Underwater Love - A Pink Musical

„Du brauchst die Analperle, um den Todesgott zu überlisten!“ Ein weiterer absurd-komischer Pinkfilm von Shinji Imaoka, diesmal mit deutscher Beteiligung. 

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Eigentlich will Asuka (Sawa Masaki) nur einen kleinen Fisch retten, der bei ihrer Arbeit in der Fischfabrik überlebt hat. Als sie ihn jedoch in die Freiheit entlässt, wird sie mit einem ganz anderen Wasserlebewesen konfrontiert: einem Kappa. Dabei handelt es sich um einen Zwitter aus Mensch und Schildkröte – ein Fabelwesen, das auch heute noch eine starke Präsenz in der japanischen Gesellschaft hat. In Underwater Love - A Pink Musical (Onna no kappa) ist dieser Kappa ein ehemaliger Mitschüler Asukas, der nach einem tödlichen Unfall wiedergeboren wurde. Jetzt ist er zurück, um dem einstigen Schwarm seine Liebe zu gestehen.

Der Pinkfilm ist in Japan kein besonders hoch angesehenes Filmgenre. Und doch diente er die letzten fünfzig Jahre immer wieder als Experimentierfeld vieler namhafter Regisseure. Schließlich haben die Macher dieser billig produzierten Sexfilme abgesehen von wenigen Vorgaben ein hohes Maß an künstlerischer Freiheit. Einige wie Takahisa Zeze haben sich trotz kommerzieller Filmkarriere nicht vom Pinkfilm abgewandt und das Genre um einige bemerkenswerte, düstere und surreale Beiträge bereichert.

Underwater Love 02

Shinji Imaoka gehört noch einmal einer anderen Kategorie an. Er hat nie etwas anderes als Pinkfilme gedreht. Wie Zeze hat er ein Faible für Motive wie Tod und unerfüllte Liebe. Die Protagonistin in Underwater Love steht etwa vor einem Dilemma. Sie fühlt sich zu dem Schildkrötenmann hingezogen, hat sich aber soeben mit ihrem Chef verlobt. Und da wäre noch der Todesgott, der es plötzlich auf sie abgesehen hat.

Im Gegensatz zu seinem bekannteren Kollegen ist Imaoka aber eher dem Komödienfach zugetan. Seine Figuren sind, gelinde gesagt, etwas vertrottelt. Und seine Filme vor allem fantasievolles und herrlich albernes Volkstheater. Nicht selten dringen sie dabei bis ins Mythische und Übernatürliche vor. Die für das Genre obligatorischen drei Sexszenen spielen dabei nur eine untergeordnete Rolle. Wenn ein Kappa mit einem Geschlechtsteil, das wie ein Reptil aussieht, beim Kopulieren gezeigt wird, disqualifiziert sich das naturgemäß als Wichsvorlage. Das mag auch einer der Gründe dafür sein, warum Imaoka beim heimischen Sexkino-Publikum weniger beliebt ist als im westlichen Arthaus-Milieu. Dass sich sein neuer Film noch dazu als Musical versteht, wird daran nichts ändern.

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Underwater Love ist aber auch gar kein richtiger Pinkfilm. Er ist weder für den japanischen Markt entstanden, noch hält er sich an die vorgeschriebene Laufzeit von einer Stunde. Der auf asiatisches Kino spezialisierte Kölner Verleih Rapid Eye Movies hat den Film mitproduziert, die deutsche Band Stereo Total den infantilen Electro-Pop-Soundtrack beigesteuert, Star-Kameramann Christopher Doyle (Chunking Express, Chung Hing sam lam, 1994; Paranoid Park, 2007) die Bilder. Dem Genre bleibt Underwater Love zumindest in der Hinsicht treu, dass er mit offensichtlich geringem Budget gedreht wurde. Wenn die Musik einsetzt, wird nicht lippensynchron gesungen, sondern lediglich ungelenk in der Gegend rumgehüpft. Selbst der ansonsten etwas aufdringliche Kunstwille von Christopher Doyle beschränkt sich hier auf ein paar dezente Spielereien mit der Belichtung.

Der Reiz von Imaokas letzten Filmen besteht gerade darin, dass sie ihre bescheidenen Finanzen offen ausstellen. Aus einem vermeintlichen Mangel wird schnell einmal ein souverän eingesetztes Stilmittel. In seinem Film Liebestoll im Abendrot (Tasogare, 2007) gibt es etwa eine Rückblende, in der die betagten Figuren mit Schuluniformen und schlecht sitzenden Perücken sich selbst als Jugendliche spielen. Ähnlich verhält es sich mit dem instabilen Kostüm des Kappas. Das soll niemanden ernsthaft täuschen, funktioniert aber trotzdem. Wer braucht da noch CGI?

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Streckenweise wird diese Niedlichkeit und Skurrilität auch zu berechnend eingesetzt. Genau das mag Rapid Eye Movies auch an Imaoka gefallen haben. Der Verleih hat durchaus einige bemerkenswerte Filme in seinem Programm, beschränkt sich dann aber doch zu oft darauf, ein möglichst exotisches Bild von Asien zu bedienen. Je poppiger und abgefahrener, desto besser. Und auch Underwater Love eignet sich wieder gut für das Klischee der verrückten Japaner. Darauf reduzieren lässt sich Imaoka aber nicht. Dafür sind seine Filme dann doch zu einfallsreich und lustig.

Trailer zu „Underwater Love - A Pink Musical“


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