Wäre die Welt Mein. Ein Traum wird wahr.

Pyramus und Timothy: Shakespeares Zauberformel öffnet einen Spalt in der Mauer aus Intoleranz und gibt der gleichgeschlechtlichen Liebe eine eindringliche Stimme.

Wäre die Welt mein

„If you could make someone love you, would you?“ Derjenige, der diese Frage stellt, sieht nicht gerade danach aus, als müsse er Zuneigung erzwingen. Timothy (Tanner Cohen), der Hauptdarsteller des Films, ist dennoch unglücklich in den vermeintlich heterosexuellen Rugby-Star Jonathan (Nathaniel David Becker) seiner Highschool verliebt. Das Wissen der Klassenkameraden um Timothys Homosexualität macht den introvertierten und verträumten Jungen zum Außenseiter.

Einem John Keating aus Der Club der toten Dichter (Dead Poets Society, 1989) gleich, ermutigt ihn seine energische Englischlehrerin Ms. Tebbit (Wendy Robie) zum selbstbestimmten Handeln. Sie überzeugt ihn davon, bei einer Schulaufführung des Sommernachtstraums mitzuwirken. Durch das Theaterspielen findet Timothy zu sich selbst. Als Puck verwandelt er dann das Leben in eine Bühne und sorgt mit seinen Zaubertropfen dafür, dass auch in der biedersten Kleinstadt Liebe keine Normen kennt und nicht zwangsläufig gegengeschlechtlich sein muss.

Wäre die Welt mein

Regisseur Thomas Gustafson gibt mit dem Teen-Musical sein Spielfilmdebüt und greift das Thema seines Kurzfilms Fairies (2003) auf. Wäre die Welt mein (Were the World Mine) ist nicht die Adaption eines Theaterstücks von Shakespeare. Die Theateraufführung ist als Inszenierung in der Inszenierung markiert und wie die Musical-Einlagen in die filmische Narration eingebettet.

Die Verflechtung einer romantischen Komödie des Elisabethanischen Zeitalters mit der Neuzeit bietet per se wenig an Konfliktpotential und befindet sich auch dann fernab eines modernen Zeitgeistes, wenn das Fantastische, Traumartige den Raum der Bühne verlässt und in den Alltag einzieht. Wie für ein Musical typisch, dominiert das Dekorative den Gestus des Films: märchenhaft sind die Kulissen, schmuckvoll die Kostüme und athletisch die jungen maskulinen Körper der Tänzer.

Wäre die Welt mein

Trotz seines Genre-Rahmens bleibt Wäre die Welt mein allerdings sehr brav und unspektakulär. Die Parallelgeschichte der Mutter von Timothy versöhnt zwar die Generationen miteinander, nimmt aber recht viel Raum ein und raubt dadurch der eigentlichen Story an Aussagekraft. Die harmonische Übereinstimmung der musikalischen Einlagen, die großteils von dem Stimmvolumen Tanner Cohens, dem Frontmann der Indie-Band „The Guts“ getragen werden, übertönen jedoch so einige Schwachstellen innerhalb des Handlungsgefüges. Positiv hervorzuheben ist, dass Gustafson die queere Linie seines Films stringent durchzieht, so dass es auch dann kein böses Erwachen gibt, nachdem der Zauber verflogen ist.

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Kommentare


Sera

Die Mischung ist gelungen und das Ergebnis ziemlich originell. Amüsant, rührend, märchenhaft, poetisch und sprichwörtlich Traum-haft!
Den besonderen Reiz machte für mich persönlich übrigens die Einbringung von Fantasy-Elementen in einen „Schwulenfilm“. Die Musical-Einlagen runden das Ganze noch ab.
Da der Film ab 12 Jahren freigegeben ist, kann man hier natürlich keine heissen Szenen erwarten. Das Ganze bleibt daher recht brav ( bei Küssen und nackten Oberkörpern ).

Die Lieder sind übrigens super.
Etwas schade finde ich es allerdings, daß der Film nur untertitelt ist.

FAZIT:
Ein originelles High School Musical mit homosexuellen und phantastischen Elementen.
Für Jugendliche und Erwachsene, denen solche Filme wie The Birdcage und In & Out gefallen.






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