Vorbilder?!

Eine weitere schöne Mainstreamkomödie aus Amerika: Paul Rudd und Seann William Scott sollen in Vorbilder?! zwei Problemkindern mit Rat und Tat zur Seite stehen.

Vorbilder?!

Sein Kumpel Wheeler (Seann William Scott) trägt immerhin ein Minotaurus-Ganzkörperkostüm bei der Arbeit. Danny (Paul Rudd) selbst dagegen darf sich nicht verkleiden, und so sieht jeder, dass der Nicht-mehr-Anfangzwanziger es in seinem Leben noch nicht weiter gebracht hat als zum Energy-Drink-Promoter an Grundschulen.

Das größte Problem mit seinem Lebenslauf hat aber Danny selbst, und als seine Kollegen ihn dafür feiern wollen, dass er der Energy-Drink-Firma zehn Jahre treu geblieben ist, verschlechtert sich seine Laune gleich noch einmal. Selbsthass und Weltekel verstärken sich gegenseitig, bald ist auch noch die Freundin weg, und kurz darauf fährt er gemeinsam mit Wheeler, der das Ganze wie das Leben allgemein deutlich lockerer sieht, den Minotaurus-Truck schrottreif.

Vorbilder?!

Die beiden Kumpels, die schon lange keine echten Kumpels mehr sind, werden dazu verdonnert, Sozialstunden abzuleisten. Und zwar bei einer Frau namens Gayle Sweeny (Jane Lynch), die sich mit Vorliebe über ihre Vergangenheit als Drogenabhängige ausbreitet („You know what I used to have for breakfast? Cocaine. Know what I had for lunch? Cocaine“). Jetzt leitet Gayle die Organisation „Sturdy Wings“ und bringt sozial schwierige Kinder und Jugendliche mit erwachsenen Paten zusammen.

Danny und Paul sind alles andere als geborene Sozialarbeiter. Ersterer erzählt den Kindern beim gemeinsamen Campingausflug am Lagerfeuer äußerst unangemessene Gruselgeschichten und letzterer liegt am nächsten Morgen nackt und schlafend zwischen den Zelten. Natürlich haben sie es auch nicht leicht mit ihren Schützlingen. Der eine, Augie Farks (Christopher Mintz-Plasse), ist im Live-Action-Rollenspiel ein edler Ritter, muss im echten und vermeintlich wichtigeren Leben aber einiges einstecken, der andere, Ronnie Shields (Bobb’e J. Thompson), ist einfach nur ein äußerst kratzbürstiger kleiner Junge, der genau weiß, wie er als Afroamerikaner die race card zu spielen hat.

Vorbilder?!

Natürlich wird aus der Zweckgemeinschaft am Ende trotzdem eine echte. David Wains Vorbilder?! (Role Models) macht erst einmal nicht viel anders als andere Komödien und landet am Ende bei einem Finale, das vielleicht ein wenig zu schnell und komplett alle vorher konstruierten Konflikte beseitigt. Dass etwa Augies Eltern sich plötzlich mit seiner Rollenspielleidenschaft abfinden, wo sie diese vorher aus ganzem Herzen hassten, weil dieses Rollenspiel das genaue Gegenteil von dem ist, wofür sie als wettbewerbs- und statusfixierte Mittelschichtler stehen, das möchte man dem Film dann doch nicht ganz abkaufen. In seinen harmonisierenden Schließungen ist Vorbilder?! da deutlich weniger radikal als beispielsweise Adam McKays Stiefbrüder (Step Brother, 2008): Dort fand die Domestizierung Will Ferrells und John C. Reillys im „Catalina Wine Mixer“ ein jähes Ende.

Freilich liegen bei einem Film wie Vorbilder?! die Stärken nicht in der Originalität des Plots, sondern im Detail. Zum Beispiel in der Besetzung. Zunächst ist da Paul Rudd. In den artverwandten Apatow-Produktionen glänzt er regelmäßig in Nebenrollen, in Beim ersten Mal (Knocked Up, 2006) etwa gab er den dezent selbstzerstörischen Ehemann Pete, in Nie wieder Sex mit der Ex (Forgetting Sarah Marshall, 2008) den grenzdebilden Surflehrer Chuck. Hauptrollen waren ihm bislang nur in weniger interessanteren Produktionen wie der Indie-Komödie The Oh in Ohio (2006) vergönnt. Aber die Rolle des zunächst pathologisch menschenfeindlichen Narzissten Danny, dessen Ironie seinen naiv-romantischen Kern nur notdürftig verbirgt, die scheint Paul Rudd auf den Leib geschrieben zu sein und könnte ihm dauerhaft zum Durchbruch im Komödiensegment verhelfen.

Vorbilder?!

Außerdem gibt es ein Wiedersehen mit Christopher Mintz-Plasse. Auch wenn er nicht viel mehr macht, als seine Rolle in Superbad (2007) zu wiederholen, den Über-Nerd gibt er auch beim zweiten Mal so glaubhaft wie kein anderer. Eine besondere Erwähnung verdient schließlich Jane Lynch, deren völlig durchgeknallte Interpretation ihre reformierte Kokainkonsumentin Gayle Sweeny zu einer der komischsten Frauenfiguren im neueren amerikanischen Kino, in dem komische Frauenfiguren wahrlich dünn gesät sind, macht.

Wunderschöne Situationen konstruiert Vorbilder?! mit diesem tollen Cast. Ein ohnehin nicht besonders wohl überlegter Heiratsantrag wird durch die zufällige Anwesenheit des dreistesten Ladendiebs der Geschichte zusätzlich verkompliziert. Oder King Argotron: Der tyrannisch-autokratische Herrscher des Live-Action-Rollenspiels hält Audienz im Fast-Food-Restaurant und muss die Unterredung mit seinen Vasallen für die Bestellung einer Diät-Cola unterbrechen.

Vorbilder?!

Was Vorbilder?! aber vor allem anderen auszeichnet, ist ein schwungvoller, abwechslungsreicher Dialogwitz, der weit über die Aneinanderreihung von Onelinern hinausgeht. In der Kinokomödie ist diese Form von Humor selten geworden. Deshalb sei allen, die diese Wahl haben, empfohlen, sich Vorbilder?! in der englischen Originalfassung anzusehen. Zum Abschluss ein besonders schönes Beispiel dieses Dialogwitzes, an dessen Ende ein italienischer Meisterregisseur einen unerwarteten Auftritt hat:

Danny: Can I get a large black coffee?
Bedienung: A what?
Danny: Large black coffee.
Bedienung: Do you mean a venti?
Danny: No, I mean a large.
Bedienung: Venti is large.
Danny: No, venti is twenty. Large is large. In fact, tall is large and grande is Spanish for large. Venti is the only one that doesn’t mean large. It's also the only one that’s Italian. Congratulations, you’re stupid in three languages.
Bedienung: A venti is a large coffee.
Danny: Really? Says who? Fellini? Do you accept lira or is it all euros now?

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