Vorstadtkrokodile

Killerpilze-Schlagzeuger hilft Wilde Kerle-Star und umgekehrt. Vorstadtkrokodile kennt sein Zielpublikum sehr genau.

Vorstadtkrokodile

Eine Mutprobe unter Jungs, ein Aufnahmeritual für die Jugendbande: Auf ein morsches Dach muss Hannes (Nick Romeo Reimann) klettern, um sich die Mitgliedschaft bei den „Krokodilen“ zu verdienen. Die Schullektüre-Verfilmung Vorstadtkrokodile gibt sich alle Mühe, diesen prototypischen Anfang mit Dynamik zu versehen. Die Kamera erkundet das steile Dach, folgt entfesselt dem Helden, dessen Mut schnell bewiesen ist und ergeht sich schließlich in Kranfahrten, die den Schauplatz eines alten Fabrikgebäudes in seiner ganzen Pracht erschließen. Hier hat jemand Mittel und will es ausstellen.

Vorstadtkrokodile

Zunächst wäre man verleitet, Regisseur und Drehbuchumschreiber Christian Ditter zu unterstellen, nach seiner romantischen Komödie im Schulmilieu Französisch für Anfänger (2006) seine Inszenierungskünste in größerem Rahmen unter Beweis stellen zu wollen. Doch Vorstadtkrokodile ist zu allererst das Projekt seines Produzenten Christian Becker, auf dessen Initiative die Verfilmung zurückgeht.

Nach dem Vorspann beruhigt sich der Film allerdings und findet seinen Rhythmus. Er erzählt von Jugendfreundschaften und sozialer Ausgrenzung mittels einer Kriminalgeschichte, würzt das Ganze mit ein wenig Romantik, Gags über Ausländerfeindlichkeit und popkulturellen Verweisen, bleibt aber stets sehr geradlinig. Der zentrale Strang dreht sich um den rollstuhlfahrenden Kai (Fabian Halbig), der sich nichts sehnlicher wünscht, als in die Jugendbande aufgenommen zu werden. Als er mit seinem Fernrohr einen nächtlichen Einbruch beobachtet, dessen Verbrecher die Gruppe unbedingt fassen möchte, bietet sich ihm die Chance mitzumischen.

Vorstadtkrokodile

Die Besetzung des Killerpilze-Schlagzeugers Fabian Halbig als Kai stellt sich schnell als deutlich mehr als ein Marketing-Coup für Fans der populären Jugendband heraus. Halbig überzeugt als Querschnittsgelähmter und trägt über weite Strecken die etwas konstruiert wirkenden Konflikte mit Eltern und Freunden. Den Niedlichkeitsfaktor liefert Nick Romeo Reimann, der hier in der Rolle des Hannes mit nur 10 Jahren bereits seinen vierten Kinospielfilm – nach den Wilde Kerle-Teilen 3 bis 5 – absolviert. Als männlicher Part im romantischen Strang der Geschichte wird er immer wieder in weichgezeichneten Großaufnahmen inszeniert. Vor allem muss Hannes aber für seine alleinerziehende Mutter (Nora Tschirner) da sein, die neben der schlecht bezahlten Arbeit noch studiert. Zwar nimmt man Tschirner die mittellose Mutter nicht so recht ab, doch damit fällt sie im Film-Kosmos nicht weiter auf. Denn die Erwachsenen-Rollen sind alle als klischierte Projektionsflächen mit eindeutigen Charakterzügen angelegt.

Vorstadtkrokodile

Funktional sind die Erwachsenen-Figuren allemal und auf Effektivität scheint es Vorstadtkrokodile vornehmlich anzukommen. Dabei merkt man dem Werk seinen Blick – es ist mehr als ein Schielen – auf die Zielgruppen deutlich an. Schimpfwörter werden in sparsamen Dosen eingestreut, um die Kleinen zu amüsieren, ohne deren Eltern zu brüskieren; trotz spannungsgeladener Kriminalgeschichte wird der Film nie düster, so dass er auch jüngere Zuschauer nicht verschrecken sollte; mit Slide- und Klapp-Handys, einer zur Überwachungskamera umfunktionierten Webcam und weiteren technischen Gimmicks gibt der Film vor, die Alltagswelt heutiger Jugendlicher darzustellen; seine Verortung in einem anonymen Vorort von Dortmund macht ihn zugleich provinziell und universell. Vorstadtkrokodile ist unterhaltsame Konsumware, die es vielen recht machen will und der das sogar gelingt.

Trailer zu „Vorstadtkrokodile“


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