Wächter der Wüste

Mit Wächter der Wüste gibt es eine weitere aufwändige Produktion der BBC aus dem Tierreich zu sehen. Darin kämpft eine Erdmännchenfamilie mit den Tücken des Alltags.

Wächter der Wüste

In The Private Life of a Cat (1946) erzählt Alexander Hammid mit der Kraft seiner Bilder und nur wenigen Zwischentiteln davon, wie sich ein Katzenpärchen häuslich niederlässt um Kinder zu bekommen. Das Besondere an dem Film ist, dass sich Hamid mit den Katzen auf Augenhöhe begibt und sogar subjektive Einstellungen verwendet. Doch so radikal diese Vorgehensweise dem distanzierten und naturwissenschaftlichen Blick damaliger Tierdokumentationen entgegen gesetzt war, so selbstverständlich sind solche dramatisierenden Elemente im zeitgenössischen Tierfilm.

Die Eröffnungsszene von Wächter der Wüste, eine mit Streichern untermalte Kamerafahrt über die erhabene Landschaft der Kalahari-Wüste, zeigt ähnlich wie frühere BBC-Produktionen (Unsere Erde, 2007) zunächst Natur als Spektakel. Auch wenn solche Einstellungen immer wieder zum Einsatz kommen, sind sie hier lediglich dekoratives Beiwerk. Das eigentliche Augenmerk gilt einer Erdmännchenfamilie. In einer Art Coming-of-Age-Geschichte verfolgt der Film die Wandlung des kleinen Kolo vom leichtsinnigen Baby zum Heranwachsenden, der für seine jüngeren Geschwister Verantwortung übernehmen soll. Gleichzeitig muss sich Kolo mit seiner Familie gegen natürlich Feinde und die Nahrungsnot während der Dürrezeit behaupten.

Wächter der Wüste

Wächter der Wüste geht es nicht um die Erfüllung eines gewissen Bildungsanspruchs, sondern um gut gemachte Unterhaltung. So wird der monotone Alltag der Erdmännchen immer wieder durch ausgedehnte Action-Szenen aufgelockert. Mithilfe von Parallelmontagen werden Bilder eines Adlers im Sturzflug und der fliehenden Erdmännchen dynamisiert. An anderer Stelle kommt die neueste Technologie in Form einer winzigen Infrarotkamera zum Einsatz, die es dem Zuschauer erlaubt bei einer unterirdischen Verfolgungsjagd zwischen einer Schlange und einem Erdmännchen mit dabei zu sein. Die Spannung bleibt dabei stets durch filmische Manipulationsmittel konstruiert, wodurch sich Wächter der Wüste auch nur bedingt als Dokumentation bezeichnen lässt.

Durch einen Prozess der Vermenschlichung bleiben die Tiere keine bloßen Studienobjekte, sondern werden zu Subjekten und Identifikationsfiguren. Der Schauspieler Rufus Beck tritt neben seiner Rolle als Erzähler auch als Synchronsprecher der Erdmännchen in Erscheinung, denen er mit wechselnder Tonlage eine Stimme verleiht. Dieser ohnehin etwas platte Effekt erlebt seinen Tiefpunkt, wenn Kolo ein herannahendes Gewitter damit kommentiert, dass es sich dabei um fotografierende Touristen handelt. Doch nicht nur die verstellten Stimmen, auch die Bilder der immer ein wenig dümmlich dreinblickenden und sich tollpatschig benehmenden Erdmännchen machen schließlich deutlich, dass der Film mit seiner Verniedlichung der Natur ausschließlich ein sehr junges Publikum begeistern dürfte.

Trailer zu „Wächter der Wüste“


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