Verliebt in eine Hexe

In der TV-Serien-Verfilmung Verliebt in eine Hexe übernimmt Nicole Kidman die Titelrolle der schusseligen Hexe, die so gerne normal sein möchte und deswegen beschließt, auf Magie zu verzichten. Das aber ist nicht so einfach.

Verliebt in eine Hexe

Isabel Bigelow (Nicole Kidman) ist eine Hexe. Anstatt sich ihrer besonderen Fähigkeiten zu erfreuen, wird sie von dem Wunsch angetrieben, normal zu sein. Also mietet sie sich ein hübsches Vorstadthäuschen in Kaliforniens San Fernando Valley, und über einen glücklichen Zufall kommt sie zum Fernsehen: Sie soll die Hauptrolle in der Neuauflage des Serienklassikers Verliebt in eine Hexe übernehmen. Ihr Partner, in den sie sich umgehend verliebt, weil er so herrlich normal scheint, ist der egozentrische Jack Wyatt (Will Ferrell). Der ist zwar eigentlich ein liebenswürdiger Kindskopf, wird jedoch von seinen anstrengenden Manager Richie (Jason Schwartzman) zum Egoismus erzogen. Und dann gibt es noch Isabels Hexenvater Nigel (Michael Caine), dem der Wunsch seiner Tochter nach der Normalität der Sterblichen nicht behagt, der sich aber gegen seinen Willen in deren exzentrische Kollegin Iris Smythson (Shirley MacLaine) verliebt.

Nora Ephron, erfahrene Regisseurin romantischer Komödien wie Schlaflos in Seattle (Sleepless in Seattle, 1993) und e-m@il für Dich (You’ve got mail, 1998), liegt mit der Kinoverfilmung der 60er Jahre TV-Serie im Trend: Starsky und Hutch (2004) und Ein Duke kommt selten allein (The Dukes of Hazzard, 2005) sind nur zwei Beispiele für die momentane Hinwendung Hollywoods zum heimeligen TV-Format. Während die eben Genannten jedoch eher albern-ironische, mehr oder weniger an der Originalgeschichte orientierte Komödien sind, bemüht Ephron sich darum, der TV-Serie treu zu bleiben, indem sie gerade nicht das Leben der bekannten Hexe Samantha wiedergibt. Ihre Adaption ist eine auf mehreren Ebenen angelegte Komödie, die nicht nur eine Geschichte unterhaltsam erzählt.

Verliebt in eine Hexe

Isabel spielt eine Schauspielerin, die eine Hexe ist, obwohl sie eine Hexe ist. Das ist so kompliziert wie Blake Edwards’ geniale Neuverfilmung des UFA-Klassikers Victor/Victoria (1982), in der Julie Andrews eine Frau spielt, die wiederum einen Mann spielt, der eine Frau darstellt. Die Verwirrung nutzt Ephron, die zusammen mit ihrer Schwester Delia auch für das Drehbuch verantwortlich ist, zu amüsanten Wortspielen, ohne allerdings die Brillanz von Edwards Komödie zu erreichen. Geschickt führt sie zum Schluss die Ebene der Realität und die der phantastischen, irrealen TV-Serie ineinander. Denn Liebe, so die Botschaft, ist letzten Endes so magisch, dass nur ein kitschiges Fernseh-Happy End vermitteln kann, wie sie sich anfühlt.

Der Fokus liegt bei Verliebt in eine Hexe auf der Entwicklung der Romanze und die wird mit zarten Pastelltönen ins rechte Licht gerückt. Helle, freundliche Farben dominieren das Set- und Kostüm-Design, höchstens unterbrochen von den Auftritten Iris Smythsons, deren knallbunte Kleider ihren exzentrischen Charakter unterstreichen. Iris übernimmt in der Film-TV-Serie die Rolle von Samanthas eigenwilliger Mutter Endora, die im 60er Jahre Original von Agnes Moorehead gespielt wurde und deren Rolle nun eine Spezialistin für laute und exaltierte Parts übernimmt: Shirley MacLaine.

