Wächter des Tages
Timur Bekmambetows Fortsetzung von Wächter der Nacht (Notschnoi dosor, 2004) bietet eine komplexe und kompliziert erzählte Geschichte ohne allzu viele Hintergrundinformationen. Ästhetisch setzt sich der Film kaum von seinem Vorgänger ab.

Ein Hinweis, vielleicht eine Warnung, vorweg: Wächter des Tages (Dnevnoi dosor) ist nicht zugänglicher als sein Vorgängerfilm Wächter der Nacht (Notschnoi dosor, 2004). Sergei Lukjanenkos Wächter-Romane sind schon nicht besonders einfache Erzählungen, und Regisseur Timur Bekmambetow schlingt darum sein ganz eigenes Universum – Wächter des Tages hat mit dem gleichnamigen Buch fast nur noch den Titel und die wichtigsten Figuren gemein.
Im Film ist Anton (Konstantin Chabenski) immer noch bei der Moskauer Nachtwache tätig und wird bei einem seiner nach einer langen Pause ersten Außendienste schwer verletzt. Da er bei dem Einsatz einen Vampir getötet hat und alsbald eine andere dunkle Zauberin stirbt, wird er von der Tagwache angeklagt und muss sich verstecken. Währenddessen werden im Hintergrund Intrigen gesponnen, die nur scheinbar ihm gelten, letztlich aber das Kommen der Apokalypse vorbereiten sollen …

Wem das schon ein groß und breit gestreckter Handlungsrahmen scheint, hat noch nichts von den „Großen“ gehört und vom Zwielicht, in das die Lichten und die Dunklen eintauchen können. Und das ist noch, was sich leicht an Wissen über die seltsame Welt erschließt, die der Film ausbreitet.
Wie schon in Wächter der Nacht gelingt es Bekmambetow auch hier, eine große Erzählung von Gut und Böse, Vampiren und Magiern, scheinbar nahtlos ins heutige Moskau zu versetzen. Und es ist – eine der großen Stärken des Films – zu sehen, wie die Moderne und ihre Technik hier integriert werden, ohne dass sich jemand die Mühe machte, das zu erklären.
Atemlosigkeit verursacht das Tempo, mit dem der Film geschnitten ist und in dem die Handlung voraneilt, von Wendung zu Wendung. Seine ruhigen Momente zieht Wächter des Tages dann aus den Selbstzweifeln Antons, fast der einzigen Figur, die etwas wie Entwicklung und Lebendigkeit zeigt: Er, der seinen Sohn Egor (Dmitri Martynov) wieder zu gewinnen versucht, den er zu Beginn und noch einmal am Ende von Wächter der Nacht fast ermordet hätte, und der zugleich in seine Kollegin Swetlana (Marija Poroschina) verliebt ist. Hier wirkt ein unverhoffter, kurzzeitiger Geschlechtertausch als Beziehungskatalysator – und verschafft dem Film ein paar slapstickhafte Momente.

Alle Wünsche auf einmal erfüllt zu bekommen, wird für Anton aber kaum möglich sein, denn dummerweise würde das Zusammentreffen von Egor und Swetlana – beide sind „Große“ – das Ende der Welt einleiten. Anton hat mit seinen Beziehungen nicht allzu viel Glück.
Wenn Magie zum Einsatz kommt, wirft Wächter des Tages mit allem um sich, was ihm zur Verfremdung der Kinobilder zur Verfügung steht: Überbelichtung, plötzliche Dunkelheit, Zeitlupe und -raffer, bis hin zum kompletten Stopp der Bilder, während die Hauptfiguren weiter agieren. Das ist eigentlich ganz hübsch, wirkt aber dann schnell eher hektisch und wirr, zumal man meist erst im nachhinein, wenn überhaupt, versteht, was gerade vor sich ging.
Wächter des Tages kann so, trotz der Bekmambetow mancherorten zugesprochenen Radikalität in ästhetischen Belangen, schnell Langeweile durch Reizüberflutung auslösen. Dabei hat der Film, den gleichwohl nur eingeschworene Fantasy-Fans so richtig mögen werden, dennoch einiges zu bieten. Insbesondere ist dies eine epische Erzählung, in der Licht und Schatten nicht so streng voneinander getrennte Größen sind, wie dies im Genre sonst gern gesehen wird – ein jüngeres Beispiel für die Schwarz-Weiß-Dualität der Charaktere ist etwa Eragon – Das Vermächtnis der DrachenreiterWächter der Nacht (Eragon, 2006). Stattdessen sind bei den Wächtern die Übergänge fließend; Schmerz und Furcht sind auf beiden Seiten stets mit im Spiel.
Insofern lässt das Ende, das nicht nur die Frage nach der Bedeutung von Schicksal aufwirft, sondern auch die Handlung sowohl von Wächter der Nacht als auch von Wächter des Tages und die Vorgeschichte der Hauptfiguren von vorne und ganz neu aufzurollen scheint, für den kommenden dritten Teil noch hoffen, auch wenn man ästhetisch keine großen Erwartungen hegen muss.
Filmkritik von Rochus Wolff
Veröffentlicht am 25.09.2007
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Film-Angaben
Titel: Wächter des Tages
Originaltitel: Dnevnoi dosor
Russland 2006
Laufzeit: 125 Minuten
Regie: Timur Bekmambetow
Drehbuch: Sergei Lukjanenko, Timur Bekmambetow
Produktion: Konstantin Ernst, Anatoli Maksimow
Bildgestaltung: Sergei Trofimov
Montage: Dmitri Kiselev
Musik: Yuri Poteyenko
Darsteller: Konstantin Chabenski, Marija Poroschina, Galina Tjunina, Viktor Wershbizki, Zhanna Friske, Dmitri Martynov, Wladimir Menschow
Kinostart: 20.09.2007
DVD-Angaben
Titel: Wächter des Tages
Vertrieb: 20th Century Fox
Bild: 2,35:1, 16:9
Sprache(n): Deutsch (DD 5.1, DTS 5.1), Russisch (DD 5.1)
Untertitel: Deutsch, Englisch, Deutsch für Hörgeschädigte, Türkisch
Altersfreigabe: ab 16 Jahren
Spieldauer: 140 Minuten
Extras: Making-Of; Russischer Trailer
Verleih ab: 04.02.2008
Verkauf ab: 14.03.2008
Copyright Wächter des Tages
Fotos: © 20th Century Fox
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