Umständlich verliebt

Sieben Jahre lang nicht wissen, dass man Vater ist – Umständlich verliebt macht daraus eine etwas andere Liebeskomödie, die Versatzstücke des Genres geschickt neu ordnet.

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Die romantische Komödie hatte immer schon allerlei Standardkonstellationen, und eine davon ist die, wenn man so will, RomCom with kids, in der einer der zu verbindenden Partner bereits ein Kind hat – früher waren das gerne meist Witwer, wie in Erich Engels’ Witwer mit fünf Töchtern (1957) mit Heinz Erhardt, später auch einmal geschiedene Mütter, wie in der deutschen Fernsehserie Ich heirate eine Familie (1983-1986). In diesen Filmen spielt die Existenz der Kinder insgesamt eine eher große Rolle (und sorgt wesentlich für die komischen Momente), während sie in Komödien wie Jungfrau (40), männlich, sucht (The 40-Year-Old-Virgin, 2005) nur am Rande von Bedeutung sind oder nur dazu dienen, die Vorgeschichte der Charaktere näher auszuleuchten.

Gleichwohl hat sich in den letzten Jahren noch ein spezieller Typus ausgebildet, dessen Entstehung wohl ausschließlich gesellschaftlichen Entwicklungen zuzuschreiben ist – die romantische Komödie um eine Frau, die ihre Schwangerschaft selbst in die Hand nehmen möchte. Hier werden Themen wie Leihmutterschaft, Samenspenden und künstliche Befruchtung angerissen, die bis vor kurzer Zeit im Mainstreamfilm allenfalls im Kontext stabiler heterosexueller Partnerschaften gezeigt worden wären.

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In Baby Mama (2008) spielt das künstlich zu zeugende und von einer Leihmutter auszutragende Kind noch die Rolle eines MacGuffin, der die Handlung erst so richtig in Schwung bringt. Anfang des Jahres war in Plan B für die Liebe (The Back-Up Plan, 2009) dann zu beobachten, dass auch in Hollywoodfilmen Frauen ihrem Kinderwunsch allein und durch künstliche Befruchtung auf die Sprünge helfen können – und dass sich daraus (in diesem konkreten Fall: eher bemüht) komische Funken schlagen lassen.

Nun gibt es mit Umständlich verliebt (The Switch) einen weiteren Film, der das Thema künstliche Befruchtung humorig für eine romantische Komödie zu melken versucht. Jennifer Aniston spielt darin die New Yorkerin Kassie, die sich lange vergeblich nach dem richtigen Mann umgesehen hat und nun – tick, tack, sagt ihr die biologische Uhr – entschlossen ist, ein Kind von einem Samenspender zu bekommen. Ihr bester Freund Wally (Jason Bateman) ist von diesem Entschluss einigermaßen schockiert, was aber selbstverständlich auch daran liegt, dass er – das wird dem Zuschauer relativ früh schon klargemacht – Kassie eigentlich liebt, es sich aber selbst nicht eingestehen kann oder mag. Dass er sie am Ende aber doch kriegen muss, gehört zu den Grundregeln des Genres, und daran wird hier nicht gerüttelt.

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Die wesentlichen Elemente des Films sind die einer modernisierten, noch etwas gedämpften (keine auch nur vorgetäuschten Orgasmen in Sicht) und durch ein Kind ergänzten Version von Harry & Sally (When Harry Met Sally, 1989), weshalb auch Wally, wie seinerzeit Harry, ein kleiner Zyniker und Exzentriker ist. Männer und Frauen können also in der romantischen Komödie – dies ist die Fassung fürs Mainstreampublikum – immer noch nicht einfach nur Freunde sein, schließlich müssen sie ja zueinanderfinden.

Der Plot von Umständlich verliebt, der auf einer Kurzgeschichte von Jeffrey Eugenides beruht, positioniert das Kind allerdings nicht nur als in jeder Hinsicht exzentrischen Punkt, um den sich die Handlung und die Figuren gruppieren – denn natürlich wird es die Auseinandersetzung mit diesem Kind sein, durch die Wally sich seiner Liebe bewusst wird. Um die Kernfamilie bruchlos und komplett zu machen, aber auch, um die Figuren zueinander zu zwingen – und dabei zugleich einige der komischsten Sequenzen des Streifens zu schaffen –, gibt es nämlich noch einen zusätzlichen Schlenker, durch den Wally auch zum biologischen Vater von Sebastian (Thomas Robinson) wird, ohne dass aber Kassie davon weiß.

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Wie es zu dieser Vaterschaft kommt, die Wally durch reichlichen Alkoholkonsum sofort vergisst und verdrängt, ist noch der verruchteste Einfall des Drehbuchs von Allan Loeb, und auch wenn es nie richtig verklemmt zugeht, erreicht der Film doch nie die Lockerheit, die er gerne suggerieren möchte, wenn Kassie etwa zu ihrer „Ich werde schwanger“-Party einlädt und aus dem Briefumschlag viele kleine bunte Papierspermatozoen herausfallen.

Den Regisseuren Josh Gordon und Will Speck gelingt mit Umständlich verliebt aber dennoch ein durchaus bemerkenswerter Erfolg: Denn obwohl die Geschichte weder besonders intelligent noch herausragend komisch ist, funktioniert der Film nach den Maßstäben des Genres erstaunlich gut und lockt mit seinem versöhnlichen Ende sicher die eine oder andere Träne hervor. Das liegt an den Darstellern, die ihren Figuren mehr Leben verleihen, als man es von ähnlich gelagerten Filmen gewohnt ist – vor allem Juliette Lewis und Jeff Goldblum als beste Freunde von Kassie bzw. Wally machen aus ihren wenigen Szenen stets bemerkenswerte kleine Auftritte.

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Allerdings wirkt es doch ein wenig bemüht, wie Loebs Skript Wally und Sebastian lauter ähnliche Ticks und Exzentrizitäten zuschreibt, wie der Sohn zudem mit Gesten und Verhaltensweisen des Vaters inszeniert wird – als ergäben sich Vaterschaft und väterliche Liebe allein aus der (hier implizit immer biologisch vermittelten) Ähnlichkeit zwischen Sohn und Vater. Da traut der Film seinen Figuren dann doch vielleicht weniger zu, als in ihnen angelegt wäre – und verzichtet so darauf, eine noch bessere Liebesgeschichte zu erzählen.

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