Verliebt in eine Hexe

In TV-Remakes hat das Casting eine besondere Bedeutung. Die Schauspieler müssen sich an ihren Fernsehvorgängern messen lassen, die oftmals ihre Rolle so geprägt haben, dass Schauspieler- und Rollenname synonym gebraucht werden. Auch wenn Nora Ephron durch die Rahmenhandlung den direkten Vergleich mit der von Elisabeth Montgomery gespielten Originalhexe Samantha umgeht, wird ihr das Publikum Nicole Kidmans Isabel gegenüberstellen. Kidman versucht allerdings keine Kopie des Originals zu sein – ein Umstand, den Ephron ebenfalls im Film thematisiert. Als Rollenstudium sieht Isabel sich mehrere Folgen der Serie an, wodurch auch die bereits verstorbene Montgomery noch einen Part in der Neuverfilmung einnimmt und mehr eine Bereicherung als eine Bedrohung für Kidmans Isabel darstellt.

So wie Samanthas Ehemann Darrin in der Serie immer ein wenig blass wirkte, muss auch die Figur Jack Wyatt gegenüber der alles überstrahlenden Isabel ein wenig abfallen. Trotzdem gelingen dem Komiker Will Ferrell einige sehr lustige Szenen, in denen er überzeugend seine Schauspielkunst unter Beweis stellt. Schade ist nur, dass die Rollen von Michael Caine und Shirley MacLaine so klein ausfallen.

Verliebt in eine Hexe ist eine ebenso intelligente wie lustige Komödie mit einer im wahrsten Sinne bezaubernden Hauptdarstellerin, die ihre Rolle mit Leichtigkeit zu spielen scheint und die Naivität ihrer Figur dabei niemals der Lächerlichkeit preisgibt. Nora Ephron hat die Geschichte routiniert in Szene gesetzt und das Kunststück vollbracht, die Originalserie zu entstauben und dabei die Thematik – die Untersuchung der Mann-Frau-Beziehungen übertragen auf die Beziehung Sterblicher-Hexe – erfolgreich in die Neuzeit zu übertragen.

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Kommentare


andreas jacke

"Bewitched"

Der von Niederlagen geprägte Filmstar Jack Wyatt (Will Ferrel) braucht
dringend ein Comeback und möchte in einem Remake der Fernsehserie "Verliebt
in einer Hexe" aus den 60zigern, in der dann er selbst die einzige wirkliche
Hauptrolle spielt, wieder zu neuem Ruhm gelangen. Dafür braucht Jack nachdem
der Vertrag abgeschlossen worden ist nur noch eine unbekannte Darstellerin
für die Rolle der Hexe. Gecastet werden nun Frauen als Hexen, die besonders
gut mit der Nase wackeln können. Man braucht nicht Freud gelesen zu haben,
um ungefähr ahnen zu können, was diese für Komödien übliche Hervorhebung
eines phallischen Attribtuts bei Frauen zu bedeuten hat. Als Jack in einer
Bibliothek auf Isabels (Nicole Kidman) Nase trifft, ist er sogleich von ihr
völlig hingerissen und versucht sie für das Filmprojekt zu gewinnen. Was er
nicht weiß ist, dass sie tatsächlich eine Hexe ist, die sich das Hexen
abgewöhnen möchte und auf der Suche nach der echten zwischenmenschlichen
Liebe, ohne alle Tricks, ist. Sie bekommt die Rolle in der Serie und spielt
nun eigentlich sich selbst. Dabei hat sie sich vom ersten Augenblick an in
Jack verliebt....

