Verwünscht

Der New Yorker Anwalt Robert macht in Verwünscht eine ungewöhnliche Bekanntschaft: Die junge Dame heißt Giselle und behauptet, eine Prinzessin zu sein.

Verwünscht

Zunächst jedoch bewohnt Giselle im Märchenland Andalasien gemeinsam mit zahlreichen tierischen Freunden ein Baumhaus und träumt von der großen Liebe. Als sie dem wagemutigen Prinzen Edward buchstäblich in die Arme fällt, scheint ihrem Glück nichts mehr im Wege zu stehen. Wenn nur nicht die böse Königin Narissa wäre...

Das Märchenland Andalasien ist im klassischen Disneystil animiert, Dekor und Bewohner evozieren Klassiker wie Fantasia (1940) oder Bambi (1942). Giselle, Edward und Narissa tun dies anfangs ebenfalls, allerdings nur bis Narissa nach dem Prolog auf die Idee kommt, Giselle aus dem Trickfilmparadies zu verbannen – und zwar ins reale New York.

Ein wenig sträubt man sich zunächst dagegen, die glorreiche Zweidimensionalität der Kulisse und den putzigen Antropomorphismus der andalasischen Tierwelt gegen den qua Technik zwingend naturalistischeren Realfilm eintauschen zu müssen. Doch Verwünscht (Enchanted) wäre kein Disney-Film, würde es ihm nicht gelingen, dem Zuschauer den filmtechnischen Quantensprung zu versüßen.

Verwünscht

Selbstverständlich ist New York in Verwünscht nur sehr eingeschränkt New York. Zwar landet Giselle zunächst in der Disney-Version eines heruntergekommenen Stadtviertels samt adrett arrangiertem Graffiti sowie pittoresk verwahrlosten Bettlern und Prostituierten, bald darauf tritt die Prinzessin jedoch in ein völlig anderes Milieu ein – und der Film in ein neues, wenngleich dem animierten Märchenfilm wesenverwandtes, Genre. Durch einen Zufall lernt die nun von Amy Adams verkörperte Protagonistin den Anwalt Robert Philip (Patrick Dempsey) kennen, der die leicht verwirrte Ex-Cartoonfigur zunächst eher unwillig bei sich aufnimmt und bald darauf seiner Tochter Morgan (Rachel Covey), seiner Verlobten Nancy Tremaine (Idina Menzel) und sich selbst erklären muss, warum die neue Mitbewohnerin mit der New Yorker Tierwelt zu kommunizieren vermag. Selbstverständlich schwinden die Berührungsängste zwischen Giselle und Robert in Windeseile. Spätestens wenn weiteres Personal aus Andalasien anrückt, um sich in New York in fleischlicher Gestalt zu materialisieren und dort diverse Partikularinteressen zu verfolgen, hat sich Verwünscht in eine waschechte romantische Komödie verwandelt.

Und zwar in ein äußerst ansehnliches Exemplar dieser Gattung, die beim Publikum seit jeher deutlich besser ankommt als bei der Filmkritik. Überzeugen kann Verwünscht vor allem aufgrund des konstant hohen, aber nie hektischen Erzähltempos, welches alle großen und kleinen Unsauberkeiten in der Drehbuchkonstruktion vergessen macht. Bis zum dann doch etwas zu absurden Finale, in welchem Regisseur Kevin Lima und Autor Bill Kelly auch noch das Fantasygenre einzukassieren versuchen, beweist Verwünscht, dass Disney die Formeln des Familienfilms immer noch besser beherrscht als die gesamte Konkurrenz.

Verwünscht

Verwünscht ist ein reiner Wohlfühlfilm, dem selbst noch die technischen Ambitionen vergleichbarer Projekte wie Falsches Spiel mit Roger Rabbit (Who Framed Roger Rabbit, 1988) oder Space Jam (1996) fremd sind. Nicht mehr geht es darum, die Interaktion realer und gezeichneter Charaktere zu realisieren. Stattdessen betont Kevin Lima gerade das unvermittelte Nebeneinander von Real- und Trickfilmwelt. Diesbezüglich könnte Verwünscht eindeutiger nicht sein: Auf der einen Seite des Wunschbrunnens befindet sich Andalasien, auf der anderen Seite New York. Robert wird seine neue Flamme niemals in ihrer Zeichentrickexistenz anblicken können.

