Und nebenbei das große Glück

Sacha kann toll Klavier spielen. Aber leider muss er sich verlieben.

Und nebenbei das grosse Glueck 05

So schön beschwingt geht es los, am Klavier. Sachas (Gad Elmaleh) Finger fliegen über die Tasten, wir erkennen die Umgebung langsam als einen Musikclub und hören die Menschen, die um das Klavier stehen und Sacha anfeuern. Doch dieser beschwingte Einstieg wird bald gestört, und zwar von Sachas erstem Voice-over, mit dem er ganz höchstpersönlich seine Figur einführt, und das in einer Ansammlung von nur wenig originellen Sätzen, die man schon hundertmal gehört zu haben meint. Man versteht schnell: Ein Lebemann ist dieser Sacha, immer mit Freunden unterwegs, ein Künstlerleben, oder zumindest der Traum von einem Künstlerleben, denn wirklicher Erfolg war Sacha und seinem besten Freund Lolo (Maurice Barthélémy) bislang nicht beschieden. Trotzdem tüfteln beide unentwegt am Konzept für eine große Varieté-Show, mit der sie irgendwann eine Bühne dieser Welt erobern wollen.

Die zweite Szene liefert dann die Kehrseite von Sachas freizügigem Leben und macht umso deutlicher, dass sich hier etwas ändern muss. Am nächsten Morgen betritt Sachas Mutter seine Wohnung, schmeißt den verkaterten Sohnemann aus dem Bett und dessen aktuellen One-Night-Stand gleich aus der Wohnung. Als sie damit beginnt, aufzuräumen und die Wäsche zu waschen, ist Sacha als Figur fertig eingeführt und die Entwicklung von Und nebenbei das große Glück (Un bonheur n’arrive jamais seul) vorgegeben: Hier muss jemand erwachsen werden. Und natürlich geht das nicht über die nächste Affäre, sondern nur über eine richtige Liebe.

Und nebenbei das grosse Glueck 11

Auftritt Charlotte (Sophie Marceau). Und was für ein Auftritt: Sie tritt aus dem Hauptquartier des Großindustriellen Alain Posche (François Berléand), für den Sacha gerade einen Werbejingle konzipieren sollte, rutscht auf dem vom Regen nassen Bordstein aus und fällt Sacha buchstäblich vor die Füße. Sacha bringt sie nach Hause, man trinkt einen Kaffee, und dabei erfährt der verblüffte Jazzpianist, in wen er sich da gerade verliebt: Charlotte heißt mit Nachnamen Posche und ist die Ehefrau des reichen Unternehmers, den Sacha und seine Freunde wegen seiner chauvinistischen Allüren nur den „geilen Bock“ nennen. Doch alles kein Problem, die Posche-Ehe ist schon länger nur noch Fassade zum beidseitigen Vorteil, und Charlotte wie Sacha scheinen grundsätzlich gewillt, sich aufeinander einzulassen.

Und nebenbei das grosse Glueck 04

Die Vorzeichen stehen also denkbar gut im neuem Film des komödienerprobten James Huth. Auch wenn hier empirische Studien noch fehlen mögen, hat man das Gefühl, im Genre der romantischen Komödie findet eine zunehmende Verschiebung statt, weg von den klassischen Geschichten des langgezogenen Kennenlernens und Verliebens mit dem Kuss als Höhepunkt, hin zu einem Romeo-Julia-Narrativ, das diesen ersten Kuss erstaunlich rasch erreicht hat – und bei dem die echten Probleme erst danach beginnen. Zwar schlüpft der so arrogante wie reiche Alain im Laufe des Films doch noch in so etwas wie eine Antagonisten-Rolle, doch die hauptsächlichen Hindernisse für die frisch Verliebten sind drei andere und heißen Leónard, Louis und Suzy; hatte Pierre doch bereits in der Eingangsszene klargemacht, dass er Kinder für die absolut unnötigste Erfindung überhaupt hält.

Die Gören bringen dann auch tatsächlich noch etwas frischen Wind in die eigentlich wenig innovative Konstellation. Sachas unbeholfene Versuche, die Kinder für sich zu gewinnen, führen zu unterhaltsamen psychologischen Machtspielchen wie zu ganz physischem absurd-komischem Slapstick. Dieser witzigste Part des Films gerät jedoch schnell wieder in den Hintergrund, als handfestere Hindernisse die neue Liebe herausfordern. Formal steht die Ehe mit dem fiesen Alain Posche im Weg, und ganz konkret schließlich Freund Lolo, dem es tatsächlich gelungen ist, eine New Yorker Bühne für die gemeinsame Show zu mieten – wobei er einen verliebten Sacha gar nicht gebrauchen kann. Zunehmend bekommen wir hier also die übliche Kost: Protagonist, bester Freund und Gegenspieler müssen die Handlung zu ihrem Ende treiben, und das niemals bezweifelte Happy End wird einmal mehr zur Verhandlungssache unter Männern.

Und nebenbei das grosse Glueck 06

Die Eingangsszene steht damit symptomatisch für den ganzen Film. Auch wenn die Balance zwischen irgendwie ernst gemeinter Story und etwas arg banalem Slapstick eine schwierige ist, gelingt Huth an einigen Stellen eine absurde Situationskomik, welche die schematische Grundstruktur des Films in den Hintergrund drängen kann. So kann Und nebenbei das große Glück also tatsächlich Spaß machen. Gerade gegen Ende jedoch überwiegt die Last der immer gleichen Dramaturgie. Es geht also durchaus mal beschwingt zu zwischendurch, doch Sachas Voice-over führt uns immer wieder zielsicher zurück in die biederen Mechanismen der romantischen Komödie.

Trailer zu „Und nebenbei das große Glück“


Trailer ansehen (2)

Kommentare

Es gibt bisher noch keine Kommentare.






Kommentare der Nutzer geben nur deren Meinung wieder. Durch das Schreiben eines Kommentars stimmen sie unseren Regeln zu.