In dieser postmodernen Verdopplungstrukur - es wird in einer Komödie eine
Komödie gedreht die einen sehr ähnlichen Inhalt hat - liegt bis zum Plot die
gesamte Narration. Isobel wird versuchen Jack für sich zu gewinnen ohne
ihn zu verzaubern. Dabei werden aber doch die Ebenen von Film- und
Hexenrealität immer wieder vermischt. Das geht soweit das Isabel sogar ihre
Zaubersprüche wie mit der Rücklauftaste eines DVD-Players einfach rückgängig
machen kann. Auch der uralte Stopptrick - die einfachste Möglichkeit im Film
Dingen verschwinden oder auftauchen zu lassen wird bei den Dreharbeiten zu
"Verliebt in eine Hexe" verwendet - als auch als wirkllicher Filmtrick beim
Hexen benutzt.

Diese Potenzial wäre vermutlich reich an Möglichkeiten gewesen- wenn sich
der Film mehr daraus gemacht hätte. Anstattdessen sieht man zu oft die
üblichen Konventionen. So hat man vor dem Happy End eine der üblichen
Autoverfolgungsjagden, die nun wirklich ziemlich unmotiviert ist.
Darüberhinaus hat "Bewiched" einige dramaturgische Schwächen, die wohl in
der etwas zu kitischigen Auffassung des Hexenbildes, das ganz und gar
artifiziell ist, begründet liegen. Die Darstellung von Will Ferrell als
combacksüchtiger Schauspieler läßt wie auch schon in Woody Allens "Melinda
und Melinda" ebenfalls etwas zu wenig Tiefgang zu. Kidman Leistung als
Komödiantin ist großartig und wohltuend lebendig. Sie spielt, wie so oft,
die liebesuchende Singelfrau, die sich hier nicht von ihrem Vater sagen
läßt, dass sie eine Hexe bleiben muß und die Erfahrung zwischenmenschlicher
Liebe nicht auch ohne alle Zaubertricks "wirklich" machen kann. In
"Bewitched" ist Kidman nach "Practical Magic" (1998) zum zweiten Mal als
eine Hexe zu sehen - doch aus der damaligen Rolle eines Flitchens ist nun
die brave, etwas neurotische Ehefrau geworden, die ihr Glück nun in einem
eigenen Heim und der Ehe sucht. Doch da ihre Liebe zunächst auf einen puren
Egoisten trifft, kann sie doch nicht so brav sein wie sie gerne möchte - und
muß doch ein wenig mit ihren Zauberkräften nachhelfen.

Das Kidman sich so gut mit animistischen Vorstellungen verbinden läßt, mag
in unserer Kultur an ihren deutlich sichtbaren zärtlichen Ausprägung und
feminstischen Gesinnung liegen. Zerbrechlichkeit finden ja immer noch viele
unheimlich. Aber wer hätte gedacht, dass sie die Augen so toll zur Mitte hin
verdrehen kann, wie sie es in "Bewitched" tut.
(weiterführende Kritiken - siehe auch die in der epd 9/05 von Raimund Gerz


attack

"Das Kidman sich so gut mit animistischen Vorstellungen verbinden läßt, mag in unserer Kultur an ihren deutlich sichtbaren zärtlichen Ausprägung und feminstischen Gesinnung liegen."

Ein Satz ohne Sinn und Verstand. Respekt. Ich hoffe nur, du bist nicht der Andreas Jacke, der sich an einer Dissertation über die Monroe abgearbeitet hat.


attack

Die nette Idee, der Originalbesetzung der Fernsehserie durch den selbstreferentiellen Kunstgriff des Films im Film einen Auftritt zu spendieren und sie damit auch dem jungen Publikum bekannt zu machen, wird leider für eine mit allen bekannten Klischees behaftete Hollywood-Persiflage verschenkt, die es nicht vermag, den ganzen Film zu tragen.