Die Zeichentrickwelt definiert sich hier nicht – auch wenn Verwünscht auf der Handlungsebene immer wieder die naheliegenden Unterschiede beider Ebenen thematisiert – durch den Gegensatz zur realen Welt, sondern stattdessen durch ein rein nostalgisches Moment. Die Negativfolie, von der Andalasien sich abhebt, ist nicht New York, sondern sind die Welten des zeitgenössischen Computeranimationsfilms. Dessen zunehmend realistischeren Texturen sowie den teilweise durch motion capturing unterstützten anatomisch korrekten Bewegungsabläufen setzt Verwünscht die konsequent antirealistische, fantasmatische Flächigkeit des klassischen Trickfilms entgegen.

Man sollte diese Konstruktion nicht mit einer kohärenten ästhetischen Strategie verwechseln. An einer solchen hat Verwünscht kein Interesse. So tauchen die aus der Zeichentrickwelt verbannten Computeranimationen im realen aber disneyfizierten New York wieder auf und ermöglichen es unter anderem Giselles tierischem Freund Pip, seiner Herrin in ihrer neuen Existenzform Gesellschaft zu leisten. Und dass der Gegensatz auf der Handlungsebene zwischen dem naiven Märchenland auf der einen und der rauen, komplexen Realität auf der anderen Seite nur ein scheinbarer ist, bedarf bei einer Disney-Produktion kaum der Erwähnung. Abgesehen von einer halbgaren Geste in Richtung female empowerment im bereits erwähnten misslungenen Drachenfinale kommen sich nicht nur die Geschlechterrollen beider Sphären gefährlich nahe. Kurz und gut: Verwünscht ist Inkonsequenz in Reinkultur. Böse sein kann man dem Film deswegen zu keiner Sekunde.

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Kommentare


Taryn & Lola

Der Film ist richtig gut, vorallem die Hauptpersonen. Darunter verstehen wir jemanden ganz bestimmten: Pip, das Backenhörnchen ;)! Ohne ihn wäre der Film nur halb so gut und er ist der wahre star/ held des filmes!!!!

Pip We <3 U


Sabine Sonner

Der Film ist echt kitschig und scheisse. PS: Veröffentlicht ihr das auch????
Sabine


Sabine Sonner

Filmkritik zu "Verwünscht" von Bill Kelly

Der Titel klang verheissungsvoll und deshalb entschied ich mich, mir diesen Film anzusehen. Leider!!!! Denn dieser Film entpuppte sich als reine Kitschkomödie. Der Inhalt, d.h. die Dialoge und der Zusammenhang befinden sich hart an der "Schwachsinnsgrenze" = Kino-Fastfood eben! Kurz: Eine Geschichte, die sich aus einem Märchen-Recycling zusammensetzt! Sorry Dear Bill!Ich erkannte Elemente aus: Cinderella ala Drew Barrymore, Schneewittchen, King Kong,Hänsel und Gretel, Hexe etc. Unwillkürlich lässt dieses Märchensuppen-Mischmasch die Gehirnzellen schrumpfen.... Auch zwischen den Zeilen läßt sich lesen.... zumindest für den intelligenten Kinobesucher!!! Es läßt sich folgendes herausinterpretieren: Ein Hoch auf den Materialismus und die Austauschbarkeit von Beziehungen (Film-Ende). Leider ist es eine wenig geniale Geschichte eines Autors, der wenig eigene Phantasien hat, dafür ein Recycling fremder Ideen in Kauf nimmt. Der Film versuchte zwar durch "Special Effects" =
King-Kong (Drachen-Scene) zu glänzen, indem er auf Hochhäuser steigt und unschuldige Männer (diesmal... hahaha) raubt. Es ist geradezu lächerlich wie mediengeschädigt dieser Autor die Geschichte zusammensetzt. Aber typisch Amerikanisch, wo mehr der Schein als Authentizität zählt. Verwünscht scheint der falsche Titel zu sein. Besser: Vermüllt oder Recycled Magic Mix. PS: Sie sollten sich die tschechische Filmindustrie mal zum Vorbild nehmen. Da stimmt wenigstens noch Handlungsablauf und Qualität. Die Amis produzieren leider nur Quantität und Effekthascherei, die irgendwie hohl, verlogen und künstlich wirkt. Es spiegelt deren Mentalität wieder. Man kann nur den Kopf schütteln über krankhafte, zusammenhanglose, oberflächliche "Un-Phantasien", die sich keiner eigenen neuen Ideen rühmt! Leider!!!! Ein Hoch auf die Tschechen! - Sehen Sie sich mal den Film "Die Märchenbraut" an - wesentlich witziger und intelligenter und auch romantischer gemacht.

mit movie-erprobten Grüsse
Sabrine


Alvin

@ Sabine Sonner: Meinten wohl "Visual Effects", ist ein Unterschied ;)






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