dem Erbgut von altem, neuem und modernem Hollywood und etwas Verhaltensbiologie wird der dritte Teil des Reboots zum bewegenden Primaten-Melodrama.

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Primaten sind die Zukunft des Planeten. Kaum zwölf Jahre nach den Ereignissen der Vorgängerfilme haben sich die Affen in die Wälder zurückgezogen. Planet der Affen: Survival (War for The Planet of The Apes), der dritte Teil der Reihe, beginnt mit dem Krieg, der sich über zwei Filme langsam und unaufhaltsam zwischen die Spezies trieb. Bereits in der ersten Einstellung klingt dabei dasselbe an wie im deutschen Titel: Es geht für beide Seiten ums Überleben. Der Krieg macht dabei keinen Unterschied zwischen Affe und Mensch, was ebenfalls in der Eröffnung des Films klar wird, als ein Gorilla inmitten der menschlichen Ranger das Versteck von Caesar (Andy Serkis) und den restlichen Affen erspäht.

Ich bin das Alpha und das Omega

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Noch mehr als in den Vorgängerfilmen beschwört der Kampf um den Planeten eine biblische Dimension herauf. Mit entsprechendem Pathos tritt Colonel McCullough (Woody Harrelson) auf, der als abtrünniger Kurtz-Verschnitt einen heiligen Krieg gegen die Affen und das die Menschheit auslöschende Virus führt. Von der Plattform, vor der sich die Soldaten versammeln, spricht er ihnen den Segen aus, indem er mit der Klinge, an der noch sein Rasierschaum hängt, ein Kreuz zeichnet: McCullough ist der Erlöser. Sein Wappen, das Alpha und das Omega, wird den Soldaten und den „Donkeys“ genannten Affen, die sich auf seine Seite geschlagen haben, als Abwandlung des Christusmonogramms eingebrannt. Dabei scheint für die verbleibenden Menschen nur das Omega zu zählen. Ihr heiliger Krieg richtet sich gegen alle Träger des tödlichen Virus – ob Affe oder Mensch. Dabei ist die Agenda des Colonels nicht religiösen Ursprungs, sondern findet ihr Fundament im Sozialdarwinismus. Wer sich mit dem Virus infiziert, muss sterben. Wenn die Menschheit überleben kann, dann nur, indem alle schwachen Elemente in ihr, zusammen mit den Affen, ausgelöscht werden. Der Colonel plant, in einem offensichtlichen Gegenwartsbezug, einen Schutzwall, den Caesars Leute als Sklavenarbeiter errichten sollen.

Brandmal um Brandmal

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So ist das, was für die Menschen die Apokalypse bedeutet – ein „Ape-pocalpyse Now“-Graffiti im Film unterstreicht die Anspielung in doppelter Fettschreibung –, für die Affen der Exodus. Sie suchen nicht den Krieg mit den Menschen, sondern eine Heimat. Caesar wird für sein Volk verhandeln, der Colonel wird es mit Zwangsarbeit bestrafen, Affen kreuzigen und im Gegenzug von der Plage des Virus heimgesucht werden. Matt Reeves übersetzt das biblische Pathos der Erzählung ohne ironische Brüche in dreidimensionale, CGI-gefütterte und stets von schweren Symbolen dominierte Bildgewalt. Viele der narrativen Konstruktionen sind dabei nicht nur im biblischen Sinne archaisch, sondern auch mit Blick auf die Hollywood-Tradition der dramatischen Zuspitzung. So arbeitet der Film sich durch einen Katalog von Klassikern: Die Brücke am Kwai (The Bridge on the River Kwai, 1957), Wege zum Ruhm (Paths of Glory, 1957) und Gesprengte Ketten (The Great Escape, 1963) werden als visuelle und erzählerische Referenzpunkte ebenso angesteuert wie klassische Stand-off- und Rachemomente.

Schwere Sprache und schwere Zunge

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Dabei liegt auch im dritten Teil des Reboots die archaische Kraft eben nicht in der biblischen Auseinandersetzung zwischen Mensch und Affe, sondern ganz bei den Letzteren. Die zentrale Sequenz zeigt weder ein Schlachtfeld noch ein metaphorisch aufgeladenes Panorama, sondern folgt Caesar bei einem langen Gang durch das Versteck. Die Primaten, die ihn sehen, verbeugen sich, zeigen in dieser überdeutlichen Geste ihre Demut, aber auch ihre Liebe für Caesar. Die Direktheit der Kommunikation, ihr naiver Gestus scheint alles zu überstrahlen. Wenn sich Caesar und seine Familie umarmen, sich andere Affen in Trauer von ihm abwenden, erscheint die Kommunikation seiner Spezies durch das CGI nicht verfremdet, sondern gefiltert. Die morphologisch verschobene Perspektive gibt vertrauten Affektbildern neue Strahlkraft. Was mit menschlichen Protagonisten gerne in Hollywood-Kitsch abrutscht, wird mit Zugabe einfacher Verhaltensbiologie – von der der Cast rund um Andi Serkis im schönsten Sinne regelrecht infiziert zu sein scheint – zum bewegenden Primaten-Melodrama.

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Damit nimmt der Film einen fast einzigartigen Platz in der jungen Hollywood-Geschichte ein. Planet der Affen: Survival umkreist das Uncanny Valley so effektiv, mit der technischen Perfektion des Motion Capturing, wie es seit den Schlüsselfilmen Disneys nicht mehr zu sehen war, und stellt Hollywood-Kanon und Bibelpathos als ebenbürtige Referenzpunkte aus. Mit der Neuauflage mag die Planet-der-Affen-Reihe die satirische Dimension ihrer Vorfahren eingebüßt haben. Doch selten war es möglich, so unmittelbar Zeuge einer Verschmelzung des Erbguts der modernen und der klassischen Blockbuster zu werden. Das allein macht Survival nicht zu einem guten Film, dafür sorgen die Affen, aber vielleicht sagt es etwas über Hollywood und seine Zukunft.

Trailer zu „Planet der Affen: Survival“


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