Walk on Water

In dem polarisierenden Film über Verdrängung und Sühne überzeugt ein deutsch-israelisches Schauspielertrio.

Walk on Water

Der israelisch-palästinensische Konflikt scheint derzeit im Kino omnipräsent, neben dem aktuell gespielten Dokumentarfilm Mauer (Mur) löste vor allem Paradise Now auf der Berlinale Kontroversen aus. Schon ein Jahr zuvor lief Lalecet Al Hamaim im Forum des Filmfestivals. Lange musste die Produktion nach einem Verleih suchen und findet nun nach etlichen verschobenen Startterminen endlich den Weg in deutsche Kinosäle.

Im Gegensatz zu Paradise Now und Mauer rückt Eytan Foxes Film mit dem internationalen Verleihtitel Walk on Water den Konflikt jedoch in eine ungewohnte Perspektive: das politische Jetzt trifft auf den historischen Ursprung. Der Mossad-Agent Elyal (Lior Ashkenazy) soll einen Nazi aufspüren und töten. Dieses Aufeinandertreffen alleine gäbe noch ein konventionelles Sujet ab, hätten Fox und Autor Gal Uchovsky nicht ein faszinierendes Figurennetz gestrickt. Das Geschwisterpaar Axel (Knut Berger) und Pia (Cornelia Peters) ist für Elyal nur Mittel zum Zweck: über sie möchte er an deren Großvater, den Altnazi herankommen, welchen die Enkelkinder für bereits verstorben halten. Tatsächlich besetzt der Täter von damals heute das Feld der Passivität. Über weite Strecken des Filmes wird er nur indirekt zum Thema und wenn er im Bild ist, dann ohne jede Aktion. Die ist Elyal überlassen, der im völligen Kontrast zu seinem Opponenten eine enorme Energie versprüht und dessen Ausbildung auch den eigenen Körper zur Waffe hat werden lassen.

Walk on Water

Doch dieser professionelle Jäger möchte an einem solch ungleichen Gegner eigentlich gar keine Rache ausüben. Der lästige Routineauftrag erlangt erst in der Auseinandersetzung mit dem Geschwisterpaar eine existentielle Dimension. Er findet sich in einem Gefühlsdreieck wieder, das ihn mit Fragen konfrontiert, die er bislang für sich ausklammerte. Der penetranten Offenheit Axels kann er sich nicht entziehen, sein Konstrukt der Unnahbarkeit und Distanz gerät ins Wanken.

Die beinahe schon wieder gespielte Natürlichkeit, Lebendigkeit und Liberalität Axels im Kontrast zu der selbst auferlegten Askese Elyals wird durch die Darstellungsform der überragenden Akteure transformiert: Während Knut Berger dem in Deutschland neuerdings so gepflegten Naturalismus tatsächlich noch unverbrauchte Nuancen abgewinnen kann, gelingt Lior Ashkenazy der Spagat zwischen ausgereifter Routine und Leinwand sengender Körperpräsenz.

Für alle Beteiligten werden die Mechanismen der Verdrängung mehr und mehr offen gelegt und scheinbar zementierte Prinzipien müssen überprüft werden. Dabei gelingt es Regisseur Eytan Fox die wachsende Unruhe und Unsicherheit auch auf das Publikum zu übertragen. Walk on Water vergewissert seinen Betrachter weder eines angenehmen oder nicht zu verändernden Status Quo, noch lässt er eine Abkehr politischer Fragen ins Reich des Historischen zu. Das macht den Film neben seiner Unvorhersehbarkeit angenehm unbequem.

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