Wir begegnen wieder einmal linkischen Managern, zynischen Produzenten und, natürlich, wie sollte es anders sein, dem dümmlichen, eitlen und etwas irren Ensemble abgehalfteter Schauspieler, die sich nach vergangenen Glanzzeiten nun als bedauernswerte Serienhelden ihr Gnadenbrot verdienen müssen. An ihrer Spitze findet sich sogleich Jack Wyatt wieder, dargestellt von US-Brutalkomiker Will Ferrell, in den sich die lebenskriselnde Hexe und angehende Schauspielerin Isabel Bigelow (Nicole Kidman) aus für den argwöhnischen Zuschauer nicht ganz nachvollziehbaren Gründen flugs verguckt. Will Ferrells übersteigertes Spiel nervt dabei mehr, als vom Drehbuch vorgesehen gewesen sein dürfte; die Überforderung ist ihm anzusehen, es gelingt ihm nur selten, der von ihm dargestellten Figur Leben einzuhauchen.

Anders Nicole Kidman: Sie schafft es, der gutmütigen, wohlwollenden, aber gewitzten Hexe einen naiven Charme zu verleihen, ohne sie der Lächerlichkeit preiszugeben oder sie gar dümmlich erscheinen zu lassen.

Doch hier lauert gleich eine andere Schwäche des Films: die Hexe stand in der populären Vorlage als Inbegriff für die subversive Affirmation des stereotypen Bilds vom harmlosen Frauchen, das im Verborgen zu manipulieren und seine Interessen durchzusetzen weiß. Der Film lässt jede avancierte ironisch-kritische Sensibilität für dieses Thema vermissen und verpasst es deshalb, diese so wichtige Komponente für den Plot nutzbar zu machen und ihn somit wirklich zeitgemäß zu aktualisieren. Übrig bleibt nicht viel, der Rest wird ausgefüllt durch den Fleisch gewordenen Running Gag in Gestalt des peinlichen, von der Hexe angebetenen Liebsten.

Mit Michael Caine als dem der profanen Welt der Sterblichen entrückten Vater sowie Shirley MacLaine als geheimnisvoller, spleeniger Schauspielerkollegin stehen neben Nicole Kidman zwei weitere, große Namen auf der Besetzungsliste, doch ihr Beitrag bleibt infolge eines sich zum letzten Drittel des Filmes hin langsam aber überdeutlich davonstehlenden Screenwritings bis auf eine dankenswerte Ausnahme notgedrungen blass und bedeutungslos.

Was ist von dem Film also schließlich zu halten? Er ist nicht besonders gut gelungen, aber wegen einiger weniger, gelegentlich in der Trübe des Plots auflodernder lichter Momente, die an erster Stelle Nicole Kidmans Leistung zu verdanken sind, auch nicht wirklich katastrophal gescheitert. Er hätte wirklich interessant werden können, bleibt aufgrund mangelnder Inspiration und fehlenden Mutes jedoch nur etwas besserer Durchschnitt.


Isabel

ICh finde, dass der Film gar nicht so schlecht ist, wie ihn andere darstellen. Er ist vielleicht nicht ganz so witzig, wie er sein sollte, aber es ist Nicole Kidmans erste Rolle in einer Komödie. Der Film zerfällt vielleicht auch ein bischen zu fest in einzelne Szenen, aber sonst,bin ich masslos begeistert. Er ist ÜBERHAUPT nicht langweilig, sondern sprizig und amüsant!!!!


andreas Jacke

In einer Kultur in der Zärtlichkeit zum Problem gerät und der Sex dafür masslos überschätzt wird kommt es vor das eine zärtliche Gesinunng mit verhexten das aber ehißt animistischen Fähigkeiten in Verbindung gebracht wird. Bei Monroe liegen die Themen ziemlich anders. Der Film ist wie ich finde trotz der leisen Kritik absolut sehensswert.


Dr. Andreas Jacke

Der Film ist auch ein halbes Jahr später doch viel weitreichender als sein Ruf... wer hätte das gedacht??
Dr. Andreas Jacke (Filmwissenschaftler und Regiesseur)






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