Verflucht

Wes Craven, der seit den 70er Jahren Horrorfilme dreht, in den 80er Jahren mit Nightmare on Elm Street zur Legende wurde und in den 90er Jahren mit Scream einen Horrorfilm mit Metaebene schuf, nimmt sich in seinem Werk Verflucht (Cursed) einen der klassischen Plots des Genres vor: den des Werwolfs.

Verflucht

Die Internet Movie Database findet unter dem Stichwort „Werewolf“ 191 Filme. Bis ins Jahr 1913, damals war das Medium Film erst 18 Jahre alt, reicht die Geschichte vom Mann, der bei Vollmond zum Tier wird, zurück. Damals drehte Henry MacRae The Werewolf, einen Kurzfilm, der lange Zeit verschollen war. Und bereits 1941, mit Der Wolfsmensch (The Wolf Man) von George Waggner, produzierte Hollywood den Klassiker des Genres. Seitdem hat es noch zahlreiche Variationen gegeben, die meist vor allem mit der Tricktechnik für Aufsehen sorgten. Die Verwandlung der Hauptfigur in American Werewolf (An American Werewolf in London, 1981) war damals eine Sensation und ist noch in guter Erinnerung.

Wes Craven und sein Drehbuchautor Kevin Williamson haben der langen Reihe mit Verflucht (Cursed) ein weiteres, solide und spannend gemachtes Werk hinzugefügt. Mehr aber leider nicht. Statt Innovationen, die wie in der Scream-Trilogie in den 90er Jahren das Genre gekonnt ironisieren, ohne es zu zerstören, handelt es sich bei Cursed um eine weitgehend konventionell erzählte Geschichte.

Die Geschwister Ellie (Christina Ricci, deren riesige Kugelaugen hervorragend in einen Gruselfilm passen) und Jimmy (Jesse Eisenberg) geraten in einen Unfall. Sie werden von einem wilden Tier gebissen und müssen ansehen, wie es eine junge Frau in Stücke reißt. Regisseur Craven ist dabei nicht zimperlich, sondern zeigt recht detailliert, wie ein Körper aussieht, der von einem zwei Meter großen Ungeheuer mit riesigen Fangzähnen zweigeteilt wird.

Verflucht

Ellie, die bei einem Fernsehsender arbeitet, will den Vorfall schnell vergessen; ihr Bruder jedoch ist – dank Internet-Recherche – bald davon überzeugt, dass sie von einem Werwolf gebissen wurden und sich nun langsam verwandeln. Der Rest der Handlung dreht sich dann darum, herauszufinden, wer der Werwolf ist. Verdächtig sind einige Kandidaten, unter anderem Ellies Freund Jake (Joshua Jackson), aber es gibt genug Wendungen, um am Schluss doch noch überrascht zu sein.

Interessant ist der Film vor allem in den Szenen, die die Verwandlung thematisieren – und zwar nicht hinsichtlich der Tricktechnik, sondern hinsichtlich der inneren Veränderungen. Etwa wenn Jimmy, der ein genreüblicher „Nerd“ ist, mit seinen neuen Kräften beim Wrestling gewinnt. In einer langen schönen Sequenz läuft Ellie von der Kamera verfolgt durch die Flure im Büro, einem Geruch nachgehend, der sie unbewusst elektrisiert hat. Schließlich kommt sie in der Küche an, wo eine Kollegin sich die blutende Nase hält: Ellies animalische Instinkte sind erwacht. In Wolf (1994) gab es eine ähnliche Szene mit Jack Nicholson, der seine neuen Fähigkeiten als Werwolf, wie zum Beispiel das gute Gehör, geschickt gegen seine konkurrierenden Kollegen einsetzt. Das war der Wolf im Haifischbecken des Kapitalismus; zu solch symbolhafter Modernisierung des Mythos kann sich Craven jedoch nicht entschließen. Seine Verweise bleiben Spielerei, zum Beispiel auch wenn er wie üblich zahlreiche Filme zitiert, am effektivsten die Szene im Spiegelkabinett aus Orson Welles’ Die Lady von Shanghai (The Lady from Shanghai, 1947).

Verflucht

Die Erneuerung, die Craven und Williamson betreiben, beschränkt sich auf eine leichte Verschränkung von Horror und Komik. Das führt zu manch gelungener Pointe, etwa wenn sich herausstellt, dass weibliche Werwölfe zu ihrem eigenen Verderben durchaus eitel sind, schafft aber gleichzeitig den Eindruck von Unentschlossenheit. Mit Zeilen wie „There is no such thing as safe sex with a werewolf“ mischt sich noch die Aids-Problematik hinzu, und der gewalttätige Rüpel von der Schule stellt sich schließlich als sanfter Schwuler heraus. So mag die Teenagerwelt in Cursed moderner und liberaler sein als diejenige bei Michael J. Fox in Teen Wolf - Ein Werwolf kommt selten allein (Teen Wolf, 1985), oder, noch früher, in Der Tod hat schwarze Krallen (I was a Teenage Werewolf, 1957). Der Film selbst bleibt aber hinter dem zurück, was man von Regisseur Wes Craven erwarten darf. Dass der Showdown in einem Horrorkabinett spielt, in dem zahlreiche Pappmaché-Monster herumstehen, wirkt da nur wie ein trauriger Rest aus der einstigen kreativen Selbstreflexivität von Scream.

Kommentare


a. jacke

(korregierte FAssung)

Wie schwer es ist dieses alte Genres des Werwolfilms wieder
zu beleben, ohne auf die angestaubten Regeln, die es beinhaltet hereinnzufallen zeigt dieser Film, der aber am Ende seinem Regisseur schließlich auch fast gänzlich aus den Händen genommen wurde. Überall wo "Wes Craven" draufsteht - ist halt noch lange nicht "Wes Craven" drin. Das könnte neben dem riskanten Ansatz das Hauptproblem gewesen sein. Andererseits ist die Linie der Selbstreflexion, die in der Scream-Triologie eingeschlagen wurde auch nur schwer weiterzuverfolgen...
und schon gar nicht 10 Jahre später... a. jacke


bilie

ich liebe diesen film der is soo geil und voll gut gemacht nd witzig dazu!!!

VERFLUCHT 4-EVER






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