Unleashed - Entfesselt

Der Ausnahmekämpfer als Kettenhund: Danny (Jet Li) wird wie ein Tier gehalten und kann sich schließlich aus seinem aufs Kämpfen beschränkten Leben befreien.

Unleashed - Entfesselt

Unter den asiatischen Martial Arts-Stars, die es auch in Europa und den USA zu einiger Bekanntheit gebracht haben, ist Jet Li vielleicht der direkteste, ernsthafteste. Wo etwa Jackie Chan mit Gegenständen fast tänzerisch umgeht, und gerne noch eine zusätzliche Pirouette macht, bevor er einen Angriff mittels eines Hutständers abwehrt, sind die Dinge bei Jet Li reines Werkzeug: Mit Bügeleisen und Billardkugel werden die Gegner schnell und effektiv außer Gefecht gesetzt. Wo Jackie Chan tänzelt, ausweicht und für komische Momente sorgt, sind bei Jet Li die Bewegungen direkt und zielgerichtet.

In Jet Lis Rollen fehlt auch die Nachdenklichkeit, die etwa Chow Yun-Fat gerne zeigt; Jet Lis Konzentration scheint ganz auf den Kampf gerichtet. Diese fast asketische Sparsamkeit im Kampf stellt er auch in seinem neuen Film Unleashed – Entfesselt unter Beweis.

Jet Li spielt Danny, der noch als Kind von seiner Mutter getrennt wurde. Er ist ein ausgezeichneter Kämpfer und wird von dem Geldeintreiber Bart (Bob Hoskins), der ihn in einer Art Käfig halt, als Waffe gegen säumige Zahler eingesetzt. Danny ist auf dem Entwicklungsstand eines kleinen Kindes, kann auch ein bisschen lesen und würde gern Klavier spielen; wenn Bart ihm allerdings sein metallenes Halsband abnimmt, wird er zum gut abgerichteten Schläger. Bart möchte ihn schließlich sogar für illegale Wettkämpfe gegen andere Menschen einsetzen, die auf Leben und Tod geführt werden.

Unleashed - Entfesselt

Bei einem Unfall werden Bart und seine Kumpanen schwer verletzt; Danny, der sie für tot hält, kann fliehen und findet Unterschlupf bei dem blinden Klavierstimmer Sam (Morgan Freeman) und seiner musikalisch äußerst begabten Stieftochter Victoria (Kerry Condon). Bei ihnen lernt er nicht nur Musik kennen, sondern beginnt auch ein normales Leben – bis er von Bart wieder aufgestöbert wird.

Unleashed ist, recht ungewöhnlich für einen Film mit Jet Li, also über weite Strecken frei von Kampfszenen. Regisseur Louis Leterrier, der bereits mit seinem Erstling The Transporter (2002) gezeigt hatte, dass er etwas von solidem Actionkino versteht, lässt hier eine geschwisterlich-platonische Romanze zwischen Victoria und Danny wachsen und setzt reichlich Sonne, warme Farben und ruhige Kameraeinstellungen ein, um das Leben mit Sam und seiner Tochter besonders schön aussehen zu lassen.

Der Kontrast zu Dannys vorheriger Existenz könnte kaum größer sein: die hektisch geschnittenen Aufnahmen, oft in schmutzigbraunen Farbtönen und grobkörnig gefilmt, machen überdeutlich, dass dies kein erstrebenswertes Leben für Danny ist. Es ist das eigentliche Problem von Unleashed, dass diese Botschaft mit solchem Nachdruck ins Hirn des Zuschauers gehämmert werden soll, als ob das noch nötig wäre bei den letztendlich völlig einseitigen Charakteren.

Unleashed - Entfesselt

Bob Hoskins etwa gibt den einfach nur fiesen Bösewicht ohne Facetten und stets in weißen Anzügen gekleidet. Morgan Freemans Sam hingegen ist, dieses Stereotyp wird nicht etwa ironisch gebrochen, sondern ist völlig ernst gemeint, doch tatsächlich nichts anderes als ein sanfter, weiser, schwarzer alter Blinder, seine Stieftochter ist verständnisvoll und sanft, und Danny schließlich mag etwas einfältig sein, lernt aber schnell und ist im Herzen rein: der gutmütige, gefährliche Wilde.

Das alles wäre nicht so schlimm, wenn Regisseur Leterrier und Produzent Luc Besson, der schon an The Transporter und an Kiss of the Dragon (2001), einem weiteren Film mit Jet Li, beteiligt war, Unleashed als reinen Actionfilm angelegt hätten, denn auf dieser Ebene mag er durchaus überzeugen. Li ist gewohnt akrobatisch, und seine atemberaubende Gelenkigkeit stellt er in einem sich scheinbar ewig hinziehenden Zweikampf unter Beweis, der im Inneren einer winzigen Toilette mit allen Gliedmaßen geführt wird.

Unleashed soll aber unbedingt mehr sein als das und gerät so zu einer reichlich flachen Parabel über die heilsame Wirkung von Musik und Bildung sowie über die Vorzüge des einfachen Lebens in der liebenden Familie, in die die gelegentlich explosive Brutalität von Jet Lis Figur nicht so recht hineinpassen will.

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