Video Kings

Der Verleih nennt Video Kings selbst eine „Trash-Komödie“ – wer so mit dem Schrott flirtet, begibt sich freilich in die Gefahr, auf Augenhöhe zu enden. Dieser Film hat allerdings eher Schwierigkeiten mit seinem Anfang.

Video Kings

Es ist ja ein ganz hübsches Setting, das sich die Drehbuchautoren Daniel Acht und Ali Eckert (die zugleich als Regisseure und Produzenten fungieren) für ihre kleine Komödie haben einfallen lassen: Eine ziemlich abgehalfterte Videothek in einer Nebenstraße, die den schönen Namen „Video König“ trägt und nur eine kleine Zahl Stammkunden zu haben scheint, von denen die wenigsten je wirklich Filme ausleihen. Hinter dem Tresen stehen Flo (Fabian Busch) und sein vor allem aufgrund seines Haarschnitts sehr proletig daherkommender Kollege Hotte (Wotan Wilke Möhring), der allerdings hier nur schwarzarbeitet.

Die Szenerie erinnert nicht von ungefähr an Kevin Smiths Erfolgsfilm Clerks (1994), der ebenfalls mit nur minimalem Budget gedreht wurde, aber hier natürlich eine gewaltige stilistische Fallhöhe vorgibt. Und Video Kings stürzt zunächst ganz heftig: Die Dialoge sind eher hölzern und vor allem nicht witzig, und die ganze erste Hälfte des Films besteht aus eher wirr hintereinander gesetzten Szenen, die offensichtlich dazu dienen sollen, das Personal des Films zu positionieren. Im Wesentlichen geht es aber darum, dass einige Leute Flo und Hotte ans Geld oder an die Videothek wollen, während Flo das Herz der frisch in die Nachbarwohnung eingezogenen Ramona (Monica Nancy Wick) erobern möchte.

Zwischendrin tauchen nicht nur im Namen der Angebeteten Anspielungen auf die Ramones und Punkmusik im weiteren Sinne auf – auch der Soundtrack spielt mit diesem Genre –, während sich Flo immer wieder in große Momente der Filmgeschichte hineinträumt. Das ist zwar oft sehr romantisch, aber die Vorstellung davon, was filmische Größe bedeutet (Titanic, Vom Winde verweht, Memento …), scheint doch einem ganz und gar unpunkigen und eher massentauglichen Geschmack zu entstammen.

Video Kings

Erst in der zweiten Hälfte, nachdem der Film seine Themen und Personen etabliert hat, wird zumindest teilweise ein Schuh daraus, kommt es zu hübsch absurden und genüsslich ausgekosteten Momenten von Situationskomik, bis im großen Finale alle Stränge aufgegriffen und nur teilweise ganz vorhersehbar aufgelöst werden – erst ganz zum Schluss lässt der Film ganz locker alle Klischees links liegen und geht einfach direkt zum Happy End über.

Das ist sehr schön, aber viele der Versprechen, die die heftig gerührte Werbetrommel für den Film ansonsten macht, kann er nicht recht einlösen – es gibt zum Beispiel keinen Grund dafür anzunehmen, der Film lebe von einer besonderen Verwurzelung im Berliner Bezirk Neukölln. Til Schweiger und die Gruppe Badesalz treten in einer Szene als Schutzengel und Ratgeber in Liebesdingen auf – was als witziger Gastauftritt funktionieren soll, verpufft aufgrund der in dieser Szene weitgehend platten Scherze nahezu völlig. Auch die Auftritte von Bela B., der als Gelegenheitsdieb immer wieder hektisch in die Videothek stürmt, sind von keiner Schauspielkunst getrübt.

Immerhin hat man versucht, durch Verlosungen und Wettbewerbe reichlich Aufmerksamkeit für den angeblich so bodenständig entstandenen Streifen zu generieren. Dazu gehörte auch das Angebot, durch Absenden einer einfachen E-Mail namentlich in den Abspann von Video Kings aufgenommen zu werden. Ob es genug Leute gibt, die ins Kino gehen, nur um ihren Namen auf der Leinwand zu sehen, wird sich zeigen.

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