Villa Henriette

Das sprechende Haus, in dem Marie mit ihrer schrulligen Familie lebt, soll zwangsversteigert werden. Um die Villa Henriette zu retten, lässt sich die Zwölfjährige einiges einfallen.

Villa Henriette

„Wer seine Träume verwirklichen will, muss erstmal aufwachen.“ sagt eine Stimme zu der zwölfjährigen Marie (Hannah Tiefengraber), die sich im Bett lieber noch einmal umdreht. Aber das Haus kennt keine Gnade. Rollläden gehen rauf und runter bis Marie endlich aufsteht. Die Villa Henriette, in der Marie mit ihrer kuriosen Familie lebt, hat eben ihren eigenen Kopf und bräuchte dringend eine Generalüberholung. Maries Mutter (Nina Petri), Stewardess, würde jederzeit gerne ausziehen, in eine neue, schicke Wohnung. Maries Vater (Lars Rudolph), Archäologe, ist das eigentlich egal. Als Maries Großmutter (Cornelia Froboess), eine passionierte Erfinderin, der das Haus gehört, eines Tages ihr Geld an einen Gauner verliert, droht die Zwangsversteigerung der Villa. Marie will das mit ihren Freunden Stefan (Elias Pressler) und Konrad (Richard Skala) unbedingt verhindern.

Christine Nöstlinger, auf dessen gleichnamigem Roman der Film basiert und die selber die kleine Rolle einer Hausmeisterin übernimmt, ist eine der bekanntesten deutschsprachigen Kinderbuchautorinnen, und sicherlich, gemessen an der Anzahl ihrer Publikationen, eine der produktivsten. Ihre Werke wurden mit wichtigen Kinder- und Jugendbuchpreisen bedacht, darunter der Astrid-Lindgren-Gedächtnispreis der schwedischen Regierung. Da ist es verwunderlich, dass bislang nur sehr wenige Bücher aus dem über hundert Bücher umfassenden Fundus der Wienerin verfilmt wurden.

Villa Henriette zeichnet sich durch die überzeugende Verknüpfung realer Teenagerprobleme mit märchenhaften Elementen aus. Maries Konflikte mit ihren Eltern und ihre Schwierigkeiten, die Beziehung zu ihren beiden männlichen Freunden, die sich beide um sie bemühen, zu definieren, werden glaubhaft umgesetzt. Die Tatsache, dass das Haus, in dem sie lebt, spricht, übrigens mit der Stimme von Nina Hagen, fällt dabei gar nicht weiter auf.

Regisseur Peter Payer verlässt sich in seiner Verfilmung aber nicht nur auf Nöstlingers fabelhafte Geschichte, seine guten Schauspieler und liebevoll gestaltetes Produktionsdesign. Er geht über die bloße Abbildung der Geschichte hinaus und wagt formal Neues. Mit ungewöhnlichen Kameraperspektiven und Lichteinstellungen gelingt ihm eine genaue Gestaltung des Innenlebens der Hauptdarsteller und auch des Hauses. So stellt er der warmen Atmosphäre des Hauses zu Beginn die deutlich kühlere Außenwelt gegenüber, die nach und nach, je nach Grad der Bedrohung für Henriette, auch vom Innern der Villa Besitz ergreift. Payers Film ist eine originelle und witzige Umsetzung des Kinderbuches von Christine Nöstlinger und lohnt sich auch für Erwachsene.

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