Verlobung auf Umwegen
Einen Antrag, aber schnell: Der Heiratswahn in romantischen Komödien erreicht mit Verlobung auf Umwegen (Leap Year) einen neuen Höhepunkt.
Jeder Film, der sich in eine lange Tradition wie die der romantischen Komödie einreiht, sollte sich auf wenigstens eine originelle Idee gründen. Auf etwas, das ihn unterscheidet, etwas, mit dem er dem Genre eine Kleinigkeit hinzufügt, und sei sie noch so winzig. Zum Beispiel die aufgesplitterte Erzählstruktur in (500) Days of Summer (2009), die extreme Trotteligkeit der Hauptfigur in Bridget Jones – Schokolade zum Frühstück (Bridget Jones’s Diary, 2001) oder die Stakkato-Dialoge in Sein Mädchen für besondere Fälle (His Girl Friday, 1940).
In Verlobung auf Umwegen besteht die (vorgeblich) originelle Idee darin, dass die Frau dem Mann den Verlobungsantrag machen will, statt, wie sonst üblich, darauf zu warten, dass das Umgekehrte passiert. Nicht weil sie emanzipiert und selbstbewusst ist, sondern weil sie wie nur wenige chick-flick-Heldinnen vor ihr absolut verzweifelt darauf wartet, endlich geheiratet zu werden. Da ihr Langzeitfreund aber keine Anstalten macht, fliegt Anna (Amy Adams aus Julie & Julia, 2009) ihm auf einen Kongress nach Irland hinterher. Dort ist es angeblich Brauch, dass am 29. Februar eines Schaltjahres die Frauen um die Hand ihres Zukünftigen anhalten. Sie überwindet also die eine Tradition, um sich so schnell wie möglich in den Schutz der anderen zu begeben; das ist eine Idee, die ganz außergewöhnlich unoriginell ist.
Ein paar Tage vor dem 29. macht sich Anna also auf den Weg. Bis zum Stichtag ist gerade so viel Zeit, die Standardsituationen des Genres abzuspulen, die sich vor allem auf der grundlegenden Unvereinbarkeit der Hauptfiguren gründen. Wegen mehr oder weniger einfallsreich herbeigeführter Komplikationen ist Anna auf die Hilfe von Declan (Matthew Goode) angewiesen, der sie nach Dublin bringen soll, dessen klappriger Wagen aber schon bald schlappmacht. Das Duell Karrierefrau gegen Kneipenwirt, Kontrollfreak gegen Kampftrinker, verwöhntes Küken gegen ganzen Kerl, das von nun an mehrfach durchgespielt wird, verliert bald seinen Reiz.
Zum großen Teil liegt das an der Figur der Anna, der das Drehbuch nicht einen Funken von Liebenswürdigkeit gönnt. Sie ist weder witzig (auch nicht, als sie mit dem Gesicht nach unten in einem Schlammloch landet), noch weckt sie Neugier auf den Menschen hinter dem perfekten Make-up. Amy Adams spielt diese Frau mit einer scheuklappenbehafteten Zielstrebigkeit, der man nicht gerne zusieht. Matthew Goode gibt den wortkargen, betont uncharmanten Iren so gelangweilt, dass man ihm sein Desinteresse an Anna sofort glaubt – nicht aber seinen späteren Gesinnungswandel. Und das, obwohl man diesen natürlich schon weit im Voraus ahnt, denn überraschend ist Verlobung auf Umwegen nicht in einer einzigen Sekunde.
Filmkritik von Thorsten Funke
Veröffentlicht am 22.03.2010
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Film-Angaben
Titel: Verlobung auf Umwegen
Originaltitel: Leap Year
USA 2010
Laufzeit: 100 Minuten
Regie: Anand Tucker
Drehbuch: Deborah Kaplan, Harry Elfont
Produktion: Gary Barber, Roger Birnbaum, Jonathan Glickman, Chris Bender, Jake Weiner
Bildgestaltung: Newton Thomas Sigel
Montage: Nick Moore
Musik: Randy Edelman
Darsteller: Amy Adams, Matthew Goode, Adam Scott, John Lithgow
Kinostart: 09.09.2010
DVD-Angaben
Titel: Verlobung auf Umwegen
Vertrieb: Kinowelt Home Entertainment
Bild: 2,35:1, 16:9
Sprache(n): Deutsch (DD 5.1), Englisch (DD 5.1)
Untertitel: Deutsch
Altersfreigabe: ab 6 Jahren
Spieldauer: 96 Minuten
Extras: Fotogalerie; Geschnittene Szenen; Making of; Trailer
Verleih ab: 18.01.2011
Verkauf ab: 03.02.2011
Titel: Verlobung auf Umwegen
Vertrieb: Kinowelt Home Entertainment
Bild: 2,35:1, 16:9
Sprache(n): Deutsch (DD 5.1), Englisch (DD 5.1)
Untertitel: Deutsch
Altersfreigabe: ab 6 Jahren
Spieldauer: 96 Minuten
Extras: Fotogalerie; Geschnittene Szenen; Making of; Trailer
Verleih ab: 18.01.2011
Verkauf ab: 03.02.2011
Copyright Verlobung auf Umwegen
Fotos: © Kinowelt
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