Vollidiot

Der Titel ist provokant, ebenso die Besetzung mit TV-Comedian und Schauspielnovize Oliver Pocher. Im Vergleich dazu erscheint die Geschichte um den verzweifelten und frustrierten Endzwanziger Simon Peters doch recht konventionell.

Vollidiot

Der notorisch gelangweilte Telekomverkäufer Simon Peters (Oliver Pocher) ist ein armes Würstchen. Obwohl er schon über ein Jahr alleine lebt, alleine isst und alleine schläft, hängt er in seinen Gedanken immer noch seiner letzten Beziehung und dem womöglich traumatischsten Moment seines Lebens nach. Gerade als er vor seiner Freundin zur ultimative Liebeserklärung ansetzen wollte, teilt sie ihm mit, dass sie schwanger ist – von jemand anderem. Seitdem versucht Simon, als Single das Kölner Nachtleben unsicher zu machen, mit eher mäßigem Erfolg. Denn entweder blitzt er mit seinen chauvinistischen Sprüchen bei der Damenwelt gnadenlos ab oder ihm fehlt im nicht-alkoholisierten Zustand schlichtweg der Mut, um mit dem anderen Geschlecht auf Tuchfühlung zu gehen. Zu allem Überfluss sieht er sich von Vollstreckungsbeamten verfolgt und auf der Arbeit von Kollegen und Kunden drangsaliert.

Vollidiot

Und weil es vermutlich anderen Männern ähnlich ergeht, weil sie Simons Single-Frust teilen und nachvollziehen können, verkaufte sich die gleichnamige Vorlage des Kölner Autoren Tommy Jaud bislang über 800.000 Mal. Simon ist ein liebenswerter Durchschnittstyp, ein sympathischer Vollidiot, mit dem man(n) sich leicht identifizieren kann, wie der Autor dieser Zeilen ebenfalls zu bestätigen weiß. Der Humor zielt folgerichtig größtenteils auf das schon von vielen deutschen Kinoproduktionen wie Das merkwürdige Verhalten geschlechtsreifer Großstädter zur Paarungszeit (1998) thematisierte Beziehungschaos urbaner Singles ab. Wenn das Leben um einen herum pulsiert und man dennoch keinen Partner findet, dann bahnt sich die Verzweiflung besonders skurrile Bahnen. Leider ist das nur selten wirklich originell. So zählt die kurze Episode um Simons Urlaub in einem Single-Club, der sich als ein „zwischenmenschlicher 11. September“ erweist, zu den besseren und bissigeren Einschüben. Zumeist muss der Abgleich von Simons Fettnäpchen-Tour mit den eigenen Single-Erfahrungen über die Plattheit mancher Pointen hinwegtrösten.

Vollidiot

Abgesehen vom sexuellen und beziehungstechnischen Notstand im Hause Peters gelingen Vollidiot doch einige amüsante und zutreffende Seitenhiebe auf einen vermeintlich modernen Lifestyle, der immer mehr Lebensbereiche erfasst und dabei auf kulturelle Unterschiede keine Rücksicht nimmt. Heutzutage geht man nicht einfach einen Kaffee trinken, es muss es schon der Caramel Macchiato mit Himbeer-Aroma sein, der natürlich dank eines amerikanischen „Kaffeenazi“-Konzerns mittlerweile an jeder Ecke erhältlich ist. Und seine Wohnung richtet der trendbewusste Großstädter fast selbstverständlich mit uniformen Designer-Fantasien eines schwedischen Möbelimperiums ein. Über letzteres hatte bereits David Fincher in seinem düsteren Psycho-Thriller Fight Club (1999) einen ätzenden Kommentar verfasst. Für Simon soll der Hass auf den seine Einsamkeit so schmerzlich symbolisierenden Einersessel letztlich sogar eine positive Überraschung bereithalten.

Bei aller Kritik am durchgestylten Leben inmitten eines unkontrollierbaren Markenwahns, wundert es zunächst schon, dass der Films ähnlich stromlinienförmig und modern verpackt wurde. Immerhin lässt sich das trendige Design als Replique auf den Inhalt deuten. Der Schauplatz Köln spielt dabei konsequenterweise kaum eine Rolle. Das Zuhause der IKEAs, Starbucks & Co. ist der globale Markt, weshalb das Setting in Vollidiot deren Identitätslosigkeit kopiert. Obwohl Regisseur Tobi Baumann als Wahl-Kölner in Interviews gerne die fast schon poetische Hässlichkeit der Stadt betont, finden sich abseits der bekannten Domstadt-Motive und einer geradezu omnipräsenten Kölschmarke keine aufdringlichen Insignien eines rheinischen Lokalkolorits.

Vollidiot

Baumann, der seine ersten Meriten im Comedy-Bereich als Gag-Schreiber für die Harald Schmidt Show (1995-2003) verdiente und im Kino-Bereich die Edgar Wallace-Persiflage Der Wixxer (2004) inszenierte, lässt Simon nur selten einen Moment der Ruhe. Im Minutentakt wechseln sich die Schauplätze ab, kreieren raffinierte Überblendungen und Kameraschwenks eine Grundnervosität, als ob die Macher Angst davor hatten, der Zuschauer könnte sich mit dem „Normalo“ Simon alsbald langweilen. Aus dem gleichen Grund gibt es wohl diverse Gastauftritte populärer Comedy- und TV-Gesichter zu bestaunen.

Mit der Besetzung des streitbaren Comedians Oliver Pocher in der Rolle des liebeskranken Telekomverkäufers gingen die Produzenten ein Wagnis ein. Einerseits garantiert der Name Pocher eine hohe mediale Aufmerksamkeit, andererseits schreckt dessen polarisierendes Image sicherlich nicht wenige potentielle Zuschauer ab. Dabei ist Pochers Auftritt insgesamt durchaus eine angenehme Überraschung. Nicht, dass er wirklich groß aufspielen würde, aber in der Jedermann-Rolle verkörpert er – soweit dies in einem solchen Format möglich ist – glaubhaft die Qualen und Verzweiflung eines vom Konsum- und Single-Terror befallenen Städters. Dieser Simon Peters, so die eindeutige Botschaft, findet sich in jedem von uns wieder. Und wer ehrlich zu sich selber ist, der hat ihn vermutlich bereits gefunden.

Kommentare


vollidiot89

voll geil bin auch einer


Schnull3r

xD
also der Film is echt lustig und auch genauso wie das Buch allerdings finde ich das Ende nich so gut aber das ist im Buch uach nich so gut






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