Valley of Flowers

Nach der „Siddharta“-Adaption Samsara hat der indische Regisseur Pan Nalin eine Mischung aus Abenteuer- und Liebesfilm gedreht, dessen zeitlicher Rahmen sich über zweihundert Jahre erstreckt.

Valley of Flowers

Die steigende Beliebtheit von Bollywoodfilmen in Europa hat neben einem verstärkten DVD-Import auch zur Folge, dass die Begriffe "indischer Film" und "Bollywoodfilm" gerne synonym verwendet werden. Neben unabhängigen Filmen, die sich ganz offensichtlich von den bildgewaltigen Masseninszenierungen der indischen Traumfabrik unterscheiden, betrifft diese Verwechslung öfters aufwändige Arthouse-Produktionen wie Mira Nairs Monsoon Wedding (2001), Water (2005) oder Samsara (2001) von Pan Nalin. Dass sich diese Filme von Bollywood schon alleine in Hinblick auf ihre Zielgruppe abgrenzen, kann man deutlich an Nalins neuem Film Valley of Flowers verfolgen.

Er erzählt darin von einer Räuberbande rund um den charismatischen Anführer Jalan (Milind Sonam), die Anfang des 19. Jahrhundert im Gebiet um den Himalaya auf Beutezug geht. Als sich die mysteriöse Schönheit Ushna (Mylene Jampanoi) an den Raubzügen beteiligen will, stößt sie zunächst auf Ablehnung, kann aber durch den Besitz wertvoller Informationen und Jalans Zuneigung ihren Platz in der Gruppe behaupten. Schon bald schleichen sich jedoch erste Anzeichen von Misstrauen und Eifersucht in das Gemeinschaftsleben ein.

Valley of Flowers

Im Gegensatz zu den farbenprächtigen Inszenierungen des Bollywoodkinos, das mit musikalischen Einlagen und stark stilisierten Gefühlen wie ein Spektakel aus einer fremden Welt wirkt, ist Valley of Flowers formal eher nach den Konventionen eines westlichen Abenteuerfilms gestaltet. Der Reiz von Bollywoodfilmen liegt für ein europäisches Publikum gerade darin , dass sie für ein hauptsächlich indisches Publikum gedreht werden und sich durch ihren Bruch mit westlichen Sehgewohnheiten auch durchaus als unterhaltsamer und aufwändig inszenierter Trash konsumieren lassen. Internationale Koproduktion wie Valley of Flowers oder Monsoon Wedding sind darauf angelegt, globaler zu funktionieren und bedienen sich statt an dekorativem Kitsch eher an der kalkuliert eingesetzten Exotik des World Cinemas .

Nachdem Valley of Flowers seinen Status als opulenter Abenteuerfilm durch eine zentrale Verfolgungsjagd zwischen der Räuberbande und Yeti (Naseeruddin Shah), dem hiesigen Hüter des Gesetzes, manifestiert hat, wandelt sich der Film zunehmend zur dramatischen Liebesgeschichte von Ushna und Jalan. Dabei verleiht Nalin seinem Film zusätzlich eine durch mystische und religiöse Rituale auftretende spirituelle Komponente, die letztendlich nicht viel mehr ist als eine Ansammlung an folkloristischem Kitsch. Dass die Handlung des Films von der Erzählung „Liebeszauber und schwarze Magie“ der französischen Entdeckerin und Schriftstellerin Alexandra David-Néel inspiriert wurde, die in ihren Texten ein großes Faible für Esoterisches offenbart, ist dann auch im weiteren Verlauf der Geschichte wenig verwunderlich.

Valley of Flowers

Als Jalan und Ushna sich und ihrer Liebe mit einem Zaubertrank Unsterblichkeit verleihen wollen, funktioniert der Trank nur bei Jalan, der daraufhin zu ewiger Einsamkeit verdammt ist. An diesem Punkt der Handlung vollzieht sich ein schwerer Bruch, der Jalan auf einer über Landesgrenzen und Jahrhunderte reichenden Wanderung bis ins Tokio der Gegenwart bringt. Selbst für einen Film wie Valley of Flowers, der unverblümt auf die Emotionen seiner Zuschauer abzielt, ist es bemerkenswert, wie Nalin seinen Film im letzten Drittel mit einer Vielzahl an albernen Ideen und Wendungen erdrückt. So hat der mit einem bedrohlich im Wind flatternden Mantel bekleidete Jalan ironischerweise eine Vereinigung für Sterbehilfe gegründet und begegnet kurz darauf seiner früheren Geliebten, die als japanische Nachtklubsängerin wieder geboren wurde. Dem Schauplatz Tokio kommt zwischen alldem nur eine rein dekorative Funktion zu.

Letztendlich erzählt Nalin in seinem Film, ähnlich wie Francis Ford Coppola in Dracula (Bram Stoker’s Dracula, 1992), von der Unsterblichkeit der Liebe und einem „Helden“, der durch einen Fluch dazu verdammt ist, dass diese Liebe unerfüllt bleibt. Dass so eine Geschichte emotional sein darf, versteht sich von selbst. Abgesehen davon, dass Valley of Flowers von triefendem Pathos durchsetzt ist, mangelt es ihm aber vor allem an Glaubwürdigkeit. Und zwar nicht, weil die Hauptfigur unsterblich ist, sondern wegen den kulturellen und religiösen Elementen, die nichts weiter sind als hohle ästhetische Spielereien.

 

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