Vom Himmel hoch

Der etwas dümmlich wirkende Provinzler Jérôme zieht in die Großstadt, um Geld für den Bauernhof zu verdienen. Schnell findet er Anschluss: Er arbeitet für die Stadt und freundet sich mit einem Obdachlosen an. Doch dann muss er miterleben, wie die Penner in Transportern aus der Stadt geschafft werden, um die Straßen sauber zu halten. Vom Himmel hoch (Quand tu descendras du ciel) überzeugt mit naturalistisch wirkenden Schauspielern und seiner sowohl unterhaltsamen als auch sozialkritischen Haltung.

Vom Himmel hoch

Endlich geht es auch ohne Weihnachtsmann, Elchen und Elfen! In Vom Himmel hoch (Quand tu descendras du ciel) inszeniert Eric Guirado wie Weihnachten wirklich vorbereitet wird. Gerade erst in der Großstadt angekommen, hat der etwas verlorene Jérôme (Benoît Giros) auch schon Anknüpfungspunkte gefunden. Der gutmütige Junge vom Land lädt den Obdachlosen La Chignole (Serge Riaboukine) zu einem Stück Kuchen ein und die beiden freunden sich an. Kurz darauf bekommt er eine kleine Arbeit, seine Aufgaben: Verschiedenes. Auf Tannen klettern und Lämpchen montieren macht ihm dann auch viel Spaß, doch ein paar Tage später muss er mit ansehen, wie La Chignole – als einer von vielen - weit weg von der Stadt aus einem Kleintransporter geladen wird. Die Advents-„Säuberung“ des Stadtbildes hat begonnen – die Penner müssen weg. Ganz lapidar aber nicht moralisierend wird es in den Zusammenhang gerückt: Wer wiedergewählt werden will, muss für schöne Straßen sorgen.

Die eher simple Struktur der Erzählung verbindet die politische Geschichte mit der von Jérômes Familie und der seines Chefs. Dabei werden die aufkommenden Auseinandersetzungen familiärer und beruflicher, vor allem menschlicher Natur nicht ausgetragen – höchstens ausgestanden. Die daraus hervorgehenden Entwicklungen werden dann auch mehr behauptet, als überzeugend motiviert. Für eine Momentaufnahme unserer Gesellschaft reicht es vor allem dank der beeindruckend gut gewählten Darsteller dennoch aus. Versteht man Vom Himmel hoch darüber hinaus tatsächlich als Weihnachtsfilm, macht dieser Verzicht auf die Ausformulierung möglicher moralischer Abwägungen und der Konfrontation mit den eigenen Fehlern umso mehr Sinn. Denn für Bitterkeit, die man anlässlich eines solchen Themas erwarten könnte, lässt Guirados Inszenierung kaum Platz. Die Losung der bisweilen ohnmächtigen Protagonisten stellt er vielmehr mit Biss dar – etwas, was man in den üblichen lustig-schwülstigen oberflächlich gehaltenen Feiertagsfilmen nicht finden wird.

Vom Himmel hoch

Vom Himmel hoch überzeugt gerade im Kleinen: Die Probleme von Jérôme und seiner jahrelang ignorierten Schwester kulminieren in einigen wenigen anekdotenhaften Szenen, ohne je wirklich zur Aussprache zu kommen. Ähnlich verhält es sich mit dem differenzierten Portrait des Obdachlosen La Chignole: Obwohl wenig Zeit für den Aufbau seines Charakters investiert wird, verfällt Guirado bei dessen Darstellung nicht ins Klischee.

In seinem ersten Langspielfilm verbindet der Regisseur die meist klassisch gehaltene dokumentarische Ästhetik mit spärlich eingesetzten aber desto wirkungsvolleren Versuchen des Ausdrucks von Bewusstseinseindrücken und Gefühlen durch eine ungewöhnliche, fast schon experimentelle Kombination von Bild und Ton. Die heterogene Wirkung dieser Elemente offenbart zwar gleichzeitig seine Jungfräulichkeit, markiert aber vor allem sein Talent, das den Film trägt. Das vielleicht etwas überstürzte aber überraschend angenehme Ende von Vom Himmel hoch – eine wirkliche Auflösung findet nicht statt - rückt diesen wiederum in den Kontext des Advents, womit Guirado etwas Seltenes gelingt: Seine Sozialkritik fusioniert mit der Leichtigkeit des Wissens um die Notwendigkeit von Harmonie. Diese Kombination ergibt einen Weihnachtsfilm, zu dem es dieses Jahr sicherlich keine Alternative gibt.

